Buch-Tipp

Agile Java-Entwicklung mit Spring, Hibernate und Eclipse

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/buchtipps/000662)
  • Autor/in: Anil Hemrajani
  • Verlag: mitp-Verlag
  • Seiten: 384
  • erschienen: 2007
  • Preis: 39,95 €
  • ISBN: 978-3-8266-1696-9

Der Titel lässt ahnen, dass der Autor des vorliegenden Buches - Anil Hemrajani - nicht in allzu hohe Sphären theoretischer Überlegungen eindringen will. Kern des Werks sind Java-Technologien wie die oben genannten. Das Werk richtet sich damit primär an Praktiker, die sich mit den Themen "Extreme Programming" und "Agile Softwareentwicklung" nicht staubtrocken auseinandersetzen wollen.

Hemrjani selbst teilt die Adressaten seines Werks in zwei Gruppen ein: die erste Gruppe ist die der Softwareentwickler, denen er praktisches Handwerkszeug mit auf dem Weg geben möchte. Die zweite Gruppe rekrutiert sich aus Projektleitern, denen er aktuelle Entwicklungstechnologien präsentieren will. Den Mitgliedern beider Gruppen ist allerdings anzuraten, mit Java-Entwicklung oder objektorientierter Entwicklung sowie mit relationalen Datenbanken vertraut zu sein.

Hemrajani skizziert mithilfe eines Beispielsystems einen Durchlauf durch einen Entwicklungszyklus. Dieser umfasst das Anforderungsmanagement, die Konzeptuierung und die Implementierung. Für das Projektmanagement setzt er Methoden aus dem Extreme Programming ein - beispielsweise verwendet er anstatt Uses-Cases so genannte User Stories, die im Allgemeinen etwas leichtgewichtiger sind.

Bevor wir zur Kritik kommen, werfen wir einen Blick auf den Aufbau des Buches. Zunächst stellt sich der Autor selbst vor. Er fährt mit einer Einführung in Extreme Programming (XP) fort. Im Hauptteil des Werkes werden die folgenden Technologien beschrieben: das Build-Tool Ant, die Entwicklungsumgebung Eclipse, das OR-Mapping-Tool Hibernate, die in Java implementierte relationale Datenbank HSQLDB, das Unit-Testframework JUnit und das Webframework Spring.

Im Anschluss an die Technologie-Einführung wendet er das vorgestellte Tool auf seine Beispielapplikation an. Nachdem die letzte Technologie eingeführt wurde, endet das Buch mit ein paar zusammenhanglosen Änderungen am Beispielsystem. Und das ist auch schon der Einstieg zum Hauptkritikpunkt am vorliegenden Buch. Der Buchrücken lässt verlauten: "Dabei demonstriert er, wie moderne Software entwickelt wird: agil, iterativ und inkrementell."

Der Autor legt aber seinen Fokus auf die Präsentation der genannten Technologien und verliert dabei den Blick auf das Ganze. Er integriert die Java-Systeme nicht zu einem Prozess. Dort, wo er hätte fortfahren müssen, nämlich gegen Buchende in die nächste Iteration einzutreten, stoppt er. Hemrajani leistet also genau das nicht, was der Bruchrücken verspricht. Es bleibt lediglich beim Versuch, einen XP-gerechten Softwareentwicklungsprozess zu skizzieren.

Ein weiteres (unverzeihliches) Manko ist das häufige Wiederholen seiner persönlichen Erfolge. Unzählige Male weist der Autor darauf hin, dass er als Consultant bei einem Fortune-100-Unternehmen eine Applikation in Java entwickelt hat und so fort. Das freut mich als begeisterter Java-Entwickler natürlich, aber eine einmalige Nennung hätte sicher auch seinen Zweck erfüllt. So bläht er sein Werk mit Redundanzen auf, die er hoffentlich in den von ihm hoch gepriesenen Applikationen vermieden hat.

Und noch ein Letztes und zwar zur deutschen Übersetzung. Hemrajani hat nach eigenen Angaben das Werk in aller Kürze geschrieben und wie es scheint, hat auch das Übersetzungsbüro nicht viel Zeit gehabt. Anders lassen sich diese zahllosen Tippfehler nicht erklären. Und auch die schlechte Übersetzung englischer Fachbegriffe hätte vermieden werden sollen.

Abschließend möchte ich doch ein paar gute Worte lassen: Zwar beteuert der Autor, dass er kein Open-Source-Verfechter ist, aber dennoch setzt er fast ausnahmslos Open-Source-Produkte ein. Das ist ihm zweifelsohne zugute zu halten. Er zeigt damit, was die Open-Source-Community für uns Entwickler leistet: man kann die eigenen Produkte auf kostenlosen und gleichermaßen professionellen Open-Source-Plattformen aufsetzen lassen und so die Ziel-Software schnell, kostengünstig und effizient entwickeln.

Fazit zum Buch: Das Werk eignet sich für Softwareentwickler, die sich nicht selbstständig in die genannten Java-Technologien einarbeiten wollen - vielleicht aus Zeitgründen, was im heutigen Business-Alltag natürlich nicht selten vorkommt. Für Projektleiter ist das Buch nicht zu empfehlen, da es sich zu sehr in technischen Details verliert und dabei den Blick aufs Ganze schuldig bleibt.

von Eric Schmieders

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