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Juni 2011 | Artikel

Android versus iPhone: Wo bieten sich größere Geschäftschancen?

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/jaxenter/artikel/3908)

Das Business der Androiden

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In der Serie "Business der Androiden" gehen wir der Frage nach, welche Möglichkeiten das Android-Ökosystem für Unternehmen bietet, die sich im Mobile-Bereich etablieren möchten. In zweiten Teil behandeln wir die Unterschiede zwischen dem Android- und dem iPhone-Markt.

Wo sehen Sie bzgl. der Geschäftschancenim Android-Ökosystem Unterschiede zum iPhone-Markt, dem man ja oft eine bessere Kommerzialisierbarkeit nachsagt?

Arno Becker (visionera GmbH): Android bietet einige Vorteile. Da ist zum einen die flexiblere Softwareverteilung, mittels derer man Android-Apps beispielsweise in sein E-Mail-Marketing einbinden kann. Oder man bietet die Apps auf der eigenen Webseite zum Download an. Auch über Bezahlinhalte oder Werbung lässt sich Geld verdienen. Mit über 300.000 neuen Android-Geräten weltweit wird das iPhone bald weit abgeschlagen auf dem 2. Platz rangieren. Allein aufgrund der Menge der Nutzer lässt sich zunehmend mehr Geld verdienen.

Hinzu kommt die wesentlich weiter reichende Funktionalität des Betriebssystems, welches z.B. echtes Multitasking zulässt. Hier eröffnen sich gerade im Businessbereich, aber auch für Endanwender, ungeahnte Möglichkeiten. Und dann ist da noch der Markt der Embedded Systems. Hier lassen sich bald auch teure Spezial-Apps verkaufen. Car-Entertainment ist da nur ein Stichwort.

Jan Schlink (metaio GmbH): Wer an Reichweite interessiert ist, kommt am Android Market vor allem in Zukunft nicht vorbei. Außerdem wird sich auf lange Sicht bei den Entwicklern eventuell die offenere Umgangsform gegenüber der restriktiven Apple-Politik durchsetzen. Wer die Entwickler hat, hat den besseren Content und somit das interessantere Umfeld. Schnelle Kommerzialisierung versus kreatives Chaos? Wir werden sehen!

Johannes Borchardt (ANDLABS GbR): Die Aussage, der Android Market habe eine schlechtere Kommerzialisierbarkeit als der App Store, ist eine Falle, in die schon viele getappt sind. Unsere Erfahrungen zeigen, dass zwar das Monetarisierungskonzept in den meisten Fällen ein anderes sein muss, die möglichen Ergebnisse aber mindestens gleichwertig sind. Anders als auf dem iPhone lohnen sich bei Android werbegestützte Anwendungen sehr. Zumeist wird noch eine werbefreie Version gegen Geld angeboten, was aber als Zugeständnis an die Nutzer anzusehen ist, nicht als Freemium-Konzept.

Welche Chancen In-App Billing auf Android bietet, wird sich noch erweisen. Erste Erfahrungen zeigen z.B. bei werbefreien Vollversionen, die sonst separat verkauft werden, dass die Absätze etwa drei Mal so hoch sind.

Wenn man auf seine Kunden hört, kann man im Android Market sehr viel erreichen.

Andreas Heim (smashing ideas inc): Wer im Augenblick mehr Geld reinbringen möchte, muss auf Werbung setzen. Längerfristig geht es über die Masse. Es wird so viele Android Smartphones und Tablets geben, dass selbst wenn Androidnutzer weniger Apps kaufen, am Ende der Markt doch größer ist. Es kommt aber immer auch auf die individuelle Applikation an. Es gibt ja auch durchaus Apps, die jetzt schon mit Android ähnliche Umsätze machen.

Jörg Bredlau (Opitz Consulting Essen GmbH): Noch ist der Anteil der kostenpflichtigen Apps im Apple App Store deutlich höher als im Android Marketplace – entsprechend gibt es bei Google mehr kostenlose Apps. Hier bieten sich Chancen für lukrative Geschäftsmodelle über Sponsoring: Bestes Beispiel ist das Spiel "AngryBirds", das im Android-Market kostenlos erhältlich ist und über Werbung finanziert wird. Laut Hersteller Rovio sind die Einnahmen hier letztendlich signifikant höher als mit der kostenpflichtigen iOS-App. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis Google bei den kostenpflichtigen Apps aufgeholt hat. Aktuelle Studien zeigen, dass Android-Nutzer in einer ähnlichen Größenordnung wie iPhone/iPad-Besitzer bereit sind, für Apps zu bezahlen.

