News

Montag, 26. Oktober 2009 | News

Gemeinnützige Organisation zur Rettung von MySQL?

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/php/news/052059)
  • Teilen
  • kommentieren
  • empfehlen
  • Bookmark and Share

Die Übernahme von Sun durch Oracle zieht sich bekanntlich wie alter Kaugummi. Aktuell steht noch die Entscheidung der Europäischen Kommission aus, bevor der Deal endlich über die Bühne gehen kann. Die Free Software Foundation Europe hat nun einen Vorschlag verbreitet, der die Sache beschleunigen könnte.

Die Lösung scheint simpel: würde Oracle MySQL in die Hände einer unabhängigen, gemeinnützigen Organisation geben, würden alle davon profitieren. Oracle müsste nicht mehr befürchten, ein Konkurrent könnte das Projekt übernehmen, und die Gemeinschaft könnte das volle Entwicklungspotenzial von MySQL ausschöpfen. Ein weiterer Vorteil läge darin, dass damit die größten Befürchtungen der Europäischen Kommission ad acta gelegt wären. Einer Übernahme von Sun durch Oracle stünde also nichts mehr im Weg.

Wettbewerb im Softwaremarkt ist ein wichtiger Antriebsfaktor für Innovation. Das Schicksal eines Projektes wie MySQL sollte nie von einem einzelnen Unternehmen abhängen.Karsten Gerloff, Präsident der FSEE, 2009

Eine Analyse des aktuellen Situation liefert die FSEE gleich mit: The case for independence – Oracle, Sun and what to do with MySQL.

Vor allem den Mitarbeitern von Sun dürfte die Idee gefallen. Immerhin kostet jeder Tag der Verzögerung Oracle eine hübsche Stange Geld. Ob das Arbeitsplätze sichert, sei dahingestellt. Bleibt letztendlich nur die Frage, was die Übergabe von MySQL an eine gemeinnützige Organisation an Kosten verursacht. Oder soll MySQL etwa verschenkt werden?

(tw)

Anzeige

Kommentare

Gravatar Trepper 26.10.2009
um 13:02 Uhr
Niemand braucht MySQL! Warum wird so getan, als wäre MySQL ein so unglaublich wichtiges DB-System? Dank der beliebten Kombination mit PHP ist MySQL verbreitet, aber bei diesen Installationen könnte man wohl relativ problemlos auch eine andere, freie DB einsetzen. MySQL ist nicht mal eine besonders gute DB. Im allgemeinen würde ich PostgreSQL immer vorziehen.

Und noch ein anderer Punkt: der Code steht unter GPL und wer MySQL retten will, kann das jederzeit tun.
#zitieren
Gravatar Tom 26.10.2009
um 14:58 Uhr
Stimmt wohl nicht ganz. MySQL ist nicht komplett unter der GPL. Außerdem enthält MySQL obwohl es Open-Source ist angeblich keine Zeile Code aus der Community. Zumindest hat ein Entwickler von SAP, denen MySQL vor Sun gehörte, behauptet.
Folglich könnte Oracle den Code jederzeit schließen.
Ein Fork wäre wohl auszuschließen. MySQL ist eben nur unter der Bezeichnung "MySQL" als Marke erfolgreich. Dieser Name ist das große Kapital der Datenbank. Ein Fork nützt hier wirklich gar nichts. Selbst wenn der Fork technisch völlig identisch ist, würde ihn niemand benutzen: einfach deshalb, weil es nicht "MySQL" ist.
PostgreSQL hat außerdem auch seine Nachteile. Es ist zum Beispiel nicht portable. Ein MySQL kann ich auf eine CD brennen und es läuft (solange die Datenbanken in den Temp-Ordner geschoben werden) ohne Installation. Mit PostgreSQL geht das nicht. Außerdem ist MySQL mit MyISAM-Tabellen immer noch deutlich schneller als PostgreSQL. Wenn man die Tabellen vor dem Brennen für Readonly komprimiert und optimiert, dann sogar noch schneller.

MySQL ist für Leute, die zwar eine echte Datenbank wollen (nicht nur SQLite) aber trotzdem keine so große Lösung möchten wie PostgreSQL. Es stellt ein Bindeglied dar, welches für die meisten Privatleute und kleinen Unternehmen "gut genug" ist. Für diese Zielgruppe ist PostgreSQL ebensowenig eine Alternative, wie MySQL eine Alternative zu PostgreSQL ist.
#zitieren
Gravatar andre 26.10.2009
um 15:40 Uhr
MySQL gehörte NIE SAP! SAP gehörte/gehört SAP DB, dessen Distributionsrechte im Zuge eines Kooperationsvertrags die Distributionsrechte erhielt. Die Datenbank wurde dann in MaxDB und später MaxDB by MySQL umbenannt. Es handelt sich aber hierbei, wie schon geschrieben, nicht um MySQL! SAB DB basiert auf Adabas D. #zitieren
Gravatar andre 26.10.2009
um 15:42 Uhr

andre:
dessen Distributionsrechte im Zuge eines Kooperationsvertrags die Distributionsrechte erhielt.


ooops... ich meinte natürlich "dessen Distributionsrechte im Zuge eines Kooperationsvertrags MySQL erhielt".

ich meinte
#zitieren
Gravatar Trepper 26.10.2009
um 16:39 Uhr
@Tom

Auch wenn keine einzige Zeile von MySQL aus der freien Entwicklergemeinde stammt, kann Oracle den Code nicht einfach schließen, denn dank GPL ist er für immer frei. Aber MySQL dürfte die freie Weiterentwicklung dann nicht mehr heißen und das wäre vielleicht wirklich ein Problem.

Das Argument mit der direkten Ausführbarkeit von CD halte ich für nicht so wichtig. Ich glaube kaum, dass sowas oft benötigt wird, schließlich ist eine DB ohne weitere Serveranwendungen (Servlet-Container, Apache+PHP ...) nicht besonders nützlich. Außerdem gibt es für solche Fälle auch eingebettete Datenbanken wie Derby oder SQLite.

Ob MySQL mit MyISAM-Tabellen wirklich schneller ist als PostgreSQL wage ich zumindest zu bezweifeln. Denn PostgreSQL hat nicht nur die Geschwindigkeit im Laufe der Jahre ordentlich gesteigert sondern kann komplexe Abfragen auch wesentlich besser optimieren als MySQL. Und referentielle Integrität und Transaktionen sind auch nicht zu verachten ...

Deine Zielgruppenüberlegung kann ich nicht nachvollziehen, denn PostgreSQL kann zwar wesentlich mehr als MySQL und das auch noch besser, aber es schadet ja nicht, wenn die DB einfach besser ist, als es nötig wäre. Schwerer zu verwalten ist PostgreSQL auch nicht (eher im Gegenteil, aber das ist zum Teil Geschmacksache). Von daher sehe ich eigentlich kein Szenario, wo man MySQL gegenüber PostgreSQL bevorzugen sollte.
#zitieren

Folgende Links könnten Sie auch interessieren

zurück zum Seitenanfang