San Francisco, Golden Gate Ruby Conference, April 2009. Speaker Matt Aimonetti hält einen Vortrag mit dem Titel "CouchDB. Perform like a pr0n star", in dem er die Performanz von Ruby-on-Rails mit der Leistung von Pornodarstellern vergleicht. Unter anderem sind in seiner Slideshow Bilder leicht bekleideter Frauen (und Männer) zu sehen, was von einigen Besuchern als beleidigend empfunden wird.
Seitdem tobt eine wahre Diskussionsschlacht in den Blogs und Twitter-Kanälen über politische Korrektheit und Sexismus in der IT-Welt, insbesondere in der für ihre Direktheit und "Edginess" bekannten Rails-Community (Keep it simple and stupid).
Zeuge des Vortrags Nick Sieger in seinem Blog:
We’ve all been witnesses to off-color jokes, misogynistic back channel chatter and unnecessary, trolling comments. I pledge to do better to stand up and call this behavior out when I see it in conferences, online and other public settings. Nick Sieger
Manifestation amerikanischer Prüderie oder berechtigte Kritik am Machogehabe einer misogynen IT-Community? Die Meinungen gehen hier durchaus auseinender.
Vor allem ein Blogeintrag von Ruby on Rails-Erfinder David Heinemeier Hansson, in dem er sich als "R-rated" bezeichnet und die Sexismus-Debatte als Ausdruck sozialer Maskerade abtut, hat hier das Feuer weiter geschürt:
I've found that the fewer masks I try to wear, the better. [...]This means that it leaks out that I love listening to Howard Stern, that Pulp Fiction is one of my favorite movies, that I laugh out loud at Louis CK's Bag of Dicks joke, that I whole-fully accept my instinctual attraction to the female body, that I think drugs should be legal, that I really like the word fuck and other gems of profanity, and on and on. David Heinemeier Hansson
Harsche Kritik an einer solchen Einstellung wurde von vielen Seiten geäußert. So beklagt J Aaron Farr z.B. eine in der Rails-Community angeblich weit verbreitete Haltung, welche Individualismus über die Community stelle (A community of rockstars):
Rails is, at its core, a culture which values individual ego more than community. J Aaron Farr
Rails pflege eine Kultur der Raubeinigkeit, aggressiven Meritokratie und schade sich durch eine "Take-it-or-leave-it"-Mentalität auf lange Sicht nur selbst. Denn eine Community, die Diversität und Kollaboration befördere, sei lebensfähiger als eine Ansammlung individueller Ego-Trips:
I hope, for the sake of a technology I enjoy working with, that the community matures. Because if it doesn’t, a pack of individuals will not stand the test of time. J Aaron Farr
Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung bei den durch den sexistischen Inhalt der Konferenz-Session verletzten Personen wurden laut (Tim Bray: Unhappy Ruby):
When you offend people but didn’t mean to, you should just fucking well apologize. And do it in an unreserved way, unless you think that offending them is a good thing and will produce a result that you’re in favor of. Tim Bray
Eine solche Entschuldigung wurde von Matt Aimonetti zwar zwischenzeitlich getätigt, doch die Diskussion über frauenfeindliche Tendenzen in einer maskulin geprägten IT-Welt ist damit längt nicht vom Tisch. Die derzeit in Las Vegas stattfindende RailsConf hat zu der Frage sogar ein eigenes Diskussionspanel eingerichtet (Discussion Panel: Women In Rails):
A general question like "How do we get more women into technology?" isn’t actually useful for our community. Discussion usually devolves into nature vs. nurture, then affirmative action, and it all goes south from there.
Dass die Diskussion, die auch schon personelle Konsequenzen gefordert hat (A painful decision), ein Echo weit über die Grenzen der Rails-Community hinweg gefunden hat, zeigt nicht zuletzt ein Kommentar von Eclipse Marketing Chef Ian Skerrett, in dem er zunächst bemerkt, dass auch in der Eclipse Community nur wenige Frauen anzutreffen sind:
Is there something that we need to do or change at Eclipse to encourage more women? Ian Skerrett
Ian grenzt sich anschließend von den vermeintlich egoistischen Tendenzen der Rails-Community ab und wünscht sch für Eclipse:
I want to be a part of a welcoming community. Egos, passion, technical excellence are important but openness and understanding to others is just as an important. What do we need to do to make Eclipse a more welcoming community? Ian Skerrett
Ist die Rails-Community tatsächlich besonders frauenfeindlich? Oder sollten sich nicht auch andere fragen: Wie sexistisch ist eigentlich meine Community?




