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Mittwoch, 20. Januar 2010 | News

Was Projekt-Owner richtig machen (und Software-Söldner falsch...)

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/news/053452)

Entwickler großer Enterprise-Projekte können viel von den Technologieansätzen und der Entwicklerkultur agiler Webprojekte lernen. Dieses Fazit hatte vor einigen Tagen Tim Bray in einem viel beachteten Blogeintrag gezogen (wir berichteten), in dem er den Gründen nachspürt, warum Millionen von Dollar in den schwerfälligen Mühlen bürokratischer Enterprise-Prozesse verloren gehen.

Dass in der Welt der Web-Startups auch nicht alles Gold ist, was glänzt, haben einige Kommentatoren bereits bemerkt - denn gerade hier gebe es neben den (wenigen) Leuchtturm-haften Erfolgstories (Facebook, Twitter, Google, Basecamp) auch eine unübersehbare Anzahl von in den Sand gesetzten Projekten.

Einen interessanten Beitrag hat nun Frank Sommers zur Diskussion geleistet. Sommers zeichnet eine Typologie von "Projekt-Owner" und bloßem "Caretaker", die jeweils unterschiedliche Kulturen, Motivationen und Interessen mit in ein Projekt brächten.

Owner vs. Caretaker
Der Unterschied zwischen einem "Owner", der selbst persönlich an der Planung, Finanzierung und Umsetzung eines Projekts beteiligt ist, und einem "Caretaker", der als Angestellter ein Projekt lediglich pflegt, verwaltet und weiterentwickelt, sei größer als der zwischen Enterprise-Projekt und Web-Startup. Es sei dieser Unterschied, der zu einem großen Teil für die Diskrepanz zwischen Kosten und Qualität von Software-Projekten verantwortlich sei.

Owner hätten eine überaus starke persönliche Bindung zu einem Projekt und ein großes Interesse daran, die Anwender und Kunden zufriedenzustellen. Für Caretaker sei "Sparsamkeit" ein eher fremdes Konzept. Und so ständen Owner agilen Methoden und kurzen Releasezyklen typischerweise aufgeschlossener gegenüber:

Owners are generally very hesitant to throw (their own) money at enterprise software that can't show short-term return on investment. That, in turn, determines to some extent the technologies used in the sense Bray describes. Frank Sommers

Caretaker seien hingegen so etwas wie "professionelle Söldner", die sich nach dem Scheitern eines Projekts immer auch nach einem neuen Brötchengeber umsehen könnten:

Caretakers also have less riding on a project's success professionally: If a project doesn't pan out, they would just look for another project or job. Frank Sommers

Sollten wir also alle Owner werden?
Das ist wohl einfach unmöglich, so Sommers, denn Tim Brays Beobachtungen hätten mit einem uralten Business-Problem zu tun: Sobald ein Unternehmen wachse und damit beginne, Angestellte - "Caretakers" - zu beschäftigen, halte eine völlig neue Kultur Einzug in eine Firma:

As soon as a business starts to have employees, or caretakers, an entirely different set of incentives and motivations enters the firm. While an owner-only company may be very efficient at every turn, you can hardly grow a business without employees. Frank Sommers

Eine interessante Nebenbemerkung: Dieser Prozess könnte auch für Open-Source-Projekte wie Linux oder Eclipse gelten:

I imagine that large open-source projects, such as the Linux kernel or the Eclipse IDE, require more resources than do small projects with a handful of owner-developers. You need to accept somewhat reduced efficiency in return for the ability to grow and serve more customers or users. Frank Sommers

Verliert ein Open-Source-Projekt also an Schlagkraft, wenn es zu einer gewissen Größe herangewachsen ist, oder wenn damit begonnen wird, professionelle Entwickler einzustellen (was z.B. derzeit gerne für den Eclipse-Architekturkern gefordert wird)?

Wie dem auch sei, alle können wir nicht Projekt-Owner sein, so Sommers Fazit. Doch könnten Unternehmen versuchen, die Angestellten zu motivieren, wie Owner zu denken.

Agile practices already promote the notion of "product owner" or even "business owner," and smart firms can make such phrases a fact in business terms, too. Frank Sommers

Stellt sich nur die Frage, warum ein "Caretaker" wie ein "Owner" denken sollte, wenn ihm doch eigentlich gar nichts gehört...

(hs)

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Kommentare

Gravatar Holger 20.01.2010
um 16:23 Uhr
> Stellt sich nur die Frage, warum ein "Caretaker"
> wie ein "Owner&" denken sollte, wenn ihm doch
> eigentlich gar nichts gehört...

