Buch-Tipp

XHTML, HTML und CSS

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Referenz und Handbuch

  • Autor/in: Frank Bongers
  • Verlag: Galileo Press
  • Seiten: 1199
  • erschienen: 2007
  • Preis: 49,90 Euro
  • ISBN: 978-3-89842-443-1

Standardkonformes, gebrauchstaugliches und zugängliches Webdesign hat zunehmend Gewicht im öffentlichen Bewusstsein. Besonders dann, wenn man Frank Bongers' Handbuch und Referenz als Begleiter wählt. Galileo Computing hat in Dostojewski-Manier ein 1200 (!) Seiten mächtiges Opus zu (X)HTML und CSS vorgelegt. In ihm kommt so ziemlich alles zur Sprache, was sich zwischen und denken oder auch nicht mehr denken lässt. Im etwa 500 Seiten starken Herzstück, der (X)HTML-Elementreferenz, pocht nicht nur der Geist der Gegenwart, sondern auch alle missbilligten (deprecated) oder längst vergessenen Elemente seit HTML 1.0 werden aufgeführt. Den Historiker freut es, dem Praktiker erscheint es unnötig.

Und das Buch will noch mehr sein. (X)HTML und CSS sind heutzutage längst mehr kein selbstgenügsames Tag-Geklapper mit Schriftformatierung, sondern Basis für die Abbildung inhaltlicher Strukturen, die sich nicht nur visuell gestalten lassen, sondern auch für behinderte und eingeschränkte Menschen, Drucker, assistive Technologien und Mobilgeräte gebrauchstauglich und zugänglich (barrierefrei) sein sollen. Dazu gehören selbstverständlich auch die zahllosen Desktop-Browservarianten für Otto-Normal-Surfer. Kein Wunder also, dass sich der Autor nicht nur auf die Referenzierung einzelner Elemente beschränkt, sondern auch auf deren internes und externes Zusammenspiel bis hin zum kompletten Seitenlayout eingeht. Exemplarisch werden – ohne auf allzu spezielle Designs einzugehen – am zweispaltigen Layout Begriffe wie Positionierung, Floating, Linearität und Konsistenz erläutert. Doch schon beim Box-Model kommt man ins Stutzen. Erst im letzten Kapitel findet sich (zufällig, nicht im Index) eine Anmerkung zum Box-Model-Bug in einigen Versionen des IE. Andere bekannte Bugs oder Filtertechniken wie Star Hack, Haslayout, Conditional Comments usw. bleiben unbekannte Größen oder werden übersehen. Der Index hilft hier nicht weiter und auch das Inhaltsverzeichnis gibt keine Hinweise auf eine Bugbase oder ein Kapitel, in dem solche grundlegende Probleme des Standardista-Alltags erläutert werden. Statt dessen finden wir im besagten letzten Kapitel einige "Features", die Microsoft für den Internet Explorer anbietet, die aber weder mit Crossbrowser-Kompatibilität noch mit standardkonformer Webentwicklung etwas zu tun haben. Hier wäre etwas mehr Entschlossenheit im Weglassen und Orientierung geben wünschenswert gewesen.

Ähnlich ergeht es einem anderen Herzstück, dem strukturellen und visuellen Aufbau von Navigationen. Zwar werden Listen richtiger weise als semantisch adäquateste Auszeichnung bewertet, doch fragt man sich, weshalb dann DIVitische oder BRechmittel-Konstruktionen überhaupt Erwähnung finden. Entschiedenheit kommt erst im Kapitel "Barrierefreiheit und Accessibility" zum Ausdruck. Hier scheint noch nicht so ganz angekommen, dass standardkonformes Webdesign und Barrierefreiheit keine getrennten Bereiche sind, sondern sich gegenseitig enthalten, sonst wäre es ja nicht standardkonform. Angenehm, dass der Autor auch auf inhaltliche Aspekte eingeht und Tipps zur sprachlichen Gestaltung gibt. In der CSS-Beschreibung gibt es viele Anregungen zum Umsetzen horizontaler und vertikaler Navigationsmenüs. Doch vermisst man auch hier klassische Debugging-Tipps für den Internet Explorer bis Version 6. Diese Tricks sind lebensnotwendig, um crossbrowser-kompatible Designs trotz des Mehraufwandes durchzusetzen und die Trias Anbieter, Agentur und Anwender fit für den Triple-A-Alltag standardkonformer Internetangebote zu machen. Dies misslingt besonders dort, wo die Zugänglichkeitsrichtlinien von WCAG und BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) einfach als Kompetenz-Wissen reproduziert werden. So etwas verkommt – zugegebenermaßen unabsichtlich – zur Anleitung von Zugangshemmnissen. Attribute wie tabindex, accesskey oder title haben sich in der beschriebenen Form längst als unnötig, lästig oder gar barrierebehaftet erwiesen und existieren in den Richtlinien nicht wegen ihrer Praxistauglichkeit, sondern wegen der internationalen Unfähigkeit, eine alltagstaugliche Revision der Richtlinien durchzuführen. Das Stichwort hierzu lautet "WCAG 2.0". Auch vermissen wir einige teilweise heiß diskutierte Usability-Aspekte, wie den Umgang mit aktuell aufgerufenen Seiten in einer Navigationsleiste. Für eine komplexe Darstellung standardkonformen Webdesigns fehlt es also häufig an der nötigen Erfahrung. Aber auch wenn vieles zu akademisch erscheint, ist das Buch dennoch nützlich für Einsteiger, da die meisten Aspekte angerissen werden ohne dass es für den Leser unübersichtlich wird. Insbesondere die Referenz-Teile, die ja den Großteil des Buches ausmachen, überzeugen durch Übersichtlichkeit und Vollständigkeit. Gemeinsam mit den angerissenen Apsekten können somit die notwendigen Lernprozesse angestoßen werden und es ist ein empfehlenswertes Buch für Studienanfänger und Webdesigner, die auf Webstandards umsteigen wollen.

von Stefan Blanz

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