Hier ist also für Unternehmen im B2C-Bereich erhebliches Potential vorhanden. Dies wird untermauert durch Prognosen der Marktforschungsunternehmen, die für Android bis 2015 einen Marktanteil von 45% unter den mobilen Betriebssystemen voraussagen. Ob diese Zahlen wirklich so eintreffen, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass die Android-Plattform derzeit und auch in Zukunft einem rasanten Wachstum unterworfen sein wird und deshalb eine große Chance für Unternehmen in diesem Bereich darstellt.

Ein weiterer Unterschied gegenüber dem iPhone-Markt liegt in dem offenen Ansatz, den Google mit Android fährt, sowie dem einfachen Zugang zum Marketplace für App-Entwickler. Dadurch ist ein hohes Wachstum an Android-Applikationen in den nächsten Jahren zu erwarten. Bedingt durch den Open-Source-Ansatz von Android sind zahlreiche Entwickler und Hersteller daran beteiligt, die Plattform durch Verbesserungen und neue Features stetig nach vorne zu treiben.

Neben dem Vertrieb einer App über den Marketplace stehen dem Entwickler bei Android alternative Vertriebskanäle zur Verfügung: Das kann der App Store eines anderen Anbieters sein, aber auch die eigene Webseite des Entwicklers bzw. des Unternehmens kann zur Verteilung benutzt werden. Dies ist für Unternehmen interessant, die z.B. Anwendungen im B2B-Bereich entwickeln und ihre Apps nur einem eingeschränkten Benutzerkreis zur Verfügung stellen wollen. So könnte ein Außendienstmitarbeiter beispielsweise bequem von unterwegs per App auf Unternehmensdaten und Geschäftsprozesse zugreifen.

Der Entwicklungsstack der Android-Plattform basiert auf der Sprache Java, sodass Entwickler, die im Java- und JEE-Bereich unterwegs sind, einen einfachen Zugang zur App-Entwicklung finden. Da die gewohnten Entwicklungstools und Frameworks weiterverwendet werden können, ist es für Unternehmen einfacher, erfahrene Entwickler für Android-basierte Projekte zu finden.

Eine Unwägbarkeit könnten die Beweggründe derjenigen Nutzer sein, deren Hauptaugenmerk nicht auf der Nutzung von Apps liegt, sondern die Android-Smartphones kaufen, um im Netz zu surfen und am Social Networking teilzunehmen. Daraus ergibt sich die Herausforderung und weitere Geschäftschance, für Android-Smartphones optimierte Webanwendungen zur Verfügung zu stellen.

Tim Messerschmidt (Messerschmidt IT): Gerade im Segment der alternativen / spezialisierten Appstores sehe ich großes Potential bei Android, welches gerade bei Amazons Appstore und Nvidias Tegra Zone bestätigt wird. Mit spezialisierten Appstores und besonderen Angeboten können Zielgruppen allgemeiner angesprochen werden. Dies hat vor allem auch den Vorteil, dass sich die Nutzer nicht mehr durch 100.000 Apps und mehr kämpfen müssen, sondern um eine auserlesene Anzahl.

Im nächsten Teil der Serie fragen wir nach den verschiedenen Geschäftsmodellen im Android-Ökosystem. Wie lässt sich mit Android Geld verdienen?

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Kommentare

Gravatar Sascha 30.06.2011
um 18:28 Uhr
Ich finde es erstaunlich, dass soviele "Experten" hier eher mit technischen Argumenten hantieren als mit psychologischen, dazu dann noch die ganzen Argumente gegen Android weglassen und mit der typischen "ja, jetzt grad ist es anders, aber baaald kommt man nicht mehr dran vorbei"-Argumentation dann alles andere erschlagen wollen.

Natürlich wird es auf Dauer wesentlich mehr Android-basierte Geräte als iOS-basierte (Sorry, aber "iPhone vs Android" ist ja Äpfel mit Birnen vergleichen) geben, aber Masse ist ja nicht alles.

