Sozusagen als Kontrapunkt dazu lautet der Spruch der Praktiker "Eat your own Dogfood": Wende die Dinge gefälligst selbst an, die du uns beizubringen versuchst. Dabei hilft es Organisationen und Projekten ja durchaus, einen gewissen Aufwand in die Erforschung neuer Technologien oder Methoden zu investieren, um überhaupt Innovation ins System oder Projekt einbringen zu können.
Risiko steigt mit Team- oder Projektgröße
Wir finden den Elfenbeinturmarchitekten häufig in größeren Projekten – ab 20 Personen aufwärts. Diese Projektgröße rechtfertigt eine volle Architektenstelle für die vielseitigen Entwurfsaufgaben sowie Kommunikation über technische Fragestellungen.
Softwarearchitekten sollten den Überblick über die gesamte Lösung und deren technische Entscheidungen besitzen. Gerade in großen Teams sollten Softwarearchitekten als technische Berater und Ansprechpartner für alle Entwickler bereitstehen. Wer als Architekt diese technische Führung den Projektleitern überlässt, landet schnell im Elfenbeinturm. Bei kleineren Teams passiert das weniger oft, weil der Architekt oft selbst kritische Teile programmiert und daher mitten im Tagesgeschehen der Entwicklung steckt.
Risiko: Überlastung
Gute Architekten sind oft Mangelware. Viele Organisationen setzen diese seltenen Exemplare daher für viele Projekte gleichzeitig ein. Diese oftmals gravierende Überlastung führt manchmal dazu, dass diese Architekten Lösungen vorschlagen, ohne dem Team die Hintergründe, Risiken oder Feinheiten des Ansatzes zu erklären. Aus Sicht der Teams arbeiten die Architekten im Elfenbeinturm, obwohl ihre Ideen brauchbar wären – aber die Entwickler nicht wirklich erreichen.
Falls Sie sich als Architekt ständig unter Überlast und im Parallel-Processing-Mode arbeiten müssen, dann achten Sie ganz besonders auf gute Kommunikation mit Ihren Teams (oder lernen Sie, Nein zu Ihren Vorgesetzten zu sagen – aber das haben Sie sicherlich schon versucht)!
Perfektion ist unbezahlbar
Manchmal erleben wir, dass die Bewohner des Elfenbeinturms nach Perfektion streben, und deswegen uns Praktikern mit Unverständnis begegnen: Wir akzeptieren nämlich Fehler und Wandel als Normalfall, bemühen uns in iterativen Prozessen um schrittweise Verbesserung. Wir Praktiker wissen schon lange, dass Perfektion unerreichbar und unbezahlbar ist. Elfenbeintürmler sehen das anders: Sie verachten Fehler und schätzen langfristige Planung. Kurze Iterationen lehnen sie als unprofessionell ab und behaupten, mit langem Nachdenken alle Probleme auch ohne diesen Feedbackfirlefanz lösen zu können. Wir (Praktiker und bekennende Agilisten) halten das in den meisten Fällen für unrealistisch. Ausnahmen wie Medizin-, Luft- oder Raumfahrttechnik bestätigen die Regel.
Wir möchten Sie bitten, auf jegliche Praxisferne frühzeitig hinzuweisen. Bringen Sie die Elfenbeintürmler frühzeitig mit Praktikern zusammen, um zwischen Theorie und Praxis Innovation und Verbesserung entstehen zu lassen.




