Herzlichen Glückwunsch, Eclipse
Eclipse wurde kürzlich von der ACM, der renommierten Informatikervereinigung Association for Computing Machinery, mit dem Software Systems Award ausgezeichnet. Dieser Preis wird an Institutionen oder Personen vergeben, deren Entwicklungen einen bleibenden Einfluss auf die IT-Industrie haben. Vor Eclipse gehörten zu den Preisträgern u.a. Java, Apache, Mosaic, das World Wide Web, Smalltalk und Unix. Eine illustre Gesellschaft also.
In der Laudatio der ACM heißt es: „Eclipse hat den Begriff der Integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) revolutioniert, indem es sich auf den konzeptuellen Kern einer jeden IDE konzentriert hat.“ (Quelle: http://bit.ly/IySm82).
Was da ein wenig getragen und akademisch daherkommt, beschreibt nichts anderes als die Tatsache, dass nie zuvor in der Geschichte der Informationstechnologie ein Tooling-Framework gebaut wurde, das als Grundlage für (beinahe) beliebige Anwendungsmöglichkeiten dienen kann.
Aus dem Projekt, ein einheitliches Tooling für die Java-Plattform zu schaffen, hat sich über die Jahre ein generisches Framework für den Bau digitaler Systeme über Domänen- und Technologiegrenzen hinweg entwickelt. Gewiss, auch heute noch spielt Eclipse besonders in der Java-Welt seine zentrale Rolle, aber die vielen Anwendungen zum Beispiel für C++, PHP, ja sogar COBOL oder auch die Visualisierung wissenschaftlicher Daten aus ganz anderen Feldern wie der Genetikforschung, stehen heute für den Erfolg von Eclipse.
Dabei bezog Eclipse in seinen Anfangsjahren – und vermutlich bis heute! – einen beträchtlichen Teil seiner Faszination daraus, dass es neben seinem generischen Charakter immer auch als vollfunktionsfähiges Out-of-the-Box-Produkt für die Java-Entwicklung funktionierte; mit einer Fülle glänzender Features, die den damals gängigen Java-IDEs deutlich überlegen waren.
Diese Balance gehört wohl zu den geheimen Bedingungen des großen Erfolgs von Eclipse. Heute ist das Wesen der Plattform auch dem Mainstream bekannt, und sie gehört zur Softwarewelt wie etwa Unix oder die JVM. Mit seiner anhaltenden Fülle an Innovationen stellt das Eclipse-Umfeld auch heute noch ein wesentliches Kraftzentrum der IT-Industrie dar.
Eine bleibende Wirkung, wie vom ACM-Award beschrieben, kann man Eclipse auf jeden Fall attestieren – „Build to Last“, das war auch Erich Gammas Designziel bei Eclipse, wie er in seiner legendären Keynote während der JAX 2005 erklärte. Eine nachhaltige Plattform wollte Gamma, der als Architekt der Eclipse-Plattform gilt, schaffen und mit ihr den Weg freimachen für die Kreativität vieler.
Anteil an dem Erfolg von Eclipse haben letztlich natürlich viele Akteure: die technischen Urheber der Technologie, die von ACM namentlich genannt werden, die Nutzer, die sich durch Bugfixes und Feature-Requests bemerkbar machen, und natürlich die stattliche Eclipse-Community, die durch eine Fülle an Eclipse-Projekten aus der reinen Plattform ein vitales Ökosystem gemacht hat.
Hervorheben möchte ich aber einen Namen: Mike Milinkovich. Seit 2004 als Director der Eclipse Foundation im Amt, hat Mike maßgeblich dazu beigetragen, die Foundation als Hybrid, bestehend aus einer Open-Source-Community und Elementen eines Industriekonsortiums, zu etablieren. Trotz konsequenter Industrieorientierung hat es die Foundation unter seiner Führung geschafft, ihre Attraktivität für die Open-Source-Community niemals zu verlieren.
Zusammengefasst sind es wohl drei Faktoren, die die bleibende Wirkung von Eclipse ausmachen: (1) Die Offenheit der Plattform, die von Beginn an darauf angelegt war, langfristig robust zu funktionieren und zugleich zukünftigen Innovationen beliebiger Art eine Grundlage zu bieten. (2) Ihre Dauerhaftigkeit, die sich unter anderem dadurch manifestiert, dass die Weiterentwicklung der Technologie nicht von einzelnen (charismatischen) Protagonisten abhängig ist; beinahe alle Urheber, die von der ACM feierlich erwähnt wurden, arbeiten heute nicht mehr bei Eclipse. (3) Ihre Businessrelevanz. Eclipse stellt heute für eine Vielzahl an Entwicklern und Unternehmen eine echte Wertschöpfung dar.
Wir vom Eclipse Magazin gratulieren natürlich zu dem Erfolg und freuen uns, diese faszinierende Technologie nun schon seit so vielen Jahren mit Fachwissen begleiten zu können.
In diesem Sinne: viel Spaß bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe!
Sebastian Meyen, Chefredakteur
http://gplus.to/EclipseMagazin