Technisch:
- Der Android-Device-Markt ist so dermassen unübersichtlich, dass es schwer fällt, eine gescheite App zu programmieren, die überall läuft. Unterschiedliche Android-Versionen, Anpassungen durch die Hersteller, Auflösungen der Displays...eine gruselige Hölle.

Untechnisch:
- iOS-Geräte punkten durch die Idioten-Sicherheit. Bisher jeder Nicht-Techniker aus meinem Umfeld kam damit auf Anhieb klar und konnte Apps kaufen, Musik runterladen etc. Die wenigen Android-Geräte-Käufer dagegen brauchten fast alle einen technischen Troubleshooter, der mit ihnen die ersten Schritte ging. Wo krieg ich meine Apps her, warum seh ich die App, die ich über die Google-Suche als Top-App gefunden habe, nicht im Store etc.
- Kein Mensch, wirklich keiner, will fünfzig Werbe-finanzierte Apps mit Einblendungen und/oder Unterbrechungen auf einem Mobiltelefon oder Tablet. Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand. Das geht mit ein paar Top-Apps, aber das wird kein Massenphänomen, mit dem jeder mal eben Geld verdienen wird. Insofern prima, dass alle immer mit dem Angry Birds-Beispiel hausieren, aber das muss man erstmal nachmachen. Übrigens: Erinnert sich noch wer an Moorhuhn? :-)
- Meine Beobachtung ist, dass ein Grossteil der gutsituierten Mittelschicht eher iOS-affine Nutzer sind. Android-basierte Geräte beobachte ich eher bei jüngeren Generationen, die finanziell noch nicht so gut dastehen. Erstere sind aber die, die die Geräte derzeit auch in die Firmen tragen und durch die typische "BYOD-Taktik" die Dinge voranbringen bzw. die IT zwingen, sich mit diesen Geräten auseinander zu setzen.

Insofern halte ich es für gefährlich, sich auf eine Plattform zu fokussieren. Zumindest nach aktuellem Stand und mit dem Wissen, wo es die nächsten Monate hingehen soll. Weiter kann ja eh niemand schauen. Ich würde Kunden immer dazu raten, zu überlegen, ob es überhaupt "eine eigene App" sein muss, oder ob man nicht mit einer mobilen Web-Lösung wesentlich effizienter und unabhängiger ist.
#zitieren
Gravatar James 01.07.2011
um 10:25 Uhr
Mit 50% Marktanteil (stetig wachsend - momentan 500.000 Aktivierungen am Tag) denke ich ist das Risiko relativ klein. Man könnte sagen: es ist "kaum" gefährlich sich auf Android zu fokussieren. Im Gegenteil, jetzt nicht mit aufzuspringen wäre gefährlich... Hier geht es nicht um welches OS ist Idiotensicher oder was ist generell "toller/schicker". Solche Diskussionen sind auf Engadget besser aufgehoben. Als Entwickler interessiert mich, mit welcher Plattform ich die meisten Menschen erreiche und welche Plattform sich in Zukunft durchsetzen wird und das ist momentan Android. #zitieren
Gravatar Sascha 01.07.2011
um 11:15 Uhr
@James: Genau das meine ich mit typischer Entwickler-Meinung. Entwickler fokussieren sich immer auf irgendwelche technischen Details und "Masse". Der Anwender wird aussen vor gelassen, der wird's schon fressen. Und genau so ist es eben nicht. Warum hat denn keiner hier auf Java-ME gesetzt? Das hatte auch schon die Marktführerschaft und war auf jedem zweiten Mobiltelefon verfügbar.

Mich als Entwickler interessiert, wo meine Chancen am höchsten sind, zahlungskräftige Klientel zu finden. Und wie ich abschliessend gesagt habe: Man benötigt auch nicht für jeden Mist eine eigene App, aber auch das sagt dem Kunden kaum einer.

Zum Marktanteil: Noch sind es "nur" 40 Prozent, 50 ist die Prognose für nächstes Jahr. Hab auf die schnelle dazu aber nur was von Gartner gefunden, vielleicht hast du ja aktuellere Zahlen?

Ich bin übrigens Fan von Technologien, die in der Lage sind, für beide Plattformen zu deployen. Jetzt guckt ihr, was? :-)
#zitieren

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