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Dezember 2009 | Artikel

Interaktiver IDE-Vergleich: Teil 1 - NetBeans

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/artikel/2740)

Aljoscha Rittner über die NetBeans IDE

In unserem interaktiven IDE-Vergleich macht die NetBeans IDE den Anfang. Im Jahr 2000 von Sun als Open-Source-Entwicklungsumgebung freigegeben, wurde NetBeans kontinuierlich weiterentwickelt und hat gerade in den letzten Monaten (gut vom "Eclipse-Schock" erholt) mächtig Fahrt aufgenommen. Viele fragen sich nun, was die Sun-Übernahme durch Oracle für NetBeans bedeuten wird. Die NetBeans-Community scheint jedenfalls ungebrochen vital, und die neue Version 6.8 von NetBeans steht ebenfalls kurz vor der Vollendung.
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In unserem IDE-Vergleich vertritt Aljoscha Rittner, NetBeans Dreamteam-Member, die NetBeans-Position und hat sich unseren drei Fragen gestellt, die wir auch Daniel Megert (Eclipse) und Roman Strobl (IntelliJ IDEA) vorgelegt haben. Danach sind Sie an der Reihe, liebe JAXenter-Leser. Kommentieren Sie nach Belieben und stellen Sie Ihre eigenen Fragen zu NetBeans!

JAXenter: Hallo Herr Rittner. Worauf wurde bei der Entwicklung von NetBeans besonderen Wert gelegt?

Aljoscha Rittner: Die Überlegung aus technischer Sicht ist relativ einfach zu beantworten: Es muss für ein überschaubares Team von Entwicklern einfach sein, eine so komplexe Anwendung wie eine Mehrsprachen-IDE reibungslos aufbauen zu können. Dabei darf der Fokus der Erweiterbarkeit nicht aus den Augen verloren werden.

Damit gibt es sofort Spannungen, bzw. Zielkonflikte, die effizient und einfach zu lösen sein sollten. Auf der einen Seite gibt es das Core-Entwicklerteam, das eine möglichst einfache und wartbare Basisumgebung bieten will. Demgegenüber sitzen die Modulentwickler, die ein sehr flexibles Framework wollen, um alle ihre Ideen verwirklichen zu können.

Um beiden Seiten Rechnung zu tragen, wurde die NetBeans IDE schon sehr früh in die Teile "Platform" und "IDE" aufgesplittet. Neben der IDE hat sich dann zum Beispiel die RCP-Entwicklung auf Basis der NetBeans Platform herausgebildet, bevor es den Begriff RCP überhaupt gab. Das besondere Augenmerk der NetBeans-Entwicklung liegt also auf einem Prozess, welcher in der Betriebssystementwicklung ebenfalls zu beobachten ist: die Trennung zwischen Kernel, Systemprogrammen und Anwendungen. Die NetBeans-Entwicklung hat seine Core-Module, Platform-System-Module und, mit der prominentesten Anwendung, die NetBeans IDE (man kann tatsächlich sagen, dass das NetBeans-Framework ein Betriebssystem für Plug-in-Module ist).

Und nur aus der Überlegung dieser technischen Sicht heraus entsteht der besondere Wert des NetBeans Framework. Weil viele Interessen mit einem Produkt unter einem Hut gebracht werden müssen, wird jede Neuentwicklung, jede Änderung und jede Korrektur daran gemessen, ob die Lösungen modulzentriert sind und möglichst wenige Seiteneffekte haben.

JAXenter: Wo liegen aus Ihrer Sicht die Stärken von NetBeans gegenüber anderen IDEs?

Aljoscha Rittner: Für den Einsteiger ist es offensichtlich. Wer eine IDE haben will, die mit nur einem Installations­assistenten eine komplette Out-Of-The-Box IDE bietet, kommt um die NetBeans IDE kaum herum. Soll es dazu ein ausgesprochen großer Funktionsumfang sein, gibt es keine IDE, die das so einfach und kostengünstig zur Verfügung stellt.

