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Oktober 2011 | Artikel

Be pragmatic, not dogmatic!

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/artikel/4142)

"Best Tool for a Problem" versus "If you only have a hammer, every problem is a nail..."

Text: Joachim Arrasz
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Dogmatismus wie auch Pragmatismus wird oft als Ausrede für verschiedene Unarten innerhalb der Softwareentwicklung genutzt. In dieser Kolumne wollen wir verschiedene Beispiele für beides vorstellen - und hoffentlich spannend darüber diskutieren!

Die Idee zu dieser Kolumne entstand über viele Jahre hinweg durch Gespräche mit Entwicklern, Senior-Entwicklern und Software-Architekten - oder Menschen, die dies sein wollten oder sollten. Ja, oftmals wird einem solch eine Rolle einfach aufgestempelt, unfassbar, oder? :-) Aber auch die Menschen in den Anzügen sollen hier ihr Recht erhalten. Ich werde das eine oder andere Thema aufgreifen, bei dem sich sicherlich manch ein Manager, der mit den vorhin genannten zu tun hat, bestätigt fühlt. Lasst euch überraschen...

Ich habe aber auch die gegenteilige Erfahrung gemacht! Entwickler, die die gennanten Rollen einfach annehmen, wenn sie bemerken, dass sich ein Loch auftut. Sie schließen diese Löcher, ohne zu lamentieren und ohne auf Titel, Rechte und dergleichen zu pochen. Wenn diese Entwickler nun auch noch faul sind, entsprechen sie meinem persönlichen Ideal! Denn Faulheit ist aus meiner Sicht der beste Ausgangspunkt, pragmatisch zu handeln, solange sie dazu führt, wiederkehrende Dinge zu automatisieren. Die Qualität sollte natürlich nicht unter der Faulheit leiden.

Noch ein wichtiger Punkt, der unbedingt angemerkt werden muss: Alles, was ich hier schreibe, ist meine persönliche Meinung und spiegelt auch nur diese wider. Diskussionen sind herzlich willkommen, die Themen eignen sich meiner Meinung nach hervorragend dafür! Und falls sich der eine oder andere Kollege angesprochen fühlt - natürlich ist alles frei erfunden und etwaige Ähnlichkeiten sind rein zufällig... :-)

"Best Tool for a Problem" versus "If you only have a hammer, every problem is a nail..."
Kommen wir also zum ersten fiktiven "Erfahrungsbericht", den ich niemanden vorenthalten möchte.

Ich kam zu einem Entwickler, welcher wild fluchend und gestikulierend vor seiner Spring-Konfiguration saß und nicht recht weiter wusste. Er arbeitete in einem Projekt, welches bislang komplett mittels dem Spring-Stack realisiert war. Eigentlich denkt man ja "Klasse Sache, endlich ist alles nach Schema-F". Jeder Spring-erfahrene Entwickler wird sich sofort zurecht finden und kann innerhalb des Projekts schnell performant arbeiten.

Der fluchende Entwickler jedoch fand innerhalb des Spring-Stacks keine Lösung für sein aktuelles, konkretes Problem, die ihm einfach genug erschien. Spring lieferte keine einfache Lösung, was zugegebenermaßen eher selten vorkommt. Er sprach mit dem für die Architektur verantwortlichen Kollegen, wie er denn nun vorgehen sollte, und schlug eine Lösung vor, welche mit ein paar wenigen Zeilen zusätzlichen Codes, rein auf dem für das Projekt eingesetzten JDK, funktionierte.

Der verantwortliche Mitarbeiter jedoch bestand darauf, dass die Lösung "ordentlich" mittels Spring realisiert werde, da sonst ja das Schema nicht eingehalten und dadurch die Wartbarkeit des Projekts gefährdet würde. Weiterhin könnte es ja sein, dass man noch öfters innerhalb des Projekts "auf das gleiche Problem stoße".

