Naja, nicht so richtig. Aber man sagt doch immer, dass die Frauen uns Männern beim Multitasking haushoch überlegen sind. Und gestern habe ich es wieder selbst erlebt: Meine Frau saß am Rechner und hat ihren Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet. Gleichzeitig lief im Hintergrund der Fernseher, und sie hat die ganze Handlung mitbekommen. Und als dann das Telefon klingelte, hat sie sich einfach den Hörer geschnappt und nebenbei auch noch telefoniert. Ich hingegen war schon überfordert, als ich beim Kochen zwei Herdplatten gleichzeitig domptieren musste.
Ja, das ist beeindruckend.
Kann man Multitasking eigentlich lernen? Gibt es dafür Kurse? Stell dir mal vor, wie effizient man bei der Arbeit sein könnte, wenn man seine vielen parallelen Projekte besser im Griff hätte!
Hm. Vielleicht geht das aber auch in die falsche Richtung, und wir sollten stattdessen lieber ganz auf Multitasking verzichten.
Hä?
Unterm Strich wirkt es sich eigentlich immer negativ aus.
Wieso denn das?
Zuerst einmal kosten Kontextwechsel ja bekanntlich sehr viel Zeit und Energie. Das weiß jeder, der schon einmal an einer anspruchsvollen Aufgabe saß, dabei unterbrochen wurde und sich danach wieder in die Aufgabe eindenken musste.
Jens. Ja klar, das ist bekannt. Aber darum geht es doch gar nicht. Ich arbeite zum Beispiel gerade in einem Projekt, in dem wir eine große Webanwendung bauen. Da kann ich regelmäßig nicht weiterarbeiten, weil ich auf die Zuarbeit der Webdesigner angewiesen bin. Ich kann natürlich nicht einfach rumsitzen. Deshalb arbeite ich parallel noch in einem zweiten Projekt – und manchmal auch in einem dritten.
Und das ist noch nicht einmal viel. Ich treffe öfters Leute, die in mehr als 5 Projekten gleichzeitig arbeiten. Aber selbst 3 Projekte sind eindeutig zu viel – optimal ist ein einziges.
Das kann nicht sein! Wenn ich nur in einem einzigen Projekt arbeiten würde, wäre ich im Schnitt höchstes zu 80 % ausgelastet – das erklär mal meinem Chef!
Genau da liegt das Problem: In der Regel sehen wir (und vor allem unsere Chefs) auf die Auslastung einzelner Kollegen oder Abteilungen und versuchen, diese zu maximieren. Dabei übersehen wir, welche Folgen das auf Projektebene hat.
Aber wenn jeder Einzelne voll ausgelastet ist, dann arbeitet doch auch das ganze Projekt sehr effizient!
Eben nicht! Betrachten wir deinen Fall einmal etwas genauer: Nehmen wir an, dass der positive Effekt, den du durch eine höhere Auslastung durch die Arbeit in mehreren Projekten erreichst, nicht wieder durch die vielen Kontextwechsel aufgefressen wird – was ich kaum glaube. Man darf auch den erhöhten Kommunikationsaufwand nicht vergessen, den man durch die Zusammenarbeit mit vielen Kollegen zwangsläufig hat. Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass alle Projekte viel später abgeschlossen werden.
Fällt das denn wirklich ins Gewicht?
Und ob! Du hast gesagt, dass du in deinem ersten Projekt etwa zu 80 % ausgelastet bist. Vermutlich wirst du aber in deinem zweiten und dritten Projekt nicht nur 20 % deiner Zeit arbeiten. Denn dafür würde sich eine Einarbeitung kaum lohnen.
Stimmt. Ich arbeite eigentlich in allen drei Projekten gleich viel.
Lass uns doch einmal aufmalen, was das für Folgen hat.
Bob nimmt sich einen Zettel und einen Kuli und malt eine Grafik
In der rein sequenziellen Variante braucht Projekt A zehn Wochen bis zur Fertigstellung, in der parallelen Variante sind es 23 Wochen.