Überhaupt sind alle Plug-ins, die man dann noch benötigt, direkt aus der IDE aus dem Autoupdate-Center zu erreichen. Es besteht keine Notwendigkeit, sich seine Entwicklungsumgebung durch das Zusammensuchen von kompatiblen Plug-ins von zig Webseiten aufzuwerten. Und besonders, weil die NetBeans-Entwicklung einen starken Wert auf modularisierte Entwicklung ohne Seiteneffekte legt, funktionieren alle nachinstallierten Plug-ins gut zusammen.

Wer nur bestimmte Sprachen programmieren will, bekommt über individuelle Download-Pakete genau, was gebraucht wird: Java Standard Edition und JavaFX mit 50 bis 90MB, Java Vollpaket (inkl. Enterprise) mit ca. 230MB. Pakete für Ruby, C/C++ und PHP für jeweils unter 60MB.

Mit der Version 6.8 ist NetBeans die erste IDE, die den Entwicklungsprozess mit Java EE 6 unterstützt. Wer alles haben will oder noch nicht weiß, was gebraucht wird, ist mit dem Komplettpaket mit knapp 300MB Installationsdatei dabei. Man muss also nichts installieren, was man nicht braucht, und man bekommt vorgefertigte Pakete, die einem alles schon an Installationsarbeit abnehmen. Wenn man den Vergleich zu Linux Betriebssystemen noch mal nehmen will: Es werden unterschiedliche Distributionen angeboten.

Wer eine IDE in purem Java braucht, die auf allen Java-Zielarchitekturen ohne gesonderte Installationspakete laufen soll, ist bei NetBeans gut aufgehoben.

Interaktiver IDE-Vergleich: Spielregeln
1. Runde: Wir stellen die drei selben kurzen Fragen an je einen Vertreter von NetBeans, IntelliJ IDEA und Eclipse.

2. Runde: Geben Sie über die JAXenter-Kommentarfunktion Ihr Feedback zurück an die IDE-Entwickler!

3. Runde: Die IDE-Entwickler reagieren auf Ihr Feedback und beantworten Ihre Fragen!

Darüberhinaus können Sie auch in unserem Quickvote Ihre Stimme abgeben: Welche ist Ihre bevorzugte Java IDE?

Machen Sie mit!