Eigentlich, so denke ich, ist das die richtige Vorgehensweise des verantwortlichen Mitarbeiters. Nachdem ich allerdings das konkrete Problem - ich gehe bewusst nicht darauf ein, da es sich hier nicht um ein technisches sondern um ein methodisches Problem handelt - mit dem Kollegen zusammen analysiert und diskutiert hatte, wurde klar, dass in diesem Fall die Konfiguration derart umständlich und dadurch schwer zu warten wurde, dass man sich mehr Ärger ins Boot holte als man damit vermied. Es war also letztlich nachteilig, die Architekturvorgaben einzuhalten.

Meine Meinung zu diesem kleinen Dilemma:
Es hilft nur bedingt, Mustern und Schemen bedingungslos zu folgen. Man sollte sich Alternativen, die einem vorgetragen werden, genau anhören. Gute Architekten hören ohnehin immer mehr auf das Team als auf ihren Bauch ;-) Wenn die Alternative darin besteht, andere Bibliotheken ins Boot zu holen, sollte man sehen, ob sich diese gut mit den bereits vorhandenen integrieren lassen. Dann kann das durchaus eine Lösung sein.

Im konkreten Fall wurde als Alternative jedoch der Einsatz des Java-Standard-API vorgeschlagen. Somit wäre es aus meiner Sicht kein Problem gewesen, dieses einzusetzen, da Spring selbst auch oft genau diese nur ordentlich nutzbar wrapped und bereitstellt. Wenn hier das Wrapping aber nicht gelungen ist – ja, das gibt’s manchmal! -, dann sollte man die Scheubrille absetzen und einfach mal Fünfe gerade sein lassen und das Problem pragmatisch lösen.

Die "spätere mögliche Nutzbarkeit" ist für mich sogar ein Showstopper. Dieses Argument habe ich schon so oft gehört, dass es mir in den Ohren klingelt. An dem Tag, an dem diese Wiederverwendbarkeit wirklich greifen würde, kann man immer noch das Refactoring anstoßen und sich zu diesem Zeitpunkt den Mehraufwand einholen. Anderenfalls ist der Code solange unnötig, verschmutzt die Codebasis und erhöht die Komplexität in der Wartung, bis er gebraucht wird. Bis dahin ist der Code so einfach wie möglich zu halten - und somit wäre aus meiner Sicht die Lösung über das Java-Standard-API die beste. Sie demotiviert den Entwickler nicht, und sie hindert nicht daran, dass es später dennoch refactored wird.

Joachim Arrasz ist als Software und Systemarchitekt in Karlsruhe bei der Synyx GmbH & Co. KG als Leiter der CodeClinic tätig. Darüber hinaus twittert und bloggt er gerne @arrasz

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Kommentare

Gravatar nero 31.10.2011
um 09:31 Uhr
Je größer der Projekt ist, desto schwieriger wird es meiner Meinung nach, vom Framework-Standard abzuweichen. Stell dir mal vor, einer beginnt damit - aus seiner Sicht gut begründet - andere Bibliotheken oder die Java Standard API zu nutzen. Der Architekt gibt sein ok dazu und hat alles im Blick. Dann kommt Entwickler 2 und macht es wieder - ok. Dann Nr. 3, 4? Spätestens nach einem Teamwechsel ist dann die Konfusion garantiert.

Also: Ich denke, Abweichungen vom Framework-Standard müssen immer GUT begründet sein. Bei großen Projekten ist mir "Dogmatismus" sogar lieber als allzu "pragmatisch" denkende Entwickler.
#zitieren
Gravatar jsimon 31.10.2011
um 10:16 Uhr
Ja, ich habe schon große Projekte scheitern gesehen, weil versucht wurde diese rein dogmatisch zu realisieren. Letztlich haben viele Entwickler dann zwar ihre Vorgaben nach Schema F umgesetzt, aber die Performance war im Keller.
Ich glaube, wie auch immer ist der gesunde Menschenverstand hier noch das wichtigste Kriterium. Wenn auf die Basis-Funktionen z.B, mit einer definierten API zugegriffen wird, kann unter der Haupe auch gern ganz pragmatisch implemeniert werden. Denn auch Spring benutzt ein Haufen Bibliotheken, die, wenn man sich den Code anschaut, intern relativ einfach und pragmatisch sich an kein Spring-Schma halten und trotzdem passt es, weil man eben gegen APIs programmiert.
#zitieren
Gravatar Joachim Arrasz 31.10.2011
um 10:39 Uhr

