Was ist Content?
Das Wörtchen „Content“ sickert unaufhaltsam in unseren deutschen Sprachgebrauch ein. – Wie fürchterlich, erregen sich da die Hüter der reinen deutschen Sprache, wieder so ein Anglizismus! Wir haben doch in unserer schönen deutschen Sprache ein eigenes Wort dafür – den Inhalt!
Content ist nicht Inhalt
In der Tat wird „Content“ zu häufig als reines Synonym für den deutschen „Inhalt“ verwendet – was natürlich albern ist und vermutlich cooler, weltläufiger und irgendwie wichtig klingen soll (wie so häufig bei naiv eingesetzten Anglizismen). Interessant wird es aber dann, wenn man untersucht, ob sich hinter dem Begriff (in unserem Falle „Content“) ein neues Konzept verbirgt, also ein gewisser Informationsmehrwert, den unser gutes altes deutsches Wörtlein eben nicht liefert.
Und in der Tat stellen wir fest: ein Inhalt referiert stets auf seine Umgebung, also auf das, was den Inhalt beinhaltet. In anderen Worten: der Inhalt ist immer Inhalt von etwas (einem Behälter, einer Zeitschrift, einer Oper oder was auch immer). Eigenständig, also ohne das Drumherum, ist der Inhalt sinn- und aussagelos.
Content, als Konzept betrachtet, hat seine Berechtigung auch ohne den Rahmen, in welchem er repräsentiert wird. Content kann in einer Zeitschrift geschrieben stehen (z.B. Java Magazin), als Vortrag auf einer Konferenz dargestellt werden (JAX, W-JAX), als Video online präsentiert werden (www.JAXenter.de) oder, etwas angereichert, zusätzlich als Buch erscheinen. Zufällig bin ich Verleger, weshalb ich genau diese Beispiele wähle. Der Content residiert in einem darstellungsneutralen Content Repository und kann in unterschiedlichen Ausprägungen über unterschiedliche Kanäle ausgeliefert werden. Aber das ist noch nicht alles.
Java Content Repository
Was dies alles in technischer Hinsicht zur Folge hat, beleuchtet unser Titelthema in diesem Heft (Seiten 20 und 24). Die Konzepte, die hier dargestellt werden, und der Java-Content-Repository-(JCR-)Standard, der ebenfalls erläutert wird, mögen helfen, die vielen Einzelaktivitäten, die unternommen werden müssen, um aus reinen Daten aussagekräftigen Content zu machen, zu standardisieren. David Nüscheler und seine Kollegen von Day Software, aus deren Feder unsere beiden Titelartikel stammen, sind aktive Vordenker des JCR-Standards und der Referenzimplementierung Jackrabbit bei Apache.
Effective Java
Sehr herzlich im Java Magazin begrüßen möchte ich außerdem die Autoren Angelika Langer und Klaus Kreft, die seit der vorigen Ausgabe ihre bekannte Kolumne „Effective Java“ (Seite 106) ins Java Magazin „migriert“ haben. Die Kolumne beschäftigt sich mit den echten Java-Themen, ganz tief unten im System. Keine Frameworks, keine immer höher werdenden Abstraktionen – dafür wichtige Grundlagen und fundamentale Konzepte von Java. Momentan beschäftigen sie sich z.B. mit dem Memory-Modell von Java. Es ist uns eine Ehre und eine Freude, unseren Lesern die Kompetenz der beiden zukünftig in jeder Ausgabe des Java Magazins präsentieren zu dürfen!
Die JAX in der Neuen Welt
Mit unserer erfolgreichen JAX-Konferenz wagen wir in diesem Jahr erstmals den Sprung über den großen Teich. Nachdem wir seit drei Jahren bereits in Asien sind und auch in Indien schon die zweite JAX veranstaltet haben, zieht es die JAX-Karawane nun mitten ins Silicon Valley, nach San Jose in Kalifornien. Dort gibt es viele JAX-bekannte Gesichter wie Neal Ford, Ted Neward oder Brian Goetz anzutreffen, aber auch jede Menge Speaker, die wir bislang noch nicht bei den deutschen JAXen hatten. Falls Sie also zur Münchener W-JAX im November keinen Termin frei haben sollten – denken Sie doch einfach über einen Trip nach Amerika nach ;) Alle Infos finden Sie unter www.jax-conf.com.
Sebastian Meyen,
Chefredakteur