Es ist das weltweit erste Buch zu Mono –und das in deutscher Sprache. Die Autoren, Ewald Geschwinde und Hans-Jürgen Schönig, sind ausgewiesene PostgreSQL-Spezialisten, die bereits drei Bücher zu diesem Thema verfasst haben und zusammen die Website www.postgresql.at/ betreiben. Der Sprung zu Mono war naheliegend, handelt es sich doch bei dem freien PostgreSQL-Datenbanksystem um eine Technologie, die ausdrücklich von dem Mono-Framework unterstützt wird und dessen Einsatz unter Mono auch eines unter vielen Themen des vorliegenden Buches ist.
Doch das Buch kommt zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine Endversion von Mono veröffentlicht ist. Während Microsoft bereits erste Informationen über die zweite Version seiner .NET-Implementierung durchsickern lässt, plätschern die Versionsnummern des Mono-Projekts – der freien und portierbaren Implementierung des umfangreichen Anwendungsframeworks – vor sich