Also: Ich denke, Abweichungen vom Framework-Standard müssen immer GUT begründet sein. Bei großen Projekten ist mir "Dogmatismus" sogar lieber als allzu "pragmatisch" denkende Entwickler.


Ich kann mit beiden Aussagen durchaus leben. Es ging mir gar nicht darum eines der beiden zu verteufeln, es gibt ja auch nicht nur schwarz auf weiss ... ABER das Bewusstsein, dass beides in solchen Fällen seine Berechtigung hat muss da sein!
Wenn das in den Projektteams gelingt, dies auch kommuniziert wird, dann gewinnen da alle Parteien :-)

Je größer das Projekt, desto eher sollten Strukturen, Regeln greifen, dies riecht ein wenig mehr nach Dogmatismus, insoweit bin ich bei Dir, nur ... gerade bei größeren Projekten sind Rolloutpläne, Deploymentpläne im Spiel, viele Parteien. Hier muss dann der gemeinsame Erfolg auch berücksichtigt werden und somit sollte dem Pragmatismus hier auch eine Chance gegeben werden. Das Ziel den Rollout zu erreichen kann hier, aus meiner Sicht, NICHT durch Dogmen oder Strukturen in Frage gestellt werden!

Oder doch?
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Gravatar Joachim Arrasz 31.10.2011
um 11:07 Uhr

jsimon:
Ja, ich habe schon große Projekte scheitern gesehen, weil Ich glaube, wie auch immer ist der gesunde Menschenverstand hier noch das wichtigste Kriterium.


Natürlich ist der gesunde Menschenverstand das wichtigste Kriterium, gar keine Frage. Dennoch wird es ja genau hier spannend, denn Menschen sind nunmal subjektiv. Wie bekommt man einen gemeinsamen Nenner für alle im Projekt/Team arbeitenden Menschen hin? Nehmen wir mal Scrum als Beispiel, Wie schafft es das Team eine gesunde Mischung zwischen Pragmatismus und Dogmatismus, die für alle Teammitglieder tragbar ist, zu finden?
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Gravatar Niklas Schlimm 31.10.2011
um 14:54 Uhr
Als dogmatisch wird bezeichnet, wer in der Äußerung seiner Meinung als Starrkopf gilt, der sich den Forderungen der Zeit und den Erkenntnissen der Zeitgenossen verschließt und statt dessen zwangsläufig dem Denken der Vergangenheit verhaftet ist und rückständig bleibt (Quelle: Wikipedia). Insofern würde ich dogmatisches Verhalten immer als falsch ansehen. Pragmatisch liegt für mich auch nicht "am anderen Ende" von dogmatisch sondern da sehe ich eher zum Beispiel "willkürlich" oder "deletantisch" oder "völlig planlos". Pragmatisches verhalten ist für mich das Optimum zwischen Dogma und Willkür.
Wir haben Architekturentscheidungen die Unternehmensweit gelten. An denen vorbei zu entwickeln würde das Kartenhaus zum Einaturz bringen. Deswegen verhalten wir uns da meistens dogmatisvh, d.h. es gibt wenig gute Gründe die Entscheidung nicht einzuhalten. Bei der Nutzung bestimmter Framework Features sind wir teils flexibel teils weniger flexibel. Es kommt eben auf die Folgerisiken an, verglichen mit dem Nutzen der erreicht werden soll durch eine Abweichung. Für mich ist es fast immer eine nüchterne (pragmatische) Abwägung von "Chancen" (Nutzen) und Risiken (Kosten).
#zitieren
Gravatar Joachim Arrasz 31.10.2011
um 16:19 Uhr
Hallo Nicklas,

