Die Runtime-Projekte bei Eclipse werden immer stärker. Das offenbarte auch das Eclipse-Galileo-Release, bei dem OSGi- bzw. Equinox-basierte Technologien eine große Rolle spielten. Jeff McAffer ist als Leiter der Eclipse-Projekte Equinox OSGi, RCP und Orbit maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt und damit prädestiniert dafür, uns die Neuerungen bei Equinox einmal etwas genauer zu erklären.
JAXenter: Hallo Jeff. Kannst du zu Beginn kurz beschreiben, was Equinox ist?
Jeff McAffer: Das Equinox-Projekt ist quasi der Motor aller Runtime-Projekte bei Eclipse. Technisch gesehen ist Equinox die Implementierung der OSGi-Spezifikation, die einen Standard für die Modularisierung von Java-Runtime-Anwendungen festlegt. Ziel des Equinox-Projekts ist es, eine vitale Community um das Thema OSGi herum aufzubauen und eine der besten Implementierungen der OSGi-Spezifikation bereitzustellen. Hierfür beteiligt sich das Equinox-Team lebhaft an den Diskussionen und Untersuchungen über nachfolgende OSGi-Versionen und über korrespondierende Fragen zu Runtime-Technologien. Equinox ist aber auch für die Entwicklung anderer Infrastrukturen auf Basis von Eclipse-Runtime-Technologien bzw. OSGi-basierten Systemen offen.
JAXenter: Was ist ein typisches Anwendungsszenario für Equinox?
Jeff McAffer: Equinox ist die Basis aller Runtime-Umgebungen bei Eclipse. Im Allgemeinen wird Equinox dafür eingesetzt, ein einheitliches Komponentenmodell zur Verfügung zu stellen, das es ermöglicht, durch einfaches Erweitern und Zusammenfügen von Komponenten Lösungen für eine Vielzahl von IT-Problemstellungen zu entwickeln.
Die Anwendungsfälle für das Equinox-Projekt sind also sehr breit gefächert und reichen von der Bereitstellung von Runtime-Lösungen für eingebettete Systeme bis hin zum Einsatz auf dem Desktop und dem Server. Viele moderne Java-Application-Server, etwa WebSphere und Spring DM, laufen auf Basis von Equinox-Technologie. Die NASA setzt Equinox und die Eclipse Rich Client Platform zur Steuerung von Weltraummissionen ein, und in diversen Embedded-Controller-Szenarien von Unternehmen spielt Equinox eine wichtige Rolle.
JAXenter: Was gibt es Neues bei der Galileo-Version von Equinox?
Jeff McAffer: Im Galileo-Release implementiert Equinox die neuste OSGi-Spezifikation 4.2. Nach wie vor stellen wir die Referenzimplementierung des OSGi-Core-Frameworks bereit, ebenso wie viele Implementierungen von Detailspezifikationen aus dem OSGi-Kompendium, z. B. Declarative Services und Event Admin.
Zum zweiten Mal ist im Galileo-Release auch die Bereitstellungstechnologie p2 enthalten, die viele Verbesserungen bezüglich Benutzerschnittstelle, Performanz, Stabilität und Flexibilität aufzuweisen hat. Wir sind insgesamt über das wachsende Interesse an p2 und der Bereitstellungstechnologie in OSGi-Systemen sehr begeistert. Tatsächlich wird p2 mit dem Galileo-Release zum besten und fortschrittlichsten Bereitstellungssystem für Equinox und OSGi-Frameworks.
JAXenter: Welche Entwicklungen stehen bei Equinox nach Galileo an?
Jeff McAffer: Das Equinox-Projekt wird sein Engagement im OSGi-Spezifizierungsprozess fortführen. Das beinhaltet Untersuchungen bezüglich des nächsten Major-Releases der OSGi-Spezifikation. Da sich OSGi einer wachsenden Beliebtheit erfreut, sowohl im Unternehmensumfeld als auch im Serverbereich, sehen wir für die Zukunft einige Schlüsselkompetenzen, in denen Equinox eine führende Position einnehmen wird. Zum Beispiel wird Equinox bei der Entwicklung und Verwaltung OSGi-basierter Systeme mit der p2-Technologie ganz vorne dabei sein, ebenso bei der Verbesserung des OSGi-Core-Frameworks. Ein Stichwort ist hier etwa „Application Isolation“ im Unternehmensumfeld.
JAXenter: Welche neuen Trends siehst du zurzeit im Eclipse-Ökosystem aufkommen?
Jeff McAffer: Einen der wichtigsten Trends bei Eclipse sehe ich in der Tat bei EclipseRT (Runtime-Top-Level-Projekt), d. h. dem Einsatz von Eclipse-Technologien in Runtime-Szenarien. Equinox steht hier zwar sicherlich im Zentrum dieser Entwicklung, doch gibt es auch viele andere Eclipse-Projekte, angefangen bei RCP, RAP über EclipseLink, BIRT bis hin zu EMF, die ebenfalls intensiv daran arbeiten, Lösungen, die im Runtime-Bereich angesiedelt sind, zur Verfügung zu stellen. Mit der wachsenden Akzeptanz von Equinox im Enterprise-Umfeld werden wir auch mit neuen, innovativen Beiträgen von Unternehmen wie SAP rechnen können. Im Ganzen wird sich EclipseRT wohl in Richtung der Bereitstellung von praktikablen Lösungen für Endnutzer entwickeln und Unterstützung für Projekte bieten, die mit den parallel verlaufenden Bemühungen um e4, der nächsten Generation der Eclipse-Plattform, in Zusammenhang stehen.
JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!
Jeff McAffer leitet die Eclipse-Teams Equinox OSGi, RCP und Orbit und ist Mitbegründer und CTO von Eclipse Source. Er ist einer der Architekten der Eclipse Plattform, Co-Lead des Eclipse RT PMC, Mitglied des Eclipse Project PMC, Tools Project PMC, Eclipse Architecture Council und Board of Directors der Eclipse Foundation.















