„Yes, wir kenn...“
... oder was Westerwelle mit Twitter zu tun hat
In Zeiten wie diesen ist alles irgendwie anders. Die Bundestagswahl hat meiner Meinung nach im Vergleich zu sonstigen Veranstaltungen in unserem Land besonders viel Rummel verursacht. Wenn man die Wahlplakate beiseite lässt und auch die sedierenden Talkrunden im Fernsehen, so stellt man eines definitiv fest: Das Netz ist die Gesellschaft. Das wurde lange Zeit behauptet, aber ich finde, spätestens jetzt konnte man es Pixel in Matrix sehen. Da wurden Blogeinträge „gehypt“ und die Onlinepresse überschlug sich mit Politikerporträts und Parteienanalysen. Im Bereich „Wissen to go“ wurden Jung- und Erstwähler im Radio – nebst angebundenem Internetportal – aufgeklärt, welche Parteien es überhaupt gibt und was die so machen. Horst Schlämmer bringt einen Kinofilm an den Start und auf allen Kanälen im Land gibt es Sondersendungen und Spekulationsrunden zum Ausgang der Bundestagswahl. Auf Twitter ist sicherlich immer was los, und so waren es allerdings eher die Piraten, die dort aktiv wurden und sicher einen beachtlichen Erfolg für sich verbuchen konnten. Die etablierten Parteien sind im Netz hingegen eher unsichtbar gewesen, was sich auch im Wahlergebnis widerspiegelt. Münteferings Liste der Tweets passt praktisch auf einen Bildschirm mit einer Pixelhöhe von 320, wohingegen Jörg Tauss fast an den Traffic von Spammern heranreicht. Zusammenhänge sind vielleicht diesmal noch nicht so sehr zu belegen, allerdings wird dies mit den kommenden Jahren immer mehr der Fall sein. Dabei spricht ja nichts dagegen, wenn die etablierten Parteien sich nicht als Nummer Eins bei Twitter hervortun.
Das Netz ist nicht alles, und es gibt sicher mehr notwendige Themen in der Politik, als das Wiki der Piratenpartei momentan hergibt. Doch das ist aktuell nur der Anfang. So konvergiert die Kommunikation der Parteien in Zukunft auf eine Drehscheibe, das World Wide Web. Bis dahin wird es sicher noch die Version 3.0 oder 4.0 geben, doch ist dieser Trend ungebrochen.
Fragt mich jemand nach meiner Meinung, so sage ich, dass jeder selbst erfahren muss, wie die Art der Informationsbeschaffung und der Austausch von Informationen stattfindet und in Zukunft aussehen wird. Jeder für sich wird lernen müssen, damit umzugehen und seinen Vorteil daraus zu ziehen. Allen voran müssen die Parteien diesen Lernprozess durchleben.
Aufmerksame Leser werden sich spätestens jetzt fragen: „Was hat er denn heute für ein Problem?“.
Denken Sie jetzt mal um und stellen Sie sich vor, ich würde nicht über Parteien und Wähler, sondern über Programmiersprachen und Entwickler sprechen. Auch hier gibt es bekanntermaßen die etablierten Platzhirsche und seine Anhänger. Freilich sind alle im Internet geboren, aber worauf ich hinaus will, ist der Aspekt der Veränderung. So wie sich die Kommunikation verändert, verändern sich auch die Konzepte und Kenntnisstände um Sprachen und Frameworks. Auch verändern sich die Vorgehensweisen in Entwicklungsprozessen usw.
Wer diese Veränderungen ignoriert, verliert bei der nächsten Wahl um die zwölf Prozentpunkte oder mehr ;)
Die alternativen Sprachen gewinnen hinzu und die Entwickler versprechen sich einen sinnvollen Weg hin zu mehr Produktivität für alle.
Denken Sie mal drüber nach, wenn sie das nächste Mal von einem Auftraggeber nach Java oder C/C++ gefragt werden!
In diesem Sinne viel Spaß mit dieser Ausgabe von RailsWay
Ihr Michael Johann
Chefredakteur