Niklas Schlimm:
Als dogmatisch wird bezeichnet, wer in der Äußerung seiner Meinung als Starrkopf gilt, der sich den Forderungen der Zeit und den Erkenntnissen der Zeitgenossen verschließt und statt dessen zwangsläufig dem Denken der Vergangenheit verhaftet ist und rückständig bleibt (Quelle: Wikipedia).


Wenn man es bei Wikipedia liesst hat es einen sehr negativen Touch, nicht wahr? Aber wenn man in seine eigenen Projekte hineinschaut wäre man oft dankbar um die Vorteile, mir zumindest geht es oft so.


Niklas Schlimm:
Insofern würde ich dogmatisches Verhalten immer als falsch ansehen. Pragmatisch liegt für mich auch nicht "am anderen Ende" von dogmatisch sondern da sehe ich eher zum Beispiel "willkürlich" oder "deletantisch" oder "völlig planlos". Pragmatisches verhalten ist für mich das Optimum zwischen Dogma und Willkür.
Wir haben Architekturentscheidungen die Unternehmensweit gelten. An denen vorbei zu entwickeln würde das Kartenhaus zum Einaturz bringen. Deswegen verhalten wir uns da meistens dogmatisvh, d.h. es gibt wenig gute Gründe die Entscheidung nicht einzuhalten. Bei der Nutzung bestimmter Framework Features sind wir teils flexibel teils weniger flexibel. Es kommt eben auf die Folgerisiken an, verglichen mit dem Nutzen der erreicht werden soll durch eine Abweichung. Für mich ist es fast immer eine nüchterne (pragmatische) Abwägung von "Chancen" (Nutzen) und Risiken (Kosten).


Warum aber trifft man dann so oft Projekte wo eben nicht so gehandelt wird? Wäre in diesem Fall der pragmatische Ansatz Deiner Meinung nach der Richtigere gewesen, oder eben, dem Weitblick geschuldet, doch eher der dogmatische? Ich empfinde das oft als sehr schwierig, da eben auch die verschiedenen Teammitglieder verschiedene Erwartungen an ein Projekt haben, die leider sehr oft nicht synchronisiert sind.
Worin ich Dir absolut Recht gebe ist das Thema der Unternehmensarchitekturen und das hier durchaus Berechtigungen für existieren. Aber eben auch hier muss ich mich fragen: Kann ich beispielsweise den Livegang ganzer Produktreihen (ok, harter Tobak als Beispiel, aber live erlebt) verzögern und damit begründen das es unternehmensweite Architekturentscheidungen gibt, die ich einhalten muss?

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir hier, dass der Unternehmenserfolg über solchen Entscheidungen steht. Zuerst einmal muss es eine Hand geben die mich füttert, dann kann ich diskutieren ob ich diese Hand vielleicht besser nutzen kann/soll/muss ...
#zitieren
Gravatar konst 01.11.2011
um 16:28 Uhr
Der gute Livegang... Leider ist dieses Kriterium in vielen Fällen Totschlagargument gegen anständiges Design und gute Qualität und auf Kosten des Termins für den Livegang, der gehalten werden muss, wird Software schlechter entwickelt, als es eigentlich sein müsste, und als die Qualität des Teams es zulassen würde.

