Zwischen den Vorträgen, die jeweils 75 Minuten dauerten, lagen aber halbstündige Pausen, in denen man bequem die zum Teil weit auseinanderliegenden Vortragsräume erreichen und mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen konnte. Das bei Konferenzen oft auftretende Problem, dass ein überlanger Vortrag das halbe Tagesprogramm durcheinanderbringt, war bei der JAX2001 also nicht existent. Zudem wurden einige Vorträge wie etwa "Arbeiten mit Suns XML-Schnittstelle" von Michael Wahn, "Testen von EJBs" von Alexander Schmidt und "Einführung in XML und XSLT" von Arne Fitschen und Wolfang Lezius, die sich sichtlich über die gute Resonanz freuten, mehrfach wiederholt.
Die Qual der Wahl
Nichtsdestotrotz hatte man bei 90 Sessions, die in bis zu sieben parallel verlaufende Tracks aufgeteilt waren, die Qual der Wahl zwischen den Power Workshops und Themenschwerpunkten wie Java Enterprise, Java Web Special, Java Standard, Java Mikro, XML und Apache. Grundlegend Neues war dabei nicht zu erfahren, was aber auch nicht die Absicht der Konferenz war. Vielmehr standen die aktuellen Java-Spezifikationen, der Umgang mit ihnen über Entwurfsmuster, ihre Mängel (z.B. bei Entity Beans) und Erfahrungsberichte aus der Praxis im Vordergrund. So berichteten etwa Michael Johann von der Carnot AG und Lars Röwekamp von der Open Knowledge GmbH über Grundlegendes zur Enterprise JavaBeans (EJB) Architektur, angefangen von statefull und stateless Session Beans über Container Managed Persistence (CMP) und Bean Managed Persistence (BMP) Entity Beans bis hin zum Java Messaging Service (JMS). In fast allen J2EE-Vorträgen war herauszuhören, dass es "Schwierigkeiten" mit der aktuellen EJB-Spezifikation in Bezug auf Entity Beans gab. Thomas Pöschmann von der Signsoft GmbH stellte hierzu in seinem Vortrag über objektrelationales Mapping bei Entity Beans das bekannte Pattern "Serializable Client-Side Objects" vor, womit Netzwerkaufrufe auf ein Minimum reduziert werden sollen. Markus Völter berichtete gemeinsam mit seinen Kollegen von der MATHEMA AG über Ähnlichkeiten bei Entwurfsmustern für EJB, CORBA und COM+.Quo vadis EJB?
Beim OR-Mapping ist jedenfalls das letzte Wort noch lange nicht gesprochen, zumal auch die EJB-2.0-Spezifikation diverse Fragen offen lässt. Die meisten Experten sehen erst in den Java Data Objects (JDO) eine Lösung am Horizont und behelfen sich im kommerziellen Umfeld mit Produkten wie ObjectStore, das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Natürlich hatte der J2EE-Track ([2]) noch einiges mehr zu bieten, so etwa Java Enterprise Sicherheitsmechanismen, Tipps und Tricks im Umgang mit EJBs, Projekterfahrungsberichte sowie die Koexistenz von J2EE und CORBA. Fest steht, dass dieses Java-Framework seine dominante Stellung als IT-Integrationsplattform in sehr kurzer Zeit erobert hat und durch Suns Connector API weiter festigen wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der EJB-Applikationsserver von In-Q-My (einem Tochterunternehmen der SAP AG), der eine besonders gute Anbindung an SAP R/3 Systeme verspricht. Michael R. Schwandt, Geschäftsführer der In-Q-My GmbH klang in seiner Keynote jedenfalls sehr zuversichtlich in Zukunft etwas mehr Mind- und Market-Share im hart umkämpften EJB-Server-Markt zu gewinnen. Im kommerziellen Bereich wird dieser derzeit von BEAs WebLogic und IMBs WebSphere dominiert. Zu beiden gab es jeweils einen Vortrag an der JAX2001. Auch Borlands Applikationsserver wurde im Borland Track ausführlich besprochen und last but not least fanden der JBoss EJB Server ([3]) mit seiner zukunftsweisenden JMX-Architektur sowie der JOnAS-basierte Enhydra Enterprise Server ([4], [5]) in diversen Vorträgen Erwähnung.
Open Source, MVC und Cocoon
JOnAs wird auch im Open University Support System (Open USS) Projekt ([6]) eingesetzt, welches von Lofi Dewanto vorgestellt wurde. Man findet dort konsequent umgesetzte und ausführlich dokumentierte Entwurfsmuster (Klassiker wie MVC aber auch San Francisco Design Patterns), so dass sich Open USS gut als Lehrmaterial in Sachen EJB-Design eignet. Was die reine Funktionlität der Applikation angeht, so wäre man mit einer PHP-, mod_perl- oder Zope-basierten Lösung sicher schneller vorangekommen, doch irgendwie muss man die Materie schließlich erlernen. Wer im schnelllebigen Internet-Geschäft rasch Resultate vorweisen muss, sollte sich allerdings gut überlegen, ob wirklich jedes Mal transaktionsorientierte, verteilte Objekte und umständliche Deployment-Deskriptoren benötigt werden, nur um ein paar SQL-Daten aufzubereiten. Open-Source-Projekte wie Midgard, AxKit, Webware oder Zope belegen, dass man auch mit Skriptsprachen überzeugende Lösungen erstellen kann ([7]-[10]). Der Mehraufwand bei Java-basierten Lösungen lohnt sich nämlich erst bei wirklichen Enterprise-Applikationen und die Gefahr von Design-Fehlern ist bei einer komplexen Technologie wie J2EE nicht ganz von der Hand zu weisen.
Fun and more...
Zwei weitere Power Workshops der bekannten Autoren Peter Tabatt und Peter Roßbach behandelten die klassische JSP- und Servlet-Programmierung und waren ebenfalls gut besucht. Natürlich gab es noch jede Menge anderer interessanter Themen wie Web-Services mit SOAP und UDDDI, ebXML, JDBC, JavaMail, Tomcat, Swing, Java XML API und den eMail-Server James ([20]), um nur ein paar wenige zu nennen. Die meisten davon wurden im Java Magazin besprochen, so dass es sich kaum lohnt, hier näher darauf einzugehen (eine vollständige Auflistung findet man unter [21]). Insgesamt war die JAX2001 eine gelungene Erstveranstaltung, bei der auch der Spaß nicht zu kurz kam. Absolutes Highlight in dieser Hinsicht war der Vortrag von Suns Java-Technologie-Envagelist Max Goff, der eher an den Auftritt eines Java-Wanderpredigers erinnerte und die Zuhörer und Zuhörerinnen aufs beste unterhielt. Für gute Stimmung unter den Tagungsteilnehmern sorgte anschließend auch eine Runde Freibier. 9% der Anwesenden waren übrigens Frauen, was für eine Veranstaltung dieser Art beachtlich ist. Ebenfalls sehr amüsant war die lockere Podiumsdiskussion am darauf folgenden Tag, die ebenfalls von Freibier begleitet wurde und zu später Stunde stattfand.















