JAXenter: Hallo Herr Lörke. Sie haben das neue Projekt Jubula vorgeschlagen. Worum handelt es sich dabei?
Achim Lörke: Im Eclipse-Umfeld ist Test-Driven-Development speziell durch jUnit-Tests bereits fest etabliert. Für funktionale bzw. Akzeptanz-Tests, also Black-Box-Tests, ist jedoch noch großer Bedarf vorhanden. Projekte wie SWTbot oder auch FIT/FitNesse basieren allerdings eher auf dem jUnit-Gedanken.
Jubula soll als Werkzeug zum funktionalen Testen von Anwendungen mit grafischer Oberfläche dienen. Für die Eclipse-Community ist sicher interessant, SWT-/RCP- und RAP-Anwendungen mit vertretbarem Aufwand testen zu können.
JAXenter: Worin unterscheidet sich das Tool von anderen funktionalen Testwerkzeugen?
Achim Lörke: Jubula zielt speziell auf die Gruppe der Software-Tester. Der Fokus liegt auf hoch abstrahierten Spezifikationen auf der Basis von Keywords. Die Tests können bereits auf fachlicher Ebene ohne eine lauffähige Anwendung festgelegt werden. Sie sind modular, unterstützen die Wiederverwendungen von Testfällen und sind einfach wartbar.
Verschiedene grafische Oberflächen wie Swing, SWT, HTML usw. sind grundsätzlich über Plug-ins testbar. Es ist vergleichsweise einfach möglich, andere Oberflächen, z.B. e4 oder RAP, über ein API in das Test-Framework einzubinden.
JAXenter: Die initiale Codebasis soll aus Teilen des Testwerkzeugs GUIdancer bestehen. Welche Teile sind dies – und welche Teile bleiben bei GUIdancer?
Achim Lörke: GUIdancer bleibt weiterhin eine einfach zu installierende Anwendung, d.h. der Nutzer braucht sich nicht um Details wie Datenbankkonfiguration oder Update-Sites zu kümmern.
Jubula enthält alle Funktionen zur Spezifikation und Ausführung von Tests. GUIdancer wird zusätzlich noch Metriken, Test-Reports, Qualitätsaussagen und andere Enterprise-Funktionen enthalten.
JAXenter: Was hat Sie dazu bewogen, den Quellcode Open Source bereit zu stellen?
Achim Lörke: Nach unserer Erfahrung wünschen vor allem große Firmen zunehmend eine langfristige Sicherheit bei Entscheidungen bezüglich ihrer Entwicklungsprozesse. Daher ist es einfacher, eine Open-Source-Variante der relevanten Funktionen bereitzustellen und damit Investitionssicherheit zu schaffen als aufwändige Verträge mit Quellcode-Hinterlegung o.ä. abzuschließen.
Wir erhoffen uns natürlich eine breitere Anwenderbasis, um damit noch mehr Dienstleistungen im Umfeld agiler Entwicklung anbieten zu können. Zu einer guten Entwicklung gehört eben mehr als nur ein Werkzeug, es müssen Festlegungen z.B. über kontinuierliche Integration, Testumgebungen, Vorgehensmodelle usw. festgelegt werden. Hier besteht ein großer Bedarf an Schulung und Beratung.
JAXenter: Wie geht es weiter mit Jubula. Welcher Release-Zeitplan und welche technologischen Entwicklungen stehen an?
Achim Lörke: Wir wollen im Januar 2011 eine erste Version als Incubation freigeben. Zur EclipseCon soll eine voll funktionsfähige Version bereit stehen. Diese Version wird auch als Basis für GUIdancer 5.0 dienen.
Parallel zur Migration von GUIdancer-Core nach Jubula werden wir weitere Toolkits im Web-Umfeld vorbereiten. Im Eclipse-Umfeld ist dabei natürlich RAP ein Kandidat, ansonsten ist GWT weit oben auf der Liste.
Mittelfristig werden etablierte Funktionen aus GUIdancer nach Jubula wandern, wenn sich ein Mehrwert für die Anwender abzeichnet.
JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!