Es kann meiner Meinung nach Gründe geben, warum man Architekturentscheidungen im Einzelfall gut begründet und gut dokumentiert ausser Kraft setzen kann. Der Termin für den Livegang sollte jedoch in meinen Augen nicht dauerhaft auf den Thron eines solchen Kriteriums gehoben werden und ein Unternehmen, in dem der Termin für den Livegang vor allem anderen steht, wird auf Dauer auch Probleme mit der Wartbarkeit und der Qualität seiner Software bekommen. Unternehmenserfolg ist in meinen Augen mehr als nur Projekte auf den Punkt genau fertig zu stellen. Dieses Kriterium stellt für mich eher eine Äußerlichkeit dar, so wie es z.B. keinen Zusammenhang gibt zwischen dem Tragen eines Anzuges und der Fähigkeit und des Wissens eines Menschens. Leider werden diese Äußerlichkeiten viel zu oft viel zu hoch bewertet anstatt darauf zu schauen, ob denn das Innenleben stimmt und eine anständige Qualität geliefert wird, auch wenn das im einen Fall 2 Tage nach dem ofiziellen Termin oder im anderen Fall in Shorts und Turnschuhen geschieht.

Zusammenfassend denke ich, dass Pragmatismus in begründeten Einzelfällen und gut dokumentiert erlaubt sein sollte, ohne dafür jedoch Abstriche bei der Qualität und Wartbarkeit in Kauf nehmen zu müssen.
#zitieren
Gravatar Joachim Arrasz 02.11.2011
um 12:08 Uhr
Hallo konst,


konst:
Der gute Livegang... Leider ist dieses Kriterium in vielen Fällen Totschlagargument gegen anständiges Design und gute Qualität und auf Kosten des Termins für den Livegang, der gehalten werden muss, wird Software schlechter entwickelt, als es eigentlich sein müsste, und als die Qualität des Teams es zulassen würde.


Aus rein technischer Sicht sehe ich das genauso wie Du, ziehe ich die BWL Brille auf, muss ich es differenzierter sehen.

Es kann meiner Meinung nach Gründe geben, warum man Architekturentscheidungen im Einzelfall gut begründet und gut dokumentiert ausser Kraft setzen kann. Der Termin für den Livegang sollte jedoch in meinen Augen nicht dauerhaft auf den Thron eines solchen Kriteriums gehoben werden und ein Unternehmen, in dem der Termin für den Livegang vor allem anderen steht, wird auf Dauer auch Probleme mit der Wartbarkeit und der Qualität seiner Software bekommen.


Natürlich ist die Qualität etwas das leiden kann, wenn dauernd der Livegangtermin auf Prio 1 steht, dennoch, es ist die Hand die den Techniker füttert, oder vielleicht doch nicht? Ich hatte schon einige Diskussionen mit sehr techniklastigen Firmen, da wurde das anders gesehen: "Ohne unsere genialen Techniker, könnten wir uns gar kein Marketing-"Wasserkopf" leisten".

Unternehmenserfolg ist in meinen Augen mehr als nur Projekte auf den Punkt genau fertig zu stellen. Dieses Kriterium stellt für mich eher eine Äußerlichkeit dar, so wie es z.B. keinen Zusammenhang gibt zwischen dem Tragen eines Anzuges und der Fähigkeit und des Wissens eines Menschens. Leider werden diese Äußerlichkeiten viel zu oft viel zu hoch bewertet anstatt darauf zu schauen, ob denn das Innenleben stimmt und eine anständige Qualität geliefert wird, auch wenn das im einen Fall 2 Tage nach dem ofiziellen Termin oder im anderen Fall in Shorts und Turnschuhen geschieht.


Hm, denkst Du wirklich das ein Livegangtermin nur eine Äußerlichkeit ist? Ich denke das ist eine gewagte These und ich erinnere mich hier gerne an ein Zitat von Zuckerberg wo es in etwa hiess "Facebook ist nie down, Facebook geht immer zum angekündigten Termin live und wenn wir das einmal nicht tun, dann ist unser Ruf dahin und wir werden verlieren..."
Ich sehe das wirklich ein wenig anders. Was ich mir allerdings oft schon vorgenommen habe, ist rechtzeitig zu kommunizieren, dass gewisse Features nachgeliefert werden um den Termin dennoch zu halten. Das empfinde ich übrigens auch als pragmatisch

Zusammenfassend denke ich, dass Pragmatismus in begründeten Einzelfällen und gut dokumentiert erlaubt sein sollte, ohne dafür jedoch Abstriche bei der Qualität und Wartbarkeit in Kauf nehmen zu müssen.


