Ein Autorenteam mit Weitblick
Die Veröffentlichung der Artikelreihe "SOA aus dem wahren Leben" von haben wir zum Anlass genommen, das Autorenteam die wahre Geschichte erzählen zu lassen, wie es zur Zusammenarbeit der fünf und dem Schreiben der Serie gekommen ist. Das Gespräch führte unser Redakteur Mirko Schrempp.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diese Artikelserie zu schreiben und dafür das Motto "SOA aus dem wahren Leben" zu wählen?
Hajo: Wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren, haben uns in der einen oder anderen Konstellation immer wieder in Projekten getroffen. Es gab nicht viele Personen in Deutschland, die tiefgreifende Erfahrung im SOA Umfeld gesammelt und gleichzeitig die Bereitschaft und Leidenschaft zu tiefgreifenden Diskussionen und der Weitergabe von Wissen teilten. Also hat sich eine natürliche Anziehungskraft ergeben, die sich glücklicherweise, in vielen gemeinsamen Projekten und auf Konferenzen und Ausflügen zu Freundschaften entwickelt hat, ich treffe diese Jungs wirklich gerne! Dann hat Jürgen Kress, verantwortlich für die SOA Partner Community bei Oracle, eine unvergleichliche Gabe, Menschen an netten Orten zusammenzubringen, er ist unser guter Geist im Hintergrund, findet immer eine Lösung.
Torsten: Jürgen schreibt zwar nicht mit, ist aber unverzichtbares Mitglied in unserem Team. So war er es auch, der uns alle fünf 2007 auf einer Berghütte bei Innsbruck zusammenbrachte, wo wir die Grundsteine für die gesamte Artikelserie gelegt haben. Das waren drei hochproduktive Tage, an denen bis spät in die Nacht am Kaminfeuer diskutiert und gestritten wurde, nur unterbrochen von kurzen Motivationspausen, z.B. mit Schneeschuhwandern.
Bernd: Hier stellte sich dann auch heraus, dass wir in unseren jeweiligen Projekten alle ähnliche Diskussionen führen, wir lernten in der Gruppe, welche Themen „heiss“ sind. Clemens: Die Idee war geboren, unsere Ideen von „SOA aus dem wahren Leben“ niederzuschreiben. Nicht als die Erkenntnisse eines einzigen – sondern als Verdichtung unserer gemeinsamen Erfahrungen und bewiesenen Lösungswege, mit dem Wissen aus fünf unterschiedlichen Firmen und unzähligen Projekten.
Als Autorengruppe seit ihr selbst ein lose gekoppeltes System, wie müssen wir uns die Zusammenarbeit vorstellen?
Berthold: Zu Beginn der Serie haben wir auf der Berghütte eine Liste der größten SOA-Herausforderungen und Problemfeldern zusammengeworfen und in Themenblöcke gefasst. Nach viel Diskussion und einem Streichprozess sind schließlich die Überschriften für die Einzelartikel entstanden. Ohne eine wirkliche Aufwandsabschätzung – was noch viele Schmerzen bereitete - haben wir in einem demokratischen Prozess jeweils einen Verantwortlichen pro Artikel festgelegt, der für die Initiale und auch für die Endversion verantwortlich war.
Hajo: An den Artikeln half dann mit, wer Zeit und Interesse am Thema hatte - und zwar nach einem abgesprochenen Staffellauf: Jeden Montag hatten wir eine Telco, in der wir die nächsten Schritte besprechen, aber auch eine gemeinsame Sicht auf komplizierte SOA Konzepte erringen konnten.
Clemens: Durch die großen räumlichen Entfernungen – ich lebe und arbeite aktuell in Kalifornien – waren persönliche Treffen leider echter Luxus. Hier halfen uns die Konferenzen, wie etwa JAX und W-JAX optimal, da wir in deren Rahmen jeweils Treffen organisieren konnten.
Torsten: Und trotzdem mussten wir bei jedem Artikel den Sicherheitspuffer fast völlig ausschöpfen. Hier nochmals vielen Dank an die Redaktion für das große Verständnis.
Was hat es mit den Masons-of-SOA, als dir ihr euch selbst bezeichnet, auf sich?
Clemens: Das ist schnell beantwortet: Wir saßen gerade in Wiesbaden in einer Cocktailbar, als die Idee aufkam, dass unsere Gruppe auch einen Namen gebrauchen könnte. Ob der Alkohol Einfluss hatte? Jedenfalls war Jürgen wieder dabei, der – immer optimal vorbereitet – gleich ein Brainstorming mit einer besonderen Kreativitätstechnik vorschlug.
Hajo: Stimmt, er hatte sogar die passenden Spielkarten dabei, auf die man Vorschläge schreibt und zum nächsten reicht.
Bernd: Unter unzähligen Vorschlägen gefiel uns die Geschichte der Freimaurer am besten (es war auch gerade die Zeit von Dan Brown) und da unser Österreicher Clemens glaubhaft machen konnte, mit Englisch in Kalifornien besser klar zu kommen, waren die „Masons of SOA“ geboren.
Wenn ihr auf die Zeit zurückschaut, was waren für euch wichtige Momente, die euch überrascht oder beeindruckt haben.
Hajo:
Das schöne am Arbeiten im Team ist, dass man nicht alleine für den gesamten Prozess verantwortlich ist, sondern einen Berg an Text produziert, den ein anderer aufgreift und weiter daran feilt. Es ist dann spannend zu sehen, wie sich der Text in anderen Händen weiter entwickelt, wie mehr Wissen und Aspekte einfließen, bis schließlich etwas entsteht, aus dem wir alle etwas neues ziehen können.
In dieser Branche geht es viel um Selbstdarstellung. Beim Schreiben in der Gruppe fallen alle Masken ab, die Stärken und Schwächen der Mitglieder treten klar zu Tage und man findet zu sehr persönlichen Wegen des Umgangs mit ihnen.
Torsten: Für uns am erstaunlichsten ist, was sich aus dem ersten Treffen auf der Berghütte bis heute alles entwickelt hat. Neben der Artikelserie haben sich Buchprojekte, Workshops, Projekte ergeben und unsere Netzwerke haben sich mit rasanter Geschwindigkeit um viele interessante Personen erweitert.
Es gibt kein Patentrezept für eine SOA und ihr bietet auch kein Kochbuch an. Am Beispiel einer fiktiven Autovermietung führt ihr einen SOA-Lifecycle vor. Welcher methodische Ansatz steckt hinter eure Herangehensweise?
Torsten: Unser Ziel war es, „SOA aus dem wahren Leben“ darstellen zu können. Wir wollten keine Einführungsartikel, neue Methode und Anleitungen für die Arbeit mit bestimmten Tools schreiben – davon gibt es schon reichlich. Uns war wichtig, die architektonischen Aspekte, denen wir alle besondere Bedeutung zumessen, möglichst verständlich und praxisnah zu transportieren. Dafür war ein Beispiel nötig – und Autovermietungen sind ja in der Informatik recht gut verstanden. Auch konnten wir auf diese Weise die Fehler und Irrwege, die wir in Projekten erleben durften, anschaulich transportieren – zumindest war dies unsere Intention.
Auf der nächste W-JAX bietet ihr ja wieder den SOA Advanced Day an, wenn man so will der Workshop zur Artikelserie. Das habt ihr auch schon auf vergangenen Konferenzen gemacht – in wieweit haben die Diskussionen mit den Teilnehmern euch vorangebracht oder beeinflusst?
Bernd: Der erste Workshop, auf der W-JAX 2008 war eine tolle Erfahrung. Es war noch ein relativ kleiner Kreis, etwa 25 Teilnehmer und ein Drittel der Zeit kam es zu lebendigem Austausch, die Teilnehmer haben wichtige Konzepte beigetragen, die auch in die Serie eingeflossen sind.
Torsten: Das schönste Beispiel ist die Metapher vom Shopping Center eines Schweizer Teilnehmers, die verdeutlicht, dass es versschiedene Ebenen von Sichtbarkeit gibt – etwa Schaufenster aussen und in den einzelnen Geschäften. Dieses Konzept der verschieden gelayerten Sichtbarkeiten konnten wir gut auf das wichtige Konzept von Public und Private Services anwenden: Es gibt verschiedene Arten von Public Services, etwa auf Abteilungs- und auf Unternehmensebene. Generell machen diese Workshops sehr viel Spaß, da man die eigenen Konzepte an den realen Problemen der Teilnehmer spiegeln kann und so häufig A-ha Effekte produziert – meist bei den Teilnehmern, aber nicht selten auch bei uns selbst. Dies ist wichtig, um unseren „aus dem wahren Leben“ Anspruch halten zu können.
Wagt ihr einen Ausblick auf die Zukunft von SOA?
Hajo: SOA wird sich differenzieren. Dies ist ein wichtiger roter Faden in den Artikeln: Eine lokale Problemlösungs-SOA etwa zur Verbesserung eines bestimmten Arbeitsablaufes benötigt ganz andere Methoden und Werkzeuge als eine unternehmensweite Migration der Systemlandschaft Richtung Serviceorentierung.
SOA stellt lose Kopplung in den Mittelpunkt. Wir sehen aber heute schon, dass dieses Konzept oft ähnlich unangewandt bleibt wie das Konzept der Daten- und Funktionskapselung in der Objektorientierung. Vielleicht ist lose Kopplung auch nicht kompatibel mit der Art wie Menschen arbeiten.
Berthold: Und es ist für viele Entwickler und Abteilungsleiter zu herausfordernd, die gewohnten Denkmuster abzustreifen und die neue Wege ernsthaft zu bestreiten.
Hajo: BPM, ein wichtiger Aspekt von SOA, steckt noch in den Kinderschuhen. Wenn die Werkzeuge wirklich durchgängig Modell- und Code-Roundtrip ermöglichen, wird dies einen weiteren Schwung in die SOA bringen.
Torsten: In diesem Zusammenhang wird dann auch das Akronym SOA in den Hintergrund treten oder gar verschwinden. Egal wie wir es dann nennen, die Grundkonzepte werden bleiben und sich in veredelter Form mit neuem Namen weiter etablieren.
Transaktionssicherheit stellt in einer SOA immer noch die größte Herausforderung dar. Erst wenn die WS-Transaction Spezifikation von allen Herstellern aufgegriffen wird und die Werkzeuge und Frameworks sie interoperabel unterstützen, kann das Design von geschäftskritischen Anwendungen komplett auf dem SOA-Paradigma angewandt und das Versprechen einer echten serviceorientierten Anwendungslandschaft Wirklichkeit werden.
Liebes Autorenteam, vielen Dank für das Gespräch und die gute Zusammenarbeit.