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Februar 2010 | Artikel

Kommentar: Quo Vadis Java?

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/artikel/2876)

Die Zukunft der Plattform Java nach dem Webcast zum Merger von Oracle und Sun

Mit Spannung wurden die Ankündigungen zur neuen Java-Strategie Oracles im Webcast vom 27. Januar erwartet. Wie würde Oracle mit den offensichtlichen Überschneidungen im Portfolio von Sun und Oracle umgehen, etwa mit der Sun-JVM Hotspot im Verhältnis zum hauseigenen JRockit? Oder mit dem Sun-Applikationsserver Glassfish im Verhältnis zur Oracle WebLogic-Plattform? Java-EE-Experte Dirk Weil kommentiert die Oracle-Verlautbarungen und klärt, ob Oracle ein stimmiges Konzept vorlegen konnte.

Am 27.01.2010 präsentierte Oracle in einer mehrstündigen Show seine Strategien für IT –Systeme nach der nun endlich genehmigten Übernahme von Sun. Über alles spannte sich dabei der Bogen des kompletten Stacks von Hardware und Software: Oracle/Sun als Lieferant des Gesamtsystems vom Prozessor, Betriebssystem, Sprachplattform, Datenbank, Middleware bis hin zu Business-Applikationen. Nach der langen Zeit des Wartens und der Unsicherheit war man sichtlich bemüht, Ruhe in die Diskussion zu bringen und neben vielfältigen Verbesserungen unveränderte Unterstützung für die große Community der Java-Entwickler und -Anwender zuzusichern. Wie weit ist dies realistisch, insbesondere wo doch einige konkurrierende Produkte eingekauft wurden?

Weiterentwicklung der Java Runtime
Thomas Kurian beschreibt in seiner Präsentation zur Software-Strategie die Road Map der Java SE Runtime. Neben vielen Optimierungsankündigungen finden sich darin die für mich interessanten Aussagen, dass eine Verschmelzung der JVMs von Sun und Oracle – Hotspot und JRockit – angestrebt wird und diese weiterhin alle führenden Betriebssysteme unterstützen wird. Die Konsolidierung der beiden VMs ist für Oracle/Sun der einzig sinnvolle Weg, eine Weiterentwicklung der Plattform in der Zukunft leisten zu können. Da die JVM Specification weiter Bestand haben wird, werden die Auswirkungen der JVM-Zusammenlegung auf die Java-Welt unerheblich sein. Die "führenden Betriebssysteme" werden in dem Zusammenhang natürlich die allgegenwärtigen Systeme Windows und Linux sowie das hauseigene Unix-Derivat Solaris sein.

Welcher Applikationsserver für welche Anwendung?
Kurian bekennt sich später in seiner Präsentation klar zu einer Zweigleisigkeit im Hinblick auf die Java-Applikationsserver: GlassFish soll danach weiter als Java-EE-Referenzimplementierung unterstützt werden, wobei Release-Modell und Road Map unverändert bleiben. Als strategisches Produkt für Unternehmensanwendungen dient weiterhin der mit BEA eingekaufte WebLogic. Zwischen beiden Servern ist ein Technologieaustausch geplant, was aufgrund der konzeptuellen Nähe (Admin-Konsole, Domänenmodell etc.) keine große Hürde darstellen sollte. Genauere Aussagen sind der Präsentation leider nicht zu entnehmen, was Spekulationen Raum lässt. Denkbar wäre danach ein Modell, in dem GlassFish als "Community Edition" des WebLogic weiter betrieben wird, was auch zu Kurians Aussage passen würde, dass GlassFish Zielserver für (kleinere) Abteilungsanwendungen sein könnte. Dann ist allerdings fraglich, wie viel "Enterprise-Fähigkeit" im GlassFish verbleiben wird: Für EE-Referenz und Abteilungsanwendungen könnte man bspw. auf das im Vergleich zu WebLogic ohnehin schwache Monitoring verzichten, im Extremfall sogar auf das Clustering. Allzu viel Spielraum bleibt mit Hinblick auf die Open-Source-Konkurrenz allerdings nicht.

Stimmiges Gesamtkonzept
Durch die Integration von Sun-Produkten und -Technologien besetzt Oracle die noch vakanten Positionen im durchgängigen Hard- und Softwarestack. Die Kombination erscheint stimmig und ermöglicht eine optimale Abstimmung der Komponenten untereinander mit den entsprechenden Vorteilen im Markt. Solange dies nicht auf Kosten der Plattformneutralität von Java SE / EE geht, ist dagegen aus allgemeiner Sicht nichts einzuwenden. Spannend bleibt aber immer noch die konkrete Ausgestaltung der Integration der zueinander konkurrierenden Middleware-Komponenten.

Dirk Weil ist seit 1998 als Berater im Bereich Java tätig. Als Geschäftsführer der GEDOPLAN GmbH in Bielefeld ist er für die Konzeption und Realisierung von Informationssystemen auf Basis von Java EE verantwortlich. Seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung anspruchsvoller Unternehmenslösungen machen ihn zu einem kompetenten Ansprechpartner und anerkannten Experten auf dem Gebiet Java EE. Er ist Autor in Fachmagazinen, hält Vorträge und leitet Seminare und Workshops aus einem eigenen Java-Curriculum.

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