Hier sind wir bei einer Meinung die es nun schon öfters in den Kommentaren gab, die auch vielleicht so als Conclusion aus der Diskussion herausragt:
* Pragmatische Herangehensweisen sollten verdammt gut dokumentiert und kommuniziert werden!
* Dogmatisches Handeln hilft dem Projekterfolg nachhaltig

Stimmt das so in etwa?
#zitieren
Gravatar Fabian Buch 02.11.2011
um 13:03 Uhr

konst:
Der Termin für den Livegang sollte jedoch in meinen Augen nicht dauerhaft auf den Thron eines solchen Kriteriums gehoben werden und ein Unternehmen, in dem der Termin für den Livegang vor allem anderen steht, wird auf Dauer auch Probleme mit der Wartbarkeit und der Qualität seiner Software bekommen.


Das Argument lässt sich auch umdrehen. Projekte, bei denen der Livegang ständig verschoben wird, haben vermutlich schon ein Qualitätsproblem. Durch regelmäßig pünktliche Livegänge ist man gezwungen qualitative Software zu liefern und eher den Scope anzupassen.
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Gravatar Michi 02.11.2011
um 13:45 Uhr
Qualität hat nicht nur eine Dimension! Die "pünktlichen Livegänge" mögen zur Qualität bezüglich der Abdeckung von Anforderungen führen oder auch nicht, aber frühzeitige Abgabe von Code, der selbst Mangel hat (aber trotzdem funktioniert und die Anforderung abdeckt), ist nicht so schön. In dem Fall ist die Qualität des Codes niedrig, aber die Qualität bezüglich der Termintreue besser. Konkurrierende Ziele. Kennen BWLer. Und da stellt sich die Frage, welches Ziel man verfolgen will und das ist keine Technikerfrage, sondern eine für BWLer. ;)

Nebenbei: Der Einsatz eines Frameworks ist auch eher pragmatisch begründet, nicht? Im Gegensatz ist es dogmatisch auf den Einsatz zu bestehen, aber da sehe ich keinen Gegensatz. Dogmatismus ist doch letzten Endes nur eine extreme Form des Pragmatismus. Nicht?
#zitieren
Gravatar Joachim Arrasz 02.11.2011
um 18:08 Uhr

Michi:
Nebenbei: Der Einsatz eines Frameworks ist auch eher pragmatisch begründet, nicht? Im Gegensatz ist es dogmatisch auf den Einsatz zu bestehen, aber da sehe ich keinen Gegensatz. Dogmatismus ist doch letzten Endes nur eine extreme Form des Pragmatismus. Nicht?


Hm, nun wird es schwer für mich da es langsam philosophisch wird :)
Ich empfinde den Einsatz eines Frameworks nicht als pragmatisch sondern als gesetzt, vor allem wenn es um Projekte/Produkte geht wo es auch ums Geld verdienen geht.
#zitieren
Gravatar Andreas 02.11.2011
um 19:30 Uhr
Wenn man auf die Definitionen von Dogma schaut (..., deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. [wikipededia]) und Pragmatismus
(..., die sich nach den bekannten Gegebenheiten richten, und auf eine theoretische Analyse und genaue Begründung der Wirkungen verzichtet.[wikipededia]), zeigt sich doch das beides Extreme sind mit denen man früher oder später auf die Nase fällt.

Eine Regel, die ich wider besseres Wissen nicht aufheben kann, ist doch nicht weniger schädliche als gar keine zu haben.

