"Freiheit für Java" – fordert Vishall Sikka, CTO von SAP, in seinem jüngsten Blogeintrag in ungewöhnlich deutlichen Worten. Eine einmalige Chance sei mit der Übernahme von Sun durch Oracle gegeben, Java endlich von den Ketten der Sun-Dominanz zu befreien und in offene, anbieterneutrale Strukturen zu überführen. Und SAP, fügt Sikka vielversprechend hinzu, würde dieses Projekt mit erheblichen Investitionen unterstützen.
Starke Worte von einem der führenden Köpfe eines Unternehmens, das selbst in der Vergangenheit nicht gerade für eine besondere Offenheit bekannt war, bei dem seit geraumer Zeit aber ein Strategiewechsel hin zu quelloffenen Entwicklungsprojekten zu erkennen war.
Verfolgen wir Vishall Sikkas Argumentation im Detail:
Seit 15 Jahren stelle Java eine Programmiersprache dar, die signifikante Innovationen im Bereich der Softwareentwicklung ermöglicht habe: Java sei überall – angefangen bei großen Enterprise – Anwendungen bis hin zu mobilen Endgeräten. Außerdem sei Java die Sprache einer Community, die einer ganzen Generation von Entwicklern den Anschluss an Open-Source-Projekte wie Apache und Eclipse ermöglicht habe. Java sei unbestritten eine der wichtigsten Stützen der IT-Industrie.
In der Java-Welt vollzögen sich derzeit nun aber wichtig Veränderungen und es gebe zunehmend Diskussionen um die mangelnde Offenheit von Java und des Java Community Process. Bis heute sei der JCP stark von Sun dominiert, was sich nicht immer zum Vorteil aller an Java interessierten Parteien ausgewirkt habe.
Um Java als treibende Kraft für ökonomisches Wachstum zu erhalten, sei es notwendig, die Hoheit über die Sprache und die Plattform einer offenen Institution zu übergeben, die nicht von einem einzelnen Unternehmen dominiert sei:
Java is the lifeblood of the IT industry, The technical interfaces that are jointly developed by the community should be immune from bias, and the community should be able to work even closer together in the spirit of cooperation to continue the Java success story. Vishall Sikka
Als Beispiel für eine solche offene Community führt Sikka Eclipse an, das seinen Erfolg vor allem der Quellöffnung und der Leitung durch eine anbieterneutrale Instanz, die Eclipse Foundation, zu verdanken habe. Ähnliches sei nun nach der Übernahme von Sun durch Oracle für Java nötig: die Überführung von Java in eine neue "Java Foundation" und die Öffnung der Quellcodes der JVM:
The Java Virtual Machine should become open source and be managed by an independent Board, including its license terms that are currently restricted to free software and thus not adaptable to the commercial terms required in the global IT marketplace. Vishall Sikka
In einer solchen neu entstehenden "Java Foundation" würde SAP einen erheblichen Beitrag leisten, so Sikka, und zwar sowohl in Form von Entwicklungsarbeit als auch in Form finanzieller Investitionen in die Java-Technologie und die neuen Verwaltungsstrukturen.
If such new Java Foundation will be proposed by the owner of the Java programming language, SAP is committing to make significant investments in form of engineering and financial resources into Java technology and its new governance structure. Vishall Sikka
Sikka vergleicht den aktuellen Zustand von Java abschließend mit der politischen Situation der DDR kurz vor dem Mauerfall und zitiert Michail Gorbatschows berühmte Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Auch bei Java habe es in letzter Zeit einen gefährlichen Vertrauensverlust in der Community gegeben, da versprochene und längst überfällige Reformen ausgeblieben seien.
Dramatisch wird Sikka gegen Ende seines Postings mit einer direkten Ansprache an die derzeitigen Java-Hüter Larry Ellison und Jonathan Schwartz:
Mr. Ellison and Mr. Schwartz, open this gate! Gentlemen, tear down this wall! Let Java be free! Vishall Sikka




