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Freitag, 14. Oktober 2005 | Topthema

Der Fall JBoss: Interview mit Sacha Labourey

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/php/news/024753)
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Sacha Labourey, General Manager Europe bei JBoss, Inc., hat jetzt in einem Interview mit dem Java Magazin zu den schweren Vorwürfen Stellung genommen, denen das Open-Source-Unternehmen seit einer Woche ausgesetzt ist (wir berichteten). Das Unternehmen soll seine Partner mit gerichtlichen Abmahnungen wegen angeblicher Markenrechtsverletzungen unter Druck setzen. Kritiker befürchten, dass das Unternehmen, das hinter dem Open Source Application Server steht, über seine Rechte an der Wortmarke "JBoss" eine freie Verwendung der JBoss-Technologie in Zukunft verhindern werde. So hatte ein ehemaliger JBoss-Partner und IT-Dienstleister eine Abmahnung erhalten, mit der Aufforderung, weder Schulungen noch Dienstleistungen auf Basis von JBoss anzubieten.

Java Magazin: Der JBoss Application Server läuft ja unter der LGPL. Aus diesem Grund haben viele auf diese großartige Technologie gesetzt und stark darin investiert. Die Community nimmt nun großen Anteil an der Diskussion um die aktuelle Markenrechts-Politik von JBoss. Durch diese neue Markenrechts-Politik scheint die LGPL obsolet zu werden: Warum sollte sich heute noch jemand für JBoss Software entscheiden, wenn er nicht sicher sein kann, dass er auch in Zukunft das selbstverständliche Recht hat, Support und Service für seine Kunden anzubieten?

Sacha Labourey: Jeder ist dazu berechtigt, Support und Services für JBoss und JEMS (JBoss Enterprise Middleware Suite) Software anzubieten.

JM: Darf ich als Manager eines Software-Beratungsunternehmen Schulungen anbieten, ohne ein offizieller JBoss-Partner zu sein? Und darf ich Beratungs- und Supportleistungen anbieten, ohne ein offizieller JBoss-Partner zu sein?

Labourey: Ja, jeder kann Schulungen, Beratungs- und Supportleistungen zu JBoss-Software anbieten, ohne ein offizieller JBoss-Partner zu sein. JBoss steht voll und ganz hinter der LGPL und der Open-Source-Community. JBoss Inc. ist jedoch, wie jedes andere Unternehmen auch, dazu berechtigt, seine Marke vor Missbrauch zu schützen. Firmen schützen nun mal ihre Warenzeichen, um die Einhaltung ihrer Qualitätsstandards sicherzustellen. Ein Kriterium, um eine zulässige Verwendung von Warenzeichen zu bestimmen, ist beispielsweise, ob die Angaben eines Unternehmens dazu führen, die Kunden zu verwirren oder ob ein Produkt oder Service vom Markeninhaber stammt, von ihm gesponsert oder zugelassen wird.

In dem Maße, wie wir erwarten, dass unser Warenzeichen respektiert wird, erwarten wir auch von unseren Partnern, dass sie die mit uns geschlossenen Verträge einhalten. Dies gewährleistet die Qualität und den Nutzen des JBoss-Certified-Partnerprogramms.

JM: Im Falle von Brockhaus sind allerdings Zweifel an diesen Garantien angebracht …

Labourey: Was unseren ehemaligen Partner Brockhaus anbetrifft, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein paar Dinge klarzustellen. Wir hatten einen Vertrag mit Brockhaus, der eine Reihe von Dingen regelte, darunter die Verwendung unserer eingetragenen Marken und den Einsatz unserer Trainingsmaterialien. Jetzt, da die Partnerschaft zu Ende ist, erwarten wir von Brockhaus, dass sie ihren Teil des Vertrags erfüllen. Da sich Brockhaus aber nicht an die Abmachungen gehalten hat, mussten wir unserer Forderung leider mehr Nachdruck verleihen. Ich lege aber Wert auf die Feststellung, dass dies ein sehr spezieller Fall ist. Ebenfalls möchte ich sehr deutlich betonen, dass jedermann Support und Dienstleistungen für JBoss und JEMS anbieten darf. Dabei gilt allerdings, dass bestimmte Verwendungen unserer Markenzeichen und anderer Materialien, die von uns entwickelt werden, nur in Verbindung mit einem Partnerschaftsvertrag zulässig sind. Wer mehr über das JBoss-Partnerprogramm erfahren möchte, kann sich unter www.jboss.com/partners/program informieren.

JM: Entscheidet sich ein Unternehmen, dem offiziellen JBoss-Partnerprogramm beizutreten: Welche Vorteile hat es? Wie unterstützen Sie das Unternehmen, um mit der JBoss-Software erfolgreich zu werden?

Labourey: JBoss bietet verschiedene Partnerprogramme an, angefangen bei "JBoss Certified Solution Partners", das an Firmen gerichtet ist, die ergänzende JEMS-Software bereitstellen über "JBoss Certified Technology Partners" für Firmen, deren Softwareprodukte JBoss-Technologie einbetten, bündeln oder einsetzen, "JBoss Certified System Integrators" für Firmen, die Beratungs-, Migrations- und Integrations-Services für JBoss anbieten, und schließlich bis hin zu "JBoss Authorized Service Partners" für Firmen, die JBoss-Support und Schulungen in Ländern und Regionen anbieten wollen, in denen JBoss Inc. noch kaum vertreten ist.

Eine Partnerschaft bietet Unternehmen eine verbesserte Glaubwürdigkeit durch Zertifizierung ihrer Mitarbeiter, bringt Zugang zu technischem Fachwissen, wodurch sich noch besser Beratungs- und Supportleistungen realisieren lassen, Teilnahme an gemeinsamen Marketing- und Vertriebsaktivitäten mit JBoss und einiges mehr.

JM: Die Leute aus der Community bekommen derzeit den Eindruck, dass es ihnen freigestellt ist, Code zum Projekt beizutragen, nicht jedoch, den JBoss nach Belieben zu nutzen …

Labourey: JBoss bedauert, dass Mitglieder der Community diesen Eindruck haben. Denn dies ist nicht richtig. In Übereinstimmung mit der LGPL-Lizenz können JEMS-Produkte kostenlos heruntergeladen, genutzt, eingebettet und weiter verteilt werden.

JM: JBoss Inc. ist Inhaber der Marke „JBoss“ in den USA. Mark Fleury jedoch besitzt "JBoss" in Europa. Warum ist das Unternehmen nicht auch Inhaber der Marke in Europa?

Labourey: Als JBoss im Jahre 2003 seine Venture-Capital-Beteiligung erhielt, wurde der Besitz der Marke von Mark Fleury auf JBoss übertragen. Da der europäische Registrierungsprozess vor der Venture-Capital-Beteiligung in 2003 begann und die letzte Meldung nach diesem Ereignis erhalten wurde, ist die Marke JBoss in den europäischen Registrierungspapieren immer noch auf den Namen Mark Fleury registriert. Die europäische Marke JBoss ist jedoch ebenfalls Eigentum von JBoss Inc.

JM: Hibernate wird in der weltweiten Java-Community viel verwendet. Auch an der Zukunft dieses Produktes wird in Anbetracht der Markendiskussion stark Anteil genommen. Wie lautet Ihre Botschaft an die Community?

Labourey: Hibernate ist eine Marke von JBoss Inc. In Übereinstimmung mit der LGPL-Lizenz ist Hibernate zu 100 Prozent kostenlos zu nutzen, einzubetten und weiterzuverteilen. Alles, was ich Ihnen in Bezug auf JEMS gesagt habe, gilt gleichermaßen auch für Hibernate.

JM: Vielen Dank für das Gespräch!

(sm)

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