Als Entwickler wünsche ich mir deshalb Architekten im Team, die Regeln ändern wenn es Rational begründbar ist. Als Architekt wünsche ich mir Entwickler die Regeln hinterfragen bevor Sie sie anwenden. Also wäre die Forderung doch eigentlich, sei rational (in Zweck und Mittel Interpretation).

Im übrigen sind meiner Meinung nach vor allen die Persönlichen skills der beteiligten Personen Ausschlag gebend dafür wie Dogmatisch oder Pragmatisch ein Projekt geführt werden muss oder kann. Wobei für mich die Regel gilt, je mehr Kommunikation, um so die technische Fähigkeiten und umso Disziplinierter (leider;)) umso mehr Pragmatismus ist möglich.
#zitieren
Gravatar Joachim Arrasu 03.11.2011
um 17:27 Uhr
Hallo Andreas,


Andreas:
Wenn man auf die Definitionen von Dogma schaut (..., deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. [wikipededia]) und Pragmatismus
(..., die sich nach den bekannten Gegebenheiten richten, und auf eine theoretische Analyse und genaue Begründung der Wirkungen verzichtet.[wikipededia]), zeigt sich doch das beides Extreme sind mit denen man früher oder später auf die Nase fällt.

Eine Regel, die ich wider besseres Wissen nicht aufheben kann, ist doch nicht weniger schädliche als gar keine zu haben.

Als Entwickler wünsche ich mir deshalb Architekten im Team, die Regeln ändern wenn es Rational begründbar ist. Als Architekt wünsche ich mir Entwickler die Regeln hinterfragen bevor Sie sie anwenden. Also wäre die Forderung doch eigentlich, sei rational (in Zweck und Mittel Interpretation).

Im übrigen sind meiner Meinung nach vor allen die Persönlichen skills der beteiligten Personen Ausschlag gebend dafür wie Dogmatisch oder Pragmatisch ein Projekt geführt werden muss oder kann. Wobei für mich die Regel gilt, je mehr Kommunikation, um so die technische Fähigkeiten und umso Disziplinierter (leider;)) umso mehr Pragmatismus ist möglich.


Das klingt für mich sehr nach "So habe ich es erfahren" :-) Ich höre noch was raus, dem ich so gar nicht widersprechen mag, nämlich das es die Rolle des Architekten so nicht geben muss, wie sie im Text dargestellt wurde. Richtig?
Ich frage provokant, wozu ist ein Architekt gut, wenn es solche Diskussionen gibt? Ist es wirklich notwendig einen Architekten zu haben? Letztlich macht er ja nur dann Sinn, wenn er MIT dem Team entwickelt, selbst Stärken und Schwächen seiner Entscheidungen spürt. Übrigens ist das eine "Mode" die ich in einigen meiner letzten Projekte spürte und die ich sehr gut finde. Der mitarbeitende Achitekt, statt den Ivorytower Architekt :-)
Dadurch wird es sicherlich wesentlich runder, aber die grundlegenden Meinungen dazu ... werden die sich dadurch auch eher annähern?
#zitieren
Gravatar Redaktion JAXenter 14.11.2011
um 12:27 Uhr
Das Ergebnis des korrespondierenden Quickvotes steht fest. Wir hatten gefragt:

Dogmatiker oder Pragmatiker: Welcher Entwicklertyp sind Sie?

63% stimmten für die Option:

# Ich bin ganz Pragmatiker: Wenn ein bestimmtes Framework an einer Stelle zu umständlich wird, sollte man das Problem besser mit einer Individuallösung beseitigen. Performanz und schneller Produkt-Livegang sind wichtiger als architektonische Reinheit!

37% meinten:

# Ich bin Verfechter einer klaren Architekturlinie: Wird in einem Projekt ein Framework, z.B. Spring, Seam, Play! etc., eingesetzt, sollte man auch alles mit dem Framework machen! Stellenweise Individuallösungen einzubauen bringt langfristig Probleme!

Vielen Dank an alle Teilnehmer!
#zitieren

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