Ist im Unternehmen erst einmal die Entscheidung gefallen, Open Source für Reporting-Aufgaben einzusetzen, stellt sich sofort die Frage nach der richtigen Report Engine. Oft soll eine bestehende Report-Implementierung mit möglichst geringem Aufwand abgelöst werden. Die neue Lösung muss zukunftssicher sein und in die eigene IT-Infrastruktur passen. Es gibt drei Anbieter, die im Moment den Open-Source-Markt für Reporting dominieren: Die Pentaho BI Suite, das von der Firma Actuate initiierte Eclipse-Projekt BIRT sowie JasperReports von JasperSoft. Die drei Lösungen werden im Folgenden vorgestellt und, soweit möglich, bezüglich der wichtigsten Eigenschaften miteinander verglichen.
Pentaho
Pentaho ist einer der wenigen Anbieter, die im Bereich Open Source Business Intelligence eine komplette Software Suite anbieten. Die Suite liegt im Moment in der Version 1.6 vor. Neben dem Reporting in Pentaho sind OLAP-Funktionalitäten, Dashboarding und mehrere Tools zu Erstellung und Verwaltung von Auswertungen enthalten. Pentaho ist aus vielen einzelnen Open-Source-Projekten entstanden und damit aus technisch sehr ausgereiften Komponenten. Im Reporting-Bereich kommt bei Pentaho das Reporting-Projekt JFreeReports zum Einsatz. Die Reporting Engine wird durch die Einbindung in Pentaho durch weitere Features erweitert.
Standardfunktionalitäten im Reporting-Bereich sind die Gruppierung von Daten, die Anzeige von Header und Footer sowie die Generierung von Berichten im HTML- und PDF-Format. Pentaho bietet daneben die Verschachtelung von Reports mit Teilreports, die Parameterisierung von Berichten und die Verwendung mehrerer Datenquellen innerhalb eines Berichts. Diese Funktionalitäten finden sich jedoch auch in den anderen Reporting-Lösungen. Ein neuer Aspekt ist hingegen die Erstellung von Reports auf der Weboberfläche mittels Ajax. Das bedeutet einen weiteren Schritt hin zu einer einheitlichen BI-Webapplikation, den BIRT und JasperReports noch nicht gemacht haben.
Durch die Integration in die Pentaho Suite profitiert die Report Engine in weiteren Bereichen: Das Versenden von Reports ist durch eine E-Mails-Server-Anbindung möglich; es existiert ein umfangreiches Auditing zur personalisierten Protokollierung von Reportaufrufen; das dafür nötige umfangreiche Sicherheitsmanagement ermöglicht die Verwaltung der Zugriffsrechte. All das erspart die Anschaffung und Integration zusätzlicher Komponenten, die nachträglich implementiert oder integriert werden müssten.
Im Bereich der Dateneinbindung bietet Pentaho ebenfalls viele Möglichkeiten. Zum einen kann eine direkte Verbindung mit jeder JDBC-fähigen Datenbank hergestellt werden, was heute dem Standard entspricht. Zum anderen kann auch ohne direkte Verbindung zu operationalen Datenbanken eine Datenkonnexion hergestellt werden, z.B. die Verbindung zu OLAP-Cube-Daten über einen MDX-Abfragestring.
Pentaho legt bei der Gestaltung seiner Suite generell viel Wert darauf, dass die Erstellung von Berichten auch für Nicht-Entwickler und IT-Profis einfach ist. So wird z.B. bei der Auswahl der Daten ein SQL Query Designer-Tool zum einfacheren Auswählen der Daten mitgeliefert, das dann die benötigten SQL Statements generiert. Für die Erstellung von MDX Queries existiert zwar noch keine grafische Oberfläche. Allerdings unterstützt Pentaho in der Pivot-OLAP-Analyse der Weboberfläche die Funktion, zu jeder Datenansicht den zugehörigen MDX-Abfragestring zu erhalten. Dadurch ist es möglich, Reports auch auf Basis bestehender OLAP Cubes zu generieren. Das bedeutet für den Benutzer maximalen Komfort, da auf die bereits im Cube existierenden Metadaten zurückgegriffen werden und der Anwender seine Daten aus den aussagekräftigen Bezeichnungen der Daten zusammenstellen kann. Der Zugriff auf Metadaten aus Datenbanken ist aber auch ohne OLAP Cube möglich. Die Verbindung zwischen dynamischen Auswertungen und mehr oder weniger statischen Reports bedeutet überall dort leichte Bedienbarkeit, wo eine OLAP-Architektur existiert.
Ein Beispiel: Ein Benutzer drillt sich über die OLAP-Pivot-Tabellen durch seine Daten und möchte einen Bericht exakt von der aktuellen Zusammenstellung der Daten erstellen, der täglich mit aktuellen Daten zu Verfügung stehen soll. Da alle Informationen über die Datenauswahl bereits im MDX-Abfragestring enthalten sind, würde es ausreichen, den Abfragestring im Pentaho Report Design Wizard anzugeben. Dadurch wäre der komplette Bericht, sofern keine Formatanpassungen erfolgen sollen, vollständig definiert und könnte in der Applikation zu Veröffentlichung gespeichert werden. Der Report würde sich dann bei jedem Aufruf automatisch aus aktuellen Daten generieren. Diese Verschmelzung von voll dynamischen und statischen Reports wird heute immer stärker gefordert. Eine Stärke von Pentaho ist es, diese Funktion bereits zu unterstützen.
Für die Erstellung und Pflege von Reports bietet Pentaho Entwicklern und Anwendern eine Vielzahl von Tools. Zur Unterstützung der genannten Metadaten-Funktionalität verfügt die Pentaho Suite über eine Metadaten-Layer, die dem Anwender nicht nur die oft wenig aussagekräftigen Datenbanktabellen und -spalten durch vertraute Begriffe ersetzt, sondern auch die zentrale Internationalisierung von Texten und die Steuerung von Formatierungen und Zahlenformaten erlaubt. Ein grafischer, auf Eclipse basierender Metadaten-Editor ermöglicht die Bearbeitung, Verwaltung und Veröffentlichung von Metadaten-Objekten im Pentaho Server und zeigt Beziehungen sowie das Mapping auf physikalische Tabellen auf.




