Die Eclipse-Familie
Was ist Eclipse? Eine seltsam naive Frage für einen Leser des Eclipse Magazins, nicht wahr? In der Tat wird man als Eclipse-Magazin-Leser schon die ein oder andere einschlägige Erfahrung mit Eclipse gemacht haben und ein gewisses Verständnis dessen mitbringen, was Eclipse ausmacht. Doch genauso sicher kann man sein, dass Eclipse mehr ist als das, für was es von jedem einzelnen Entwickler gehalten wird.
Was ist also Eclipse? Dem mathematisch geschulten Informatiker mag der Drang, Eclipse definitorisch erfassen zu wollen, zwar durchaus im Blut liegen. Dem Nutzen eines solchen Definitionsversuches sind allerdings Grenzen gesetzt, da das Feld der Dinge, die auf irgendeine Art und Weise mit Eclipse in Zusammenhang stehen, unübersichtlich groß ist.
Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat für solche Sachverhalte vorgeschlagen, die üblichen definitorischen Klassifikationen ad acta zu legen und das Konzept der „Familienähnlichkeit“ einzuführen: Begriffe können nämlich verschwommene, unscharfe Grenzen haben. Und wenn versucht wird, diese in hinreichende Definitionen zu pressen, dann „holt sich der Verstand Beulen“.
Ohne hier allzu sehr in philosophische (Un-)Tiefen abzuschweifen, passt die Idee der Familienähnlichkeiten in Bezug auf Eclipse wie die Faust aufs Auge: Eclipse ist eine Java IDE, aber auch ein ganzes IDE-Framework. Eclipse ist eine Tooling-Plattform, aber auch die Basis für unzählige Runtime-Projekte. Eclipse wird von einer Foundation zusammengehalten, hat aber dank seines Open-Source-Charakters ein reges Eigenleben jenseits aller Regulierungen.
Eclipse ist also eine Familie – und die einzelnen Familienmitglieder lassen sich beschreiben, auch ungeachtet der Frage, ob sie nun in einem nahen oder einem entfernten Verwandtschaftsgrad zu einem wie auch immer gearteten „Eclipse-Kern“ stehen.
Wayne Beaton hat diesen Familiencharakter von Eclipse erfasst und in einer Serie von Kurzartikeln ganz im Sinne Wittgensteins episodenhaft dargestellt. Jonas Helming und Maximilian Kögel haben die Serie aktualisiert und für das Eclipse Magazin neu aufgelegt: Die Serie „Was ist Eclipse?“ startet in dieser Ausgabe auf S. 10.
Doch der Gedanke der Eclipse-Familie lässt sich noch ausweiten. So ist eigentlich jeder Artikel hier im Eclipse Magazin eine Beschreibung eines Verwandten in der Eclipse-Großfamilie. In dieser Ausgabe haben wir beispielsweise den Eclipse-Onkel Spring im Visier und verraten, welche heißen Neuerungen im Eclipse-basierten Spring-Tooling auf uns zukommen (S. 67). Den Eclipse-Bruder OSGi würdigen wir mit einem spannenden Bericht über Maven Tycho und dem Bauen von OSGi-basierten RCP-Anwendungen (S. 21). In einem etwas ferneren Verwandtschaftsgrad steht das DI-Framework Google Guice: nichtsdestotrotz gewinnbringend für jeden Eclipse-Entwickler zu lesen, wie sich Dependency Injection für die Eclipse-Plug-in-Entwicklung einsetzen lässt (S. 33). Und der bunte Bericht über das Multiplayerspiel „Interstellar Thermonuclear War“ (S. 57), das auf die Clans der Androiden, der Google Waves und des Eclipse Communication Frameworks verweist, beschreibt ganz zeitgemäß eine moderne Eclipse-Patchworkfamilie, wie sie in vielen Eclipse-basierten Projekten anzutreffen ist, und die sich in unserem Eclipse-Familienmagazin bestens aufgehoben fühlen darf!
Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht,
Hartmut Schlosser, Redakteur