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Kommentare

Gravatar Jörg Plewe 08.12.2009
um 13:41 Uhr
Sehr gut geantwortet Aljoscha. Ich finde man sollte sie besonders gute Integration der IDE mit etablierten Java-Standards wie Swing, Ant oder auch Maven (oder make für die C++-Welt) immer im Blick haben, die bei NetBeans als Bürger erster Klasse daherkommen. In einem NetBeans-Projekt kann man stets die IDE einfach wegnehmen und mit Java-Bordmitteln weiterarbeiten, ohne auf proprietäre Zusätze (UI, Build...) festgelegt zu sein. #zitieren
Gravatar Michael Kroll 08.12.2009
um 16:05 Uhr
Hallo,
auch ich muss sagen ein sehr gutes Interview.
Was mich persönlich vor langer Zeit zu NetBeans getrieben hat war das gute Zusammenspiel der einzelnen Module. Man musste und muss sich keine Gedanken über Abhängigkeiten machen.
Auch ich benutze mittlerweile für einige Anwendungen NetBeans RCP und bin sehr zufrieden mit dem Komfort der von hause aus geboten wird.
#zitieren
Gravatar Andreas Korzinowski 09.12.2009
um 00:21 Uhr
Jeder der die Gelegenheit hatte, ein Netbeans-Platform-Training zu besuchen, erkennt danach das Potenzial, das in dieser Umgebung steckt. Insbesondere, weil die IDE, das den Spagat bei der Entwicklung am besten beschreibt, ein tolles Beispiel ist, was sich aus dieser Plattform machen lässt.
Aus diesem Grund halte ich vom Konzept her die Netbeans-IDE für die sauberste und zukunftsorientierste Lösung aller IDEs.
Das neue, auf Plugins basierende Erweiterungen nicht sofort in die IDE integriert werden halte ich eher für einen Vorteil. So kann verhindert werden, dass nicht ausgereifte Bestandteile in einer so komplexen Anwendung wie der IDE reifen müssen, und die Benutzung eher erschweren.
Als Entwickler lege ich viel Wert darauf, dass die Dinge die ich benutze, gut funktionieren und verzichte daher auch gern auf Dinge, die ich mir über eine statische Debug-Klasse auch schnell selbst bauen kann.
Das was derzeit integriert ist funktioniert so gut, dass es richtig Spass macht damit zu entwickeln.
Ich nutze die IDE für Java und PHP und mache derzeit Versuche mit der Programmierung von Modulen. Dies sowohl auf Windows wie auch auf Linux.
In allen Umgebungen funktioniert Netbeans gleich gut, schnell und effektiv.
Meine aus beruflichen Gründen erforderliche Einstieg in Eclipse war aus den Erfahrungen mit Netbeans eher schwierig. Um sinnvoll damit arbeiten zu können waren div. Plugins erforderlich, die die Menüs eher unübersichtlich gemacht haben.
Da war die Nutzung von Netbeans nach Feierabend zu Hause eher erholsam, denn alle Dinge, die erforderlich sind (Unterstützung von Ant, schnelles Erstellen von Jars, integrierte Hilfe für die Erstellen der JavaDocs, etc) waren aus einem Guss vorhanden.
Ich hoffe dass die Sun-Übernahme nicht dazu führt, dass die Weiterentwicklung von Netbeans beeinträchtigt wird, sondern man auf der Seite von Oracle erkennt, welches Potenzial in diesem Framework vorhanden ist.
#zitieren
Gravatar Nils Grochtinger 09.12.2009
um 08:20 Uhr
Meine Frage ist: Wie abhängig ist Nebeans eigentlich von Sun (bzw. jetzt Oracle)? Ist es nicht denkbar, Netbeans in eine "unabhängige" (vendor neutral) Institution à la Eclipse Foundation zu überführen und damit das Schicksal einer so wertvollen IDE von den wirtschaftlichen Unwägsamkeiten zu entkoppeln? #zitieren
Gravatar Thomas 09.12.2009
um 16:19 Uhr
Was hat Netbeans für MDSD/MDA Architekten bzw. Softwareentwickler, die modellgetrieben entwicklen, zu bieten ?

Eclipse hat das sehr ausgereifte EMF, welches für mich inzwischen *die* Killerapplikation darstellt.

Netbeans MDR ist dagegen eine Zumutung und wird scheinbar nicht mehr weiterentwickelt ?

Solange Netbeans keine Tools und Frameworks wie EMF, GMF, XText, ATL, Check bietet, drängt sich die Benutzung von Netbeans für mich nicht auf
#zitieren
Gravatar Aljoscha Rittner 17.03.2010
um 14:07 Uhr
Hi Thomas!


Solange Netbeans keine Tools und Frameworks wie EMF, GMF, XText, ATL, Check bietet, drängt sich die Benutzung von Netbeans für mich nicht auf


Ich hatte ja in dem anderen Interview Deine Frage ja schon mal mit Zukunftsaussichten beantwortet. In beachtlich kurzer Zeit entstand nun tatsächlich ein Projekt, um EMF in NetBeans zu integrieren. Hier ein Bericht darüber auf dzone:

http://netbeans.dzone.com/emf-on-netbeans-rcp

Ich sehe gutes Potenzial beim Ausbau dieses Projektes. Der Quelltext dazu wird in einigen Stunden auf java.net gehostet sein.

Beste Grüße!
#zitieren

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