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Freitag, 5. Februar 2010 | News

Auf der Suche nach dem Eclipse-Killer-Feature

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/news/053743)

Eclipse 4.0 wird bekanntlich im Sommer 2010 erscheinen. Der Versionssprung auf die Nummer vier lässt aufhorchen: Mit Versionssprüngen dieser Art wird üblicherweise eine Komplettüberarbeitung eines Projekts assoziiert, die die niedrigere Version irgendwie alt und überholt erscheinen lässt.

Der Fall war das sicherlich beim Übergang von Eclipse 2.x auf Eclipse 3.0, als mit der Einführung des OSGi-Standards das "Killer-Feature" integriert wurde, das jedem 2.x-User den Umstieg schmackhaft machte - wer wollte denn damals nicht auf den OSGi-Zug aufspringen und auf lange Sicht auf dem 2.x-Abstellgleis landen? Doch wird Eclipse 4.0 ein ähnliches Killer-Feature enthalten, das die Augen aller Eclipse 3.x-Anwender zum Leuchten bringt?

Diese Frage wird unter den Eclipse-Committern und -Usern gerade heiß diskutiert. Elias Volanakis von EclipseSource vertritt in seinem Blog die Postition, dass die Technologien, die derzeit im e4-Inkubator entwickelt werden, zwar große Hoffnungen wecken, jedoch für die breite Masse der Eclipse 3.x-User (die durchschnittlichen Java- und Web-Entwickler) kaum von Interesse seien. Wird e4 zum Windows Vista von Eclipse?

Seine Argumente:

  • e4 soll mit überflüssigem Ballast aufräumen und leichtgewichtiger daher kommen. Bisher würden sich die 230 MB des e4 Download-Pakets aber keineswegs schlanker anfühlen.
  • Das e4-Programmiermodell, das ja auf Dependency Injection und Annotationen setzt, sei nicht einfacher, sondern schlicht nur anders. Die Entwicklung von Applikationen sei weiterhin ein (zu) anspruchsvolles Unterfangen. Es sei beim neuen Programmiermodell z.B. schwer zu erkennen, welche Annotationen zu einem gegebenen Zeitpunkt verfügbar seien.
  • Und was könnte denn das zitierte "Killer-Fearture" in e4 sein?
e4-Entwickler Boris Bokowski gibt in seinem Blog Antworten:

  • Die Download-Größe von 230 MB komme nur dadurch zustande, dass e4 bisher noch das 167 MB große 3.x-SDK mit sich herumschleppe, dazu noch EMF (27 MB) und Teile von WTP und GEF. Die reinen e4-Bundles kämen lediglich auf ultraschlanke 2 MB, mit Abhängigkeiten nur zu SWT, JFace, Equinox und der EMF Core Runtime. Auf lange Sicht soll Eclipse 4.0 den Ballast des 3.x-SDKs natürlich abwerfen.
  • Zur Beantwortung der Frage nach dem Sinn von Dependency Injection verweist Bokowski auf John Arthornes Kommentare in einem Bugeintrag:

    The purpose of injection was to make it easier to obtain services in the general case, as well as to decouple of service user from knowing or caring about who provided the service. John Arthorne

    In einem Beispiel zeigt Arthorne, dass die Verwendung von Dependency Injection zu kürzerem und einfacher zu handhabenden Code führt. Doch letztlich scheinen sich hier gewisse Programmierschulen gegenüberzustehen, und die endgültige Entscheidung, ob Dependency Injection eine Vereinfachung bringt, scheint noch auszustehen bzw. an den persönlichen Vorlieben und Erfahrungen eines Entwicklers zu hängen.

  • Die Frage nach dem Killer-Feature in e4 gibt Bokowski weiter an die Community. Für Kommentator und e4-Committer Kai Tödter besitzt e4 sehr wohl ein solches Killer-Feature, das viele Unternehmen davon überzeugen werde, auf die 4.x-Linie umzusatteln. Denn bisher war es schwierig bis unmöglich, RCP-Applikationen dem gegebenen Corporate Design eines Unternehmens anzupassen. Genau dieses Defizit habe aber den breiten Einsatz von Eclipse RCP in vielen Unternehmen verhindert.

    The lack of customizing the look and feel (in terms of implementing a given visual design) in some cases has been a "killer feature" for not using RCP. Kai Tödter

    Die Möglichkeit, das Look and Feel einer Eclipse-Anwendung einfach per CSS zu verändern, könnte leicht zu einer viel größeren Akzeptanz von Eclipse-Technologie im Enterprise-Bereich führen.

    Und die Argumentation ist einleuchtend: Welcher Vertreter zeigt seinem Kunden schon gerne eine hässliche Tabellen-Anwendung, die so gar nicht sexy den Stil und das von der Marketing-Abteilung akribisch ausgetüftelte Lebensgefühl und Image eines Produkts vermittelt?

Gerade im Bereich des UI-Design stehen in e4 mit der Möglichkeit, Oberflächen deklarativ mittels XML (XWT: XML Windiowing Toolkit) und EMF (Toolkit Model) zu beschreiben, weitere interessante Ansätze bereit (siehe auch Artikel im Eclipse Magazin 5.09: "Vorschau auf e4: UI Styling mit CSS" von Kai Tödter, Eclipse Magazin 2.10: "Deklarative UIs in e4 - XWT versus Toolkit Model" von Marc Teufel, Yves Yang und Hallvard Traetteberg).

Und welches ist Ihr Killer-Feature in e4? Was sähen Sie gerne im Eclipse 4.0 SDK integriert?

(hs)

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Kommentare

Gravatar RPR 07.02.2010
um 11:39 Uhr
>> "Der Fall war das sicherlich beim Übergang von Eclipse 2.x auf Eclipse 3.0, als mit der Einführung des OSGi-Standards das "Killer-Feature" integriert wurde, das jedem 2.x-User den Umstieg schmackhaft machte"

Also das habe ich ja komplett anders in Erinnerung.
Im Gegenteil wurde Eclipse in der Mehrheit verlacht, weil die IDE der 3.0 praktisch genauso war wie die 2.1er. "Wieso ist das ein major release?" war der durchgängige Tenor in den Artikeln der Medien.
Damals wurde Eclipse auch noch kaum als RCP-Plattform wahrgenommen - das kam ja erst nach Erscheinen der 3er Version.
Auch OSGi kannte und interessierte damals noch (kaum) ein Schwein. Der Plugin-Mechanismus der 3er brachte ja für den IDE-Benutzer überhaupt keine Vorteile - sogar der (obligatorische / vorgeschlagene) Neustart ist bis heute geblieben.
Aber die Wahrnehmung von jedem ist sicherlich ein wenig anders und die Zeit rückt so manches grade ...

Im Übrigen verstehe ich die Fragestellung nicht, ob die Leute auf die 4er Version gehen werden. _Natürlich_ werden sie das! Sie _müssen_ ja! Wer kann und will denn auf ner nicht mehr gepflegten 3er Version weiter aufbauen?
Oder meint hier jemand, dass irgendwer Eclipse forken und die 3er Version weiter entwickeln wird?

So ist das nun mal bei "Standard-Software" - da unterscheidet sich das "freie" Eclipse in nichts von der proprietären Verwandtschaft etwa SAP.
Dort ist das Hochziehen von angepasster Software ebenfalls ein Drama - Vertriebs-Versprechungen hin oder her - und werden oft genug gar nicht oder erst spät mitgemacht - trotz "Upgrade-Hilfen" (die Eclipse wohl nicht einmal bringen wird?).
#zitieren

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