Suchen & Finden
Google hat es uns vorgemacht: wir geben vage an, was wir suchen und wir bekommen eine Fülle an Ergebnissen geliefert. Deren Qualität ist zwar zweifelhaft, weil die schiere Menge an Informationen fast schon an Desinformation grenzt, aber dennoch gilt: wir haben uns daran gewöhnt. Im Privatleben wie im Geschäftlichen.
Wie sah die Internet-Recherche in der Prä-Google-Ära aus? Richtig, man ging über Directories, ärgerte sich über schlampig recherchierte redaktionelle Einträge bei Yahoo! und speicherte sich fanatisch alle Links, die man selber wichtig fand. Information war schwer zugänglich und verschachtelt in Ordnungssystemen, die selten sinnvoll waren.
Ähnlich sieht es heute noch im Innern vieler, wenn nicht gar der meisten Unternehmen aus. Was für uns privat zur Selbstverständlichkeit geworden ist, muss im Unternehmenskontext erst aufgebaut werden. Neben den leistungsfähigen, aber auch überaus teuren Suchmaschinen für Unternehmensanwendungen von Google, Microsoft, IBM, Oracle & Co. hat sich im Java-Umfeld das Apache Lucene-Projekt etabliert.
Es glänzt durch seine Leistungsfähigkeit und ist dabei quelloffen verfügbar. Es lässt sich an eigene Bedürfnisse anpassen und nahtlos in die eigene Anwendung integrieren. Lucene überzeugt darüber hinaus über ein ansehnliches Innovationstempo sowie eine kompetente Community. Es gibt Lucene-basierte kommerzielle Produkte, die wichtige Zusatzfunktionen anbieten, es gibt aber auch das Apache Solr-Projekt, das aus der reinen Suchtechnologie (Lucene) ein Suchmaschinen-Produkt macht, Open Source.
Die Mächtigkeit und die Bedeutung, die Lucene im Java-Kontext erlangt hat, ist enorm und die Liste der Referenzen, auf die Isabel Drost in ihren Beiträgen (Seite 32, 40) verweist, beeindruckend. Lucene ist so etwas wie die Standard-Suche in der Java-Welt geworden.
Grund genug, die aktuelle Version in einer neu beginnenden Artikelserie unter die Lupe zu nehmen. Grund genug auch, im vorliegenden Heft als Titelschwerpunkt das Projekt Solr zu beleuchten, das für diejenigen gedacht ist, die eher einen Lucene-basierten Suchserver, den sie rasch verwenden können, benötigen als einen reinen Such-Index als Java-Bibliothek.
Die Zukunft der SAP
Für 5,8 Milliarden Dollar will die Walldörfer SAP das Unternehmen Sybase kaufen. Sybase ist traditioneller Datenbankanbieter, der sich in den letzten Jahren ein beträchtliches Standbein bei Softwaresystemen für mobiles Business aufgebaut hat.
Durch den Erwerb der Datenbank und deren Integration in die eigenen Systeme wird SAP wohl daran arbeiten, die Oracle-Datenbank, die heute noch am meisten von SAP-Kunden verwendet wird, abzulösen. Denn immerhin heißt es, dass die SAP-Kunden für den Betrieb ihrer SAP-Software jährlich Datenbank-Lizenzen im Wert von etwa einer Milliarde Dollar beim Erzrivalen Oracle einkaufen.
Ob SAP allerdings seinem Erzrivalen Oracle das Datenbankgeschäft ernsthaft streitig machen kann, ist fraglich. Analyst Peter Goldmacher von Cowen & Co bezeichnet die Übernahme als verzweifelten Versuch, mit dem großen Konkurrenten Oracle Schritt zu halten (http://tinyurl.com/26bz9ag). SAP werde es schwer haben, seine Kunden zu überzeugen, sich von Oracle Datenbank-Lösungen zugunsten der nun hauseigenen Sybase-Produkte zu entscheiden.
Die meisten Beobachter sehen das wahre Potenzial der Übernahme jedoch im Zugang zu den mobilen Sybase-Technologien. So erlaubt die Sybase-Plattform Unwired das Deployen von Anwendungen auf Blackberry-, Apple- und Android-Plattformen. Das SAP-Portfolio kann so erheblich über das bisher bekannte Maß erweitert und in eine „Mobile Cloud“ überführt werden. Für diese sehr strategische, wenn nicht gar visionäre Perspektive zahlt das Unternehmen allerdings einen hohen Preis.
Zugleich ist eine erhöhte Aktivität im Bereich der Java-Technik sowie bei verschiedenen Open-Source-Projekten zu verzeichnen. Die SAP, lange Zeit als isolierter Hort proprietärer Technologien betrachtet, öffnet sich in Richtung Eclipse und weiterer Open-Source-Technologien. Während seiner Keynote auf der JAX berichtet Harald Müller, Vice President für die Java-Technologien bei SAP, wie lange es noch vor 5 Jahren gedauert habe, eine Genehmigung für einen einzelnen Open Source Commit zu erhalten: eineinhalb Jahre. Mittlerweile werden die rechtlichen Aspekte für einzelne Open Source-Beiträge in pragmatischen Meetings von 15 Minuten (!) geklärt.
Viel Spaß bei der Lektüre!
Sebastian Meyen (Twitter: smeyen)
Chefredakteur Java Magazin