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Juli 2009 | Artikel

Wer nicht fragt, bleibt dumm!

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/artikel/2405)

Perspektivenwechsel Teil 10

Text: Stefan und Mika Roock
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Meine Frau hat meinem Sohn Mika ein neues Wort beigebracht: "Warum". Und darin hat er den schwarzen Gürtel. Vor Kurzem führten wir gemeinsam diese Analyse durch:
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Mika: Papa, ich Meerschweinchen angeguckt bei Onkel Günti. Die sind so klein (zeigt die Größe mit den Händen).

Stefan: Das ist ja toll.

Mika: Die Meerschweinchen wachsen noch?!

Stefan: Nein. Die sind so klein.

Mika: Warum?

Stefan: Die sind halt so.

Mika: Warum?

Stefan: Oh, Mann. Weil sich während der Evolution herausgestellt hat, dass diese Größe für Meerschweinchen am besten ist.

Mika: Warum?

Stefan: Tja... Wahrscheinlich können sie sich so gut vor ihren natürlichen Feinden verstecken.

Mika: Warum?

Stefan: Weil sie dann in enge Höhlen kriechen können.

Mika: Warum?

Stefan: Weil sie dann in Sicherheit sind.

Mika: Warum?

Stefan: Weil die natürlichen Feinde dann nicht an die Meerschweinchen herankommen können. (Hey, da waren wir doch schon mal).

Mika: Warum?

Stefan: Das habe ich dir doch schon gesagt. Die Meerschweinchen flüchten in enge Höhlen und da kommen die bösen natürlichen Feinde – Katzen oder was auch immer – nicht heran.

Mika: Warum?

Stefan: So, jetzt reicht‘s mir! DARUM!!!

Mika: (Denkt kurz nach und dann ...) Warum?

So werden Eltern kleiner Kinder ständig mit äußerst interessanten Fragestellungen und Überlegungen konfrontiert. Und tatsächlich lernt man dabei häufig etwas, was man eigentlich irgendwie schon wusste, aber doch nicht so richtig.

Perspektivenwechsel: 5 Whys

Interessanterweise macht Toyota etwas ganz Ähnliches wie Mika. Wenn dort ein Problem auftritt, wird eine so genannte Ursprungsursachenanalyse durchgeführt (Root Cause Analysis). Bei dieser Technik definiert man zunächst das genaue Problem und fragt dann fünfmal nach dem"Warum", um die ursprüngliche Ursache zu ermitteln. Daher heißt die Technik häufig auch einfach 5 Whys. Ein einfaches Beispiel im IT-Umfeld könnte so aussehen:

"Problem: Wir haben ein Release mit vielen Bugs ausgeliefert."

[1] Warum haben wir das Release mit so vielen Bugs ausgeliefert?

[1] Weil wir bei der Auslieferung nicht wussten, dass die Bugs im System waren.

[2] Warum wussten wir nichts von den Bugs?

[2] Weil wir sie beim Testen nicht gefunden haben?

[3] Warum haben wir die Bugs beim Testen nicht gefunden?

[3] Weil wir nicht ausreichend lange getestet haben?

[4] Warum haben wir nicht ausreichend lange getestet?

[4] Weil der Releasetermin fix war, wir aber die Zeit für die Entwicklung überschritten haben.

[5] Warum haben wir die Zeit für die Entwicklung überschritten?

[5] Weil wir für die gegebene Zeit zu viele Funktionen eingeplant hatten.

Damit wissen wir jetzt, dass es z. B. wenig bringen wird, an die Tester zu appellieren, sich mehr Mühe zu geben. Das wird das Problem nicht beseitigen.

Nur 5 mal fragen!

Neben den Dreijährigen dieser Welt wirken die Toyota-Ingenieure natürlich wie blutige Anfänger. Nur fünfmal nach dem Warum fragen? Lächerlich! Das"Gespräch" mit Mika macht aber deutlich, dass die Warum-Fragerei irgendwann dazu tendiert, in Endlosschleifen zu geraten – oder ins Esoterische abzurutschen. Die Beschränkung auf fünf Warum-Fragen dient also dem Pragmatismus und kommt der ursprünglichen Ursache in der Regel nahe genug.

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