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Dienstag, 10. November 2009 | News

"Tear down this wall! Let Java be free!"

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/news/052336)
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"Freiheit für Java" – fordert Vishall Sikka, CTO von SAP, in seinem jüngsten Blogeintrag in ungewöhnlich deutlichen Worten. Eine einmalige Chance sei mit der Übernahme von Sun durch Oracle gegeben, Java endlich von den Ketten der Sun-Dominanz zu befreien und in offene, anbieterneutrale Strukturen zu überführen. Und SAP, fügt Sikka vielversprechend hinzu, würde dieses Projekt mit erheblichen Investitionen unterstützen.

Starke Worte von einem der führenden Köpfe eines Unternehmens, das selbst in der Vergangenheit nicht gerade für eine besondere Offenheit bekannt war, bei dem seit geraumer Zeit aber ein Strategiewechsel hin zu quelloffenen Entwicklungsprojekten zu erkennen war.

Verfolgen wir Vishall Sikkas Argumentation im Detail:

Seit 15 Jahren stelle Java eine Programmiersprache dar, die signifikante Innovationen im Bereich der Softwareentwicklung ermöglicht habe: Java sei überall – angefangen bei großen Enterprise – Anwendungen bis hin zu mobilen Endgeräten. Außerdem sei Java die Sprache einer Community, die einer ganzen Generation von Entwicklern den Anschluss an Open-Source-Projekte wie Apache und Eclipse ermöglicht habe. Java sei unbestritten eine der wichtigsten Stützen der IT-Industrie.

In der Java-Welt vollzögen sich derzeit nun aber wichtig Veränderungen und es gebe zunehmend Diskussionen um die mangelnde Offenheit von Java und des Java Community Process. Bis heute sei der JCP stark von Sun dominiert, was sich nicht immer zum Vorteil aller an Java interessierten Parteien ausgewirkt habe.

Um Java als treibende Kraft für ökonomisches Wachstum zu erhalten, sei es notwendig, die Hoheit über die Sprache und die Plattform einer offenen Institution zu übergeben, die nicht von einem einzelnen Unternehmen dominiert sei:

Java is the lifeblood of the IT industry, The technical interfaces that are jointly developed by the community should be immune from bias, and the community should be able to work even closer together in the spirit of cooperation to continue the Java success story. Vishall Sikka

Als Beispiel für eine solche offene Community führt Sikka Eclipse an, das seinen Erfolg vor allem der Quellöffnung und der Leitung durch eine anbieterneutrale Instanz, die Eclipse Foundation, zu verdanken habe. Ähnliches sei nun nach der Übernahme von Sun durch Oracle für Java nötig: die Überführung von Java in eine neue "Java Foundation" und die Öffnung der Quellcodes der JVM:

The Java Virtual Machine should become open source and be managed by an independent Board, including its license terms that are currently restricted to free software and thus not adaptable to the commercial terms required in the global IT marketplace. Vishall Sikka

In einer solchen neu entstehenden "Java Foundation" würde SAP einen erheblichen Beitrag leisten, so Sikka, und zwar sowohl in Form von Entwicklungsarbeit als auch in Form finanzieller Investitionen in die Java-Technologie und die neuen Verwaltungsstrukturen.

If such new Java Foundation will be proposed by the owner of the Java programming language, SAP is committing to make significant investments in form of engineering and financial resources into Java technology and its new governance structure. Vishall Sikka

Sikka vergleicht den aktuellen Zustand von Java abschließend mit der politischen Situation der DDR kurz vor dem Mauerfall und zitiert Michail Gorbatschows berühmte Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Auch bei Java habe es in letzter Zeit einen gefährlichen Vertrauensverlust in der Community gegeben, da versprochene und längst überfällige Reformen ausgeblieben seien.

Dramatisch wird Sikka gegen Ende seines Postings mit einer direkten Ansprache an die derzeitigen Java-Hüter Larry Ellison und Jonathan Schwartz:

Mr. Ellison and Mr. Schwartz, open this gate! Gentlemen, tear down this wall! Let Java be free! Vishall Sikka

(hs)

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Kommentare

Gravatar RPR 10.11.2009
um 21:57 Uhr
In der Tat eine seltsame Ansprache ... grad ein SAPler, der was von Offenheit raunzt, tststs...
Java _ist_ Open Sorce, auch den Quellcode der JVM kann er auch in Indien (oder wo er herkommt) runterladen. Kann es sein, dass Herr Vishal den "Mauerfall" von OpenJDK nicht mitbekommen hat?
Wer hat denn zu dem gemacht, was es heute ist, wem verdankt er denn das? Hat er was dafür bezahlt? Tststs...

Ob der JCP perfekt für SAP ist, kann ich nicht sagen, aber über den Mauerfall die Sowjet-Diktatur mit SUN zu vergleichen, ist eine Schweinerei!
#zitieren
Gravatar Andreas 10.11.2009
um 23:46 Uhr
Nun ja,
die Beziehung zwischen Oracle und SAP sind doch hinlänglich bekannt. Und wenn SAP jetzt sieht, dass gerade Oracle mit Java eine der Schlüsseltechnologien in die Hand bekommt, kann ich schon verstehen, dass sie offen dafür eintreten, der Sache eine andere Wendung zu geben. Das Interesse von SAP, dass Java nicht von Oracle kontrolliert werden kann, ist da sicherlich verständlich.
Oracle nutzt aber Java in gleicher Weise und ist sich, glaube ich, sehr bewusst, was für ein Kleinod sie dort haben.

Die liebe SAP soll sich aber auch bewusst sein, dass es kein Zuckerschlecken sein wird, das Erbe von Sun mit all seinen rechtlichen Vertrickungen in OpenSource hinein, fort zu führen.
Ich denke, da kommen auch für Oracle noch Dinge auf den Plan, an den sie jetzt noch nicht mal denken können.
Und aus dem Ganzen dann noch einen Unternehmensgewinn machen, bei dem auch die Shareholder zufrieden sind ?

Na ja, da ist die Frage, Java in eine andere Organisation zu bringen, eher beiläufig. Die haben ganz andere Probleme.
#zitieren

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