Kaum nach dem Erscheinen des aktuellen Release 5.1 der relationalen Datenbank MySQL sieht sich MySQL-Mitgründer Michael "Monty" Widenius auch schon gezwungen, eine erste Warnung herauszugeben:
The reason I am asking you to be very cautious about MySQL 5.1 is that there are still many known and unknown fatal bugs in the new features that are still not addressed. Michael Widenius, 2008
Was ist geschehen?
Zwar ist Michael mitunter als Hitzkopf bekannt, aber der aktuelle 5.1-Release von MySQL muss das Fass erneut zum Überlaufen gebracht haben. 20 Bugs, die das System zum Absturz bringen würden, 180 weitere ernstzunehmende Bugs und weit über 300 nicht-kritische Bugs, die auch in absehbarer Zeit nicht behoben werden würden. Dazu zählt Michael noch über 16 Fehler auf, die ein absolutes No-Go für den Release hätten sein müssen.
Bug #40221 Replication failure on RBR + UPDATE the primary key. This bug is such a serious issue that it should have stopped a GA release! Michael Widenius, 2008
Seine Entwickler nimmt der MySQL-Gründer dabei allerdings ausdrücklich in Schutz. Doch auch ein exzellentes Team könne nicht arbeiten, wenn die Bedingungen nicht stimmten. Im Detail soll ein MySQL-Manager auf einen vorgezogenen Beta-Release gedrängt haben, um so mehr Leute für das Testen des jeweils aktuellen Entwicklungsstandes gewinnen zu können. Dies habe jedoch lediglich dazu geführt, dass dem jetzt vorgestellten Release 14 Monate Entwicklung und sieben Release Candidates vorhergingen, während gleichzeitig (dem RC-Status sei Dank) kaum größere Änderungen am Quellcode möglich waren.
Kurz: Die viel zu frühe Beta- und RC-Phase habe Erwartungen geschürt und gleichzeitig die grundlegende Entwicklung blockiert.
Mehr Probleme bei MySQL
Generell scheint MySQL als Unternehmen (bzw. als Sparte bei Sun) noch weitere Probleme zu haben. Angeblich soll – jedenfalls nach Einschätzung von Michael Widenius – die Verfügbarkeit eines GA-Releases (General Availability, bezeichnet die jeweils aktuelle finale Version) mehr wiegen, als die eigentliche Qualität des Produktes (eine finale Version lässt sich besser verkaufen, als ein Release Candidate). Zudem hätten einige Core-Developer das Unternehmen kürzlich verlassen. Dieser "Brain Drain" und Fehler, die durch unerfahrene Neuentwickler entstünden, machen sich ebenfalls bemerkbar. Viele weitere Probleme zählt Michael in seinem aktuellen Blogbeitrag Oops, we did it again auf.
The main argument I have heard for why MySQL 5.1 was declared as GA now is that it's better than MySQL 5.0 was when it was declared as GA. In my opinion, this is not a good reason to declare something GA, especially as 5.0 GA was in terrible shape when it was released. Michael Widenius, 2008
Michael Widenius bittet im Falle von gefundenen Bugs diese unter http://bugs.mysql.com/ zu veröffentlichen. Nur so würde das MySQL- und Sun-Management ausreichend Feedback bekommen, um ähnliche Probleme mit der Releaseplanung für die Version 6.0 vermeiden zu können.




