Ein notorisches Problem von Open-Source-Projekten ist der Mangel an brauchbarem Dokumentationsmaterial. Committer sind meist begeistert bei der Sache, wenn es darum geht, Projekte, Architekturen, Plattformen voranzutreiben - doch wer hat wirklich die Zeit, sich mit einer didaktisch schlüssigen, gut strukturierten Dokumentation dessen zu befassen, was man gerade Schönes mit dem Quellcode angestellt hat? Kommerzielle Anbieter beauftragen ganze Abteilungen von technischen Redakteuren dafür - eine gute Dokumentation ist schließlich das beste Marketing - aber Open-Source-Projekte?
Obwohl es bei Eclipse in Punkto Dokumentation durchaus besser aussieht als bei manch anderem, weniger Prozess-behüteten Open-Source-Projekt, ist der Abstand zu kommerziellen Produkten meist noch unübersehbar. Da die Mittel für bezahlte Dokumentationsschreiber meist fehlen, bleibt die Lösung, den Open-Source-Gedanken auch auf das Dokumentieren auszuweiten: Crowdsourcing heißt hier das Zauberwort.
Crowd- was?
Crowdsourcing bedeutet die Auslagerung von Aufgaben auf die Intelligenz der Masse, der Crowd von Freizeitarbeitern im Internet zum Beispiel. Dass diese Idee der "Schwarmintelligenz", die sich etwa beim Zusammentragen enzyklopädischen Wissens bereits bestens bewährt hat (siehe Wikipedia), auch für Software-Dokumentationen funktioniert, zeigen Beispiele wie die Open-Source-Dokumentation von Maven und der User-Guide von Eclipse Mylyn.
Social Writing soll als allgemeines Prinzip besser von Eclipse unterstützt werden, so Chris Aniszczyk in einem Blog-Posting der letzten Tage. Zwar steht Dokumentation bei Eclipse unter dem Eclipse-Help-Format zur Verfügung, doch ist dessen HTML-Struktur nicht gerade benutzerfreundlich und unterstützt nicht implizit den sozialen Schreibprozess. Auch steht mit der Eclipsepedia seit langem schon ein Wiki für Dokumentationen aller Art bereit, doch die derzeit dort gelisteten Hinweise sind meilenweit entfernt von einem wirklich brauchbaren, pädagogisch wertvollen User-Guide.
Die Idee, Crowdsourcing für Eclipse-Dokumentationen einzusetzen, ist zwar nicht neu (Bjorn Freeman-Benson hatte Anfang 2008 schon einen Bug zum Thema eröffnet), ist aber wohl nie konsequent zu Ende geführt worden, und die lange Liste der Kommentare zu Chris´ Eintrag deutet darauf hin, dass er hier einen wunden Punkt getroffen hat:
Well, I for my part certainly would contribute more to the Eclipse documentation if it was easier (e.g. by leveraging the Eclipse Wiki like Mylyn does). Just today, I thought that some parts of EMF could use some documentation love. Peter Friese
I’ve been beating that horse for years now, trying to get the p2 people to write more documentation during a release rather than after it. Nick Bold
Bleibt zu hoffen, dass man sich im weiteren Verlauf der Diskussion rasch auf die passenden Werkzeuge und ein einheitliches Format einigt. Wikitext, Wordpress, DocBook, DITA, FCKEditor...?




