Java 6 - Codename Mustang - ist nach über zwei Jahren Entwicklung Anfang dieser Woche final veröffentlicht worden. Aus diesem Anlass präsentieren wir Ihnen sukzessive aufeinander folgend die interessanten Meinungen unserer Java Magazin-Autoren.
Heute ist Arno Haase an der Reihe. Er ist freiberuflicher Softwarearchitekt mit langjähriger Erfahrung und regelmäßiger Speaker auf Konferenzen. Seine Schwerpunkte liegen auf Architektur, modellgetriebener Softwareentwicklung und agilen Methoden. Den Lesern des Java Magazins ist er bekannt durch eine Artikelreihe zur Modellgetriebenen Softwareentwicklung, welche Anfang des Jahres im Java Magazin
Arno, wie siehst du die neue Version von Java? Ist sie für dich mehr als nur ein Maintenance-Release zu Java 5, wie oftmals im Vorfeld geäußert wurde?
Arno Haase: Java 6 ist weit mehr als ein Maintenance-Release zu Java 5 - das ist Polemik, die klar zu kurz greift, denn es ist eine Reihe neuer Bibliotheken und Tools dazugekommen. Gleichzeitig ist der Schritt von Java 5 zu Java 6 natürlich sehr viel kleiner als der zu Java 5. Aber das Release von Java 5 war das erste Mal seit Java 1.1 (!), dass Sun deutliche Erweiterungen an der Sprache selbst, also am Sprachkern vorgenommen hat, und der Vergleich mit den Neuerungen in Java 5 stellt deshalb eine sehr hohe Hürde dar. Außerdem hat Sun ja jetzt kürzere, regelmäßige Release-Zyklen eingeführt, und da ist es klar, dass die Unterschiede von Release zu Release kleiner sind oder ausfallen werden.
Zusammengefasst ist meine Einschätzung, dass Java 6 ein nützliches neues Release ist, das eine Reihe von nützlichen neuen Bibliotheken mitbringt, dass aber der Charakter von Java 6 klar eher evolutionär als revolutionär ausfällt.
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Haase: Das StAX API für die Streaming-Bearbeitung von XML sieht nützlich aus. Und ich freue mich auch über die kontinuierliche Weiterentwicklung von Swing - es steht ein wenig im Schatten des Eclipse-/SWT-Hypes, meiner Meinung nach zu Unrecht. Mit den Entwicklungen in den Releases 5 und 6 hat Swing auf jeden Fall einen erheblichen Reifegrad und eineriesige Leistungsfähigkeit erreicht.
Aber echte "Highlights" sehe ich in Java 6 nicht. Es ist eben eher ein stetiger Schritt auf einem guten Weg als eine bahnbrechende Revolution.
Was vermisst du bzw. wo siehst du Nachholbedarf?
Haase: Die Nummer 1 auf meiner Wunschliste ist schon lange die Unterstützung für funktionale Programmierung, insbesondere Closures (auch als Code-Blöcke bezeichnet). Im Zusammenhang damit dann natürlich auch eine leistungsfähigere Collection-Sammlung. Außerdem vermisse ich Unterstützung für den Umgang mit Datumswerten (java.util.Date ist ja ein Zeitstempel), Zeitintervallen etc.
Was gibst du den nächsten Java-Versionen mit auf den Weg?
Haase: Habt Mut zu Veränderungen! Andere Sprachen wie z.B. C++ machen eine deutlich dynamischere Entwicklung der Sprache selbst und sind trotzdem erfolgreich - Java braucht also keine Angst zu haben, durch Spracherweiterungen Anhängerschaft zu verlieren.
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.




