„Draußen vom Walde komm ich her...“
... und ich muss euch sagen, ich versteh die Welt nicht mehr. So oder so ähnlich geht es momentan sicher vielen, vor allem verunsicherten Java-Entwicklern, die allerorten auf die nächste übermächtige und featureske Programmiersprache für die VM „hingestoßen“ werden. Ob sie nun wollen oder nicht.
Weihnachten ist für mich seit Jahren die Zeit, in der ich viel mehr Zeit mit Themen verbringe, die über das ganze Jahr liegen geblieben sind. Vielleicht weil es zuviel anderes zu erledigen gab oder manche Themen einfach etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, wenn man sich auf sie einlässt. Vor allem aber genieße ich die vorweihnachtliche Zeit und koche gerne. Dabei sind mir schon einige Ideen eingefallen, die sicher nicht nur, aber auch dem Konsum von „Los Vascos“ (Cabernet Sauvignon, Chile) zugeschrieben werden können. Ich bin sicher, dass es viele Leser ähnlich machen und so das Jahr ausklingen lassen.
Zeit zum Nachdenken und für die Familie. Ich werde dieses Jahr über den definitiven Sprachenhype grübeln und mir mindestens nochmal Scala/Lift und auch JBoss/Seam ansehen. Mit Clojure kann ich nicht viel anfangen und überhaupt stellt sich mir die Frage, wer eine andere Sprache braucht, wenn kein konkretes Projekt dahinter steht, das man selbst umsetzen kann. Jedenfalls gehöre ich nicht zu denjenigen, die eine neue Sprache lernen, indem sie sich ein komplettes Anwendungsframework zusammenschustern.
Es wird einige Entwickler mehr auf der Welt geben, die neue Sprachen ebenfalls nur lernen, um das bestechend produktive Framework, wie beispielsweise Rails, nutzen wollen und eben nicht ein eigenes Framework bauen. Diese Menschen wollen überzeugt werden und dazu reicht nicht nur eine Sprache.
Den Java-Entwicklern, die sich also momentan komplett überrannt fühlen, kann ich nur ein paar Ratschläge geben:
- Ruhig bleiben und nicht glauben, dass die Welt bald untergeht, nur weil man nicht jedes Jahr eine neue Sprache lernt.
- Trotzdem die Augen aufhalten und sich beispielsweise die Metaprogrammierung von Sprachen wie Ruby und Scala oder auch Groovy ansehen. Dann wird jedenfalls schneller klar, warum die Produktivität von Ruby on Rails so bestechend ist.
- Immer sehen, wo der Nutzen einer Sprache ist. Sprache ist auch ein Mittel, um neue Denkweisen zu entwickeln. So kann der eigene Horizont durchaus einen Sprung nach vorne machen und für die weitere Arbeit mit Java wertvolle Ideen hervorbringen.
Am Beispiel von Ruby kann man durchaus sehen, dass das Framework die „Killerapplication“ sein kann, um eine Sprache populär zu machen. Auch wenn Scala entsprechend so toll als Sprache ist, so fehlt es momentan an der „Killerapplication“, um den Sprung in die Projekte zu machen. Martin Odersky hat auf der W-JAX 09 in München über die nächsten fünf Jahre der Sprache Scala gesprochen, und auch gestandene Scala-Kenner konnten den gezeigten Code teilweise nicht wirklich verstehen. Auch habe ich persönlich den Eindruck gewonnen, dass intensiv über neue Sprachfeatures nachgedacht wird, anstatt mit dem Nötigsten zu starten und Anwendungen zu bauen, die dann nach und nach auch die Sprachfeatures erweitern können.
Trotzdem scheint Scala irgendwie die Akzeptanz von Java-Experten zu erreichen, denn auf der JAX war Scala weitaus öfter im Gespräch als jede andere Sprache. Ich persönlich kann mich eigentlich noch eher mit Groovy anfreunden, aber offensichtlich ist die Sprache so beliebt, weil die erreichte Komplexität von Java auch mit Scala erreichbar scheint. Man trennt sich halt ungern von Liebgewonnenem. ;)
Es bleibt also spannend, wie es im nächsten Jahr um den Hype steht. Für dieses Jahr bedanke ich mich bei allen Autoren, die mit ihren Beiträgen immer wieder dafür gesorgt haben, dass ich das RailsWay-Magazin nicht als Heft, sondern als kleines Buch warnehme, das im Vergleich zu anderen Fachmagazinen einen sehr viel höheren Wert besitzt. Einige ruhige und besinnliche Feiertage sowie einen prima Rutsch ins neue Jahr 2010 wünsche ich auch allen, die mit der Erstellung des Heftes zu tun haben.
Dies ist das Heft Nummer Sieben und uns sind die Themen noch nicht ausgegangen. Weiter so.
In diesem Sinne
Ihr Michael Johann
Chefredakteur