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April 2009 | Artikel

NetBeans 6.5 for PHP vs. Eclipse PDT für Einsteiger

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/php/artikel/2217)

Generationskonflikt

Text: Thomas Wießeckel
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Wenn es etwas gibt, woran es PHP-Entwicklern mit Sicherheit nicht mangelt, dann sind es IDEs. Damit gehen zum Teil wüst geführte Flame Wars einher, wenn man auf der Suche nach der für sich Richtigen leichtfertig die Frage nach der Besten stellt. Da man die Stärken und Schwächen der jeweiligen IDE meist erst erkennt, wenn man unendlich viele Stunden mit ihr verbracht hat, ist der erste Eindruck von entscheidender Bedeutung. Ein vorurteilsfreier Vergleich eines Suchenden.
Teil 1   Teil 2   

Die Vorteile beim Verwenden einer IDE liegen auf der Hand. Abgesehen vom Syntax-Highlighting, das mittlerweile ein Großteil der erhältlichen Helferlein beherrscht, gibt es viele kleine Annehmlichkeiten für den fortgeschrittenen Entwickler. Anfängern hingegen wird nicht umsonst empfohlen, mit normalen Editoren wie Notepad oder vi zu beginnen. Denn während man sich mit der richtigen IDE im besten Fall die Arbeit erleichtern und seine Arbeitsabläufe optimieren kann, neigen Einsteiger dazu, sich von all zu mächtigen Umgebungen einen nicht unerheblichen Teil des Denkens abnehmen zu lassen. War die Rolle des Platzhirschs bisher für Eclipse PDT reserviert, schickt sich Sun nun an, dem ewigen Kontrahenten mit der Version 6.5 der Entwicklungsumgebung NetBeans das Wasser abzugraben. Was also liegt näher, als sich auf der Suche nach einer für den Um- beziehungsweise Einsteiger geeigneten IDE beide zu Gemüte zu führen?

Die Zutaten

Aller Anfang ist schwer. Was so natürlich nur bedingt richtig ist, schwer ist höchstens das Download-Paket der Eclipse PDT, das mit stolzen 105 MB gegen die knappen 25 MB des NetBeans PHP Bundles geradezu übermächtig wirkt. Beide begnügen sich mit dem Java Runtime Environment, wobei NetBeans für den vollen Funktionsumfang, der unter anderem Java, Java SE und Java FX beinhaltet, gleich das komplette JDK 5 oder höher voraussetzt. Beide Programme basieren auf Java-Technologie, was sie prinzipiell plattformunabhängig macht. Leider hat dies auch zur Folge, dass sie leicht träge wirken. Das Background Parsing, das ähnlich der Fehlerhervorhebung in Word oder OpenOffice.org fehlerhafte Stellen im Quellcode durch eine rote Unterstreichung markiert, zeigt das vor allem in großen Dateien sehr deutlich. Da sich beide IDEs in diesem Vergleich einem aktuellen Vista-Rechner mit 3 GB Arbeitsspeicher gegenüber sehen, fällt dieser Umstand nicht sonderlich ins Gewicht. Ältere Rechner, die noch dazu über wenig Arbeitsspeicher verfügen, können jedoch gerade bei größeren Projekten schnell ins Stottern geraten. Ein Umstand, den man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man sich dazu entscheidet, auf eine IDE dieser Art umzusteigen.

Die Kontrahenten

Eclipse PDT 2.0

Eclipse ist ein Open-Source-Framework, das mittels Plug-ins um neue Funktionalitäten erweitert werden kann. Es ist der Nachfolger des IBM Visual Age for Java 4.0. Seit 2004 ist die Eclipse Foundation für die Entwicklung verantwortlich. Das PHP Develpoment Tool (PDT) ist eine der erhältlichen Erweiterungen, seit Januar 2009 ist es in der Version 2.0 erhältlich. Das Paket enthält Eclipse 3.4.1 (Ganymede), PDT 2.0 sowie alle benötigten Plug-ins.

NetBeans 6.5 for PHP

NetBeans ist ebenfalls ein Open-Source-Projekt, das mithilfe von Plug-ins um spezielle Techniken oder Tools erweitert werden kann. Für die Entwicklung ist Sun Microsystems verantwortlich. Mit der Version 6.5 bietet NetBeans erstmals einen Editor für die Skriptsprache PHP. Es kann seit Dezember 2008 als eigenständiges Bundle heruntergeladen werden.

Bezugsquellen

Erste Schritte

Nach der Installation, beziehungsweise dem Entpacken des Eclipse-Archivs, ist es an der Zeit, sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Schön, dass beide sich um neue Anwender bemühen und Hilfestellung bieten. Weniger schön, dass Eclipse mit wenig aussagekräftigen Symbolen deutlich unübersichtlicher durchstarten möchte.

Hier beweist NetBeans, dass es erheblich besser geht. Unterteilt in die Bereiche "Willkommen zu NetBeans DIE" und "Mein NetBeans" findet man auf der Startseite neben den üblichen Demos und News auch Videotouren und eine umfangreiche Sammlung von Tutorials. Obwohl die Dokumentation für beide Entwicklungsumgebungen hervorragend ist, hat man bei NetBeans ab dem ersten Moment das Gefühl, mit mehr und besser aufbereiteten Informationen versorgt zu werden. Je intensiver man sich mit beiden beschäftigt, desto eher relativiert sich aber dieser Eindruck, da Eclipse über die deutlich größere Community zu verfügen scheint und man stets auf alle Fragen schnell eine kompetente Antwort erhält. Fakt ist, dass man, ein wenig Eigeninitiative vorausgesetzt, bei keiner der beiden IDEs ahnungslos zurückgelassen wird.

Konfigurierst du noch?

Oder arbeitest du schon? Im Prinzip spricht jetzt nichts dagegen, aufs Geratewohl ein Projekt zu starten und mit dem Programmieren zu beginnen. Läge die Tücke nur nicht im Detail. Von der Konfiguration der Umgebungsvariablen über der Widerspenstigen Zähmung (Debugger) bis hin zum Erscheinungsbild des Codes; die Einstellmöglichkeiten beider IDEs sind so umfangreich wie verwirrend. Im Bereich des intuitiven Handlings der Konfiguration geht der Punkt aber eindeutig an NetBeans, bei dem sich die Einarbeitung dank des nicht annähernd so furchteinflößenden Konfigurationsbereichs wesentlich angenehmer gestaltet als bei Eclipse. Letztere wartet jedoch mit deutlich umfangreicheren Individualisierungsmöglichkeiten auf. Wer genügend Zeit und Willen aufbringt, kann sich sogar eigene Perspektiven erstellen, die mit einer großen Zahl an Views und Gimmicks ergänzt werden können und somit das Informationsbedürfnis jedes noch so detailverliebten Programmierers befriedigen dürften.

Das Herzstück

Das erste, was einem Entwickler an einer IDE ins Auge fällt, ist der Editor. Genau der war bis vor kurzem noch das Hauptproblem von NetBeans. In der aktuellen Version 6.5 ist davon allerdings nicht mehr viel zu spüren. Im Gegenteil, der Editor beherrscht nicht nur sowohl semantische als auch syntaktische Hervorhebung, auch die Codevervollständigung kann sich ohne Probleme mit der des Eclipse-Editors messen. Der Clou: der Editor liest Objektstrukturen und bietet deren Methoden oder Attribute bei der Eingabe an. Inklusive einer kurzen Zusammenfassung. Das macht der Editor der Konkurrenz zwar auch, jedoch bietet NetBeans zusätzlich dazu vollständigen PHPDoc-Support, was im Moment allerdings noch etwas fehlerbehaftet zu sein scheint. Umfangreicher fallen da nur die Hinweise zu JavaScript-Code aus, bei dem man sogar darauf aufmerksam gemacht wird, wenn eine Funktion nicht von allen Browsern unterstützt wird.

Beide IDEs parsen die Eingaben im Hintergrund. Dadurch werden bereits während der Arbeit am Code Fehler und Hinweise angezeigt. Hier hat Eclipse die Nase vorn, da die Meldungen etwas genauer ausfallen und schneller angezeigt werden als bei NetBeans. So überprüft Eclipse im HTML-Editor sogar die Positionierung der Elemente und moniert etwaige Fehler. Leider sind es eben diese Funktionen, die dem Quereinsteiger die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, obwohl sie dem Entwickler das Leben doch einfacher machen sollen. Die Autovervollständigung des Codes bietet gerade bei NetBeans in den ungünstigsten Situationen seine Dienste an, und das Background-Parsing lässt die komplette Umgebung durch nur zögerlich verschwindende Meldungen und in besonders schlimmen Fällen leicht verzögerte Anzeige der Eingaben sehr träge wirken. Man sollte also ausreichend Zeit einplanen, um sich mit diesem Verhalten anzufreunden. Gerade in der Anfangsphase besteht die Gefahr, dass der eigene Arbeitsrhythmus ins Stocken gerät und man – vielleicht vorschnell – die Flinte ins Korn wirft.

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Kommentare

Gravatar Tj 07.08.2009
um 12:03 Uhr
Moinsen!

Ich bin auf diesen Artikel gestoßen als ich nach "eclipse galileo träge" gesucht hatte. :) Ich bin seit einigen Jahren überzeugter Eclipse User, jedoch hatte ich bei den letzten beiden Releases zunehmend Probleme: Ab und zu blieb die ganze IDE bei der Autovervollständigung stehen. Mal für einige Sekunden, mal musste ich sie komplett neu starten. Auf dauer nervte das ungemein! Nu hab ich seit ca. 30 min. NetBeans am Wickel und muss sagen: Sehr Geil! Im Vergleich zu meiner vorherigen Eclipse Installation rennt NetBeans gerade zu.
Und eine kleine Anmerkung habe ich noch zu den Fehlenden Tooltips: Wenn man in NetBeans eine php Func. nutzen möchte, belegt er einem die benötigten Parameter gleich vor! Der Tooltip wird somit gar nicht wirklich benötigt. Optionale Parameter kann man hingegen optional mit vervollständigen lassen.
Bin mal gespannt, wie's in den nächsten Wochen läuft...
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Gravatar Wellness 21.09.2009
um 18:55 Uhr
Werd ich mir gleich mal ansehen. #zitieren
Gravatar Marc Richter 16.10.2009
um 10:33 Uhr
Waaah ... ich hasse es wenn Artikel über den Vergleich damit enden das man "am besten beides mal herunterläd und es selbst bewertet" ;DAnsonsten: Prima Artikel und angenehm beschrieben! #zitieren
Gravatar leth 17.12.2009
um 09:58 Uhr
Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich Netbeans den Laufpass gegeben, da zu diesem Zeitpunkt die PHP Unterstützung noch nicht ganz ausgereift war. Dadurch bin ich auf Aptana Studio Pro und der dazugehörigen PHP-Erweiterung gestoßen, die ich lieben und schätzen gelernt habe. Hier hat einfach alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe ohne irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen.

Leider hat Aptana vor kurzem mit Veröffentlichung der Version 2.0 in allen Bereichen riesige Rückschritte gemacht und die Entwicklung der eigenen PHP-Erweiterung zu Gunsten der Eclipse Erweiterung PDT eingestellt. Nun steht ich wieder dort, wo ich vor einem Jahr schon mal war und suche 'Meine' PHP-IDE. Werde mich also wieder Mal mit Netbeans auseinandersetzen müssen...

Cu leth
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