Naja, hier kann man ja über einen erfolgsabhängigen Anteil beim Gehalt nachhelfen. Die interessante Frage die sich hieraus dann aber wieder ableitet: Welches sind die geeigneten und messbaren Faktoren, an welchen sich der Erfolg messen lassen soll?
#zitieren
Gravatar RPR 20.01.2010
um 23:33 Uhr
Interessanter Artikel - insbesondere die letzte Frage sagt in der Tat fast alles: Denn ja, wie bringt man Knechte dazu, mit sich selbst so sparsam umzugehen, wie ihre Chefs es mit ihnen aber keineswegs mit sich selbst tun? *LOL*
"Wie der Herr, so sein Gscherr" (Gesinde) sagt man bei uns.

Intrinsische Motivation heisst hier wohl das richtige Stichwort.

Zu den "erfolgsabhängigen Anteilen des Gehalts": Komplett falsch: Die Söldner werden allen ihren Aufwand daran setzen, (nur noch) die definierten Zeile irgendwie zu erreichen, und wenn darüber die ganze Firma hops geht.
Der direkte Weg in die Hölle: Also wenn man beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen kann, warum irgendein Manager einfach überhaupt nicht Vernunft annehmen will, die halbe Abteilung krank oder gekündigt hat, Geld versenkt wird, dass alle nur noch lachen können, dann steckt praktisch immer eine zielabhängige Prämie dahinter, da hab ich den Wahnsinn pur schon gesehen. Eine Irrenanstalt ist ein Dreck gegen eine Firma, in der ein paar Verantwortliche ihren (falschen) Prämien-Zielen hinterher hecheln.

Weiterhin kann ich jedem Arbeitnehmer nur raten, für hartes Geld zu arbeiten und nicht für vage Versprechungen ...

Deswegen: Prämien immer nur im _nach_ erfolgreichen Projekten, ohne Anspruch, einfach als Lob oder _Ausgleich_ für das viele Geld, dass man mit dem Erfolg der Firma eingebracht hat. Alles braucht einen Ausgleich, sonst kippt es!

Mitarbeiter brauchen ne Perspektive, sie müssen die Ernte ihrer Arbeit auch selbst einfahren!

Der menschliche Geist ist einfach: Er tut etwas und bekommt ein (möglichst direktes) Feedback, durch das er sein zukünftiges Verhalten anpasst (ja, auch in der Enwicklung, da nennt man das eine Iteration!)
Also: Das richtige, möglichst direkte und zeitnahe Feedback ist das Zaubermittel hier.

Wenn ein Projekt erfolgreich eingeführt wird, dann sollte die Firma so schlau sein, die (richtigen) Köpfe dahinter entwprechend zu belohnen und zu fördern. Leider ist oft genau das Gegenteil der Fall: Erfolgreiche fleissige Arbeiter werden statt dessen nur noch mehr angetrieben (verheizt), Ideengeber werden missachtet (verprellt) - statt dessen stellen sich ein paar Krawattenträger ins Rampenlicht (wer das Rampenlicht nicht sucht, bruacht keine Krawatte), die _nichts_ zu dem Erfolg beigetragen haben. Und werden nicht bestraft. Das ist der Tod jeder Motivation.

Deswegen: Kein Lob, keine "Ernte" für die gute Arbeit (Perspektive, Beförderung) und die Firma hat sich ihre "Söldner" selbst gezüchtet.
Und wie man sieht, läuft es fast überall so in größeren Firmen - da gibt es so eine ganz spezielle Art von Typen, die in jeder kleineren Firma nach spätestens 2 Stunden auffallen und gleich wieder rausgeworfen werden würden, weil sie nur aufgeregt mit dem Blackberry rumlaufen und _nichts_nichts_nichts_tun! Die ganze Zeit. Ausser Ausschau halten nach jemandem, den man demotivieren kann: Blödsinnige Regeln aufstellen, dumm daher quatschen, Fachpersonal wegen Fachsprache auslachen, Schriftarten in Präsis anmahnen - und _alle_ Erfolge der Firma für sich reklamieren. Ganz typischer "Menschenschlag" bei großen Konzernen in denen nichts mehr voran geht - genau wie im Artikel beschrieben!

Also in der Tat: Das Thema ist absolut heiß, da könnte ich noch stundenlang zu schreiben - was ich euch erspare ;-) .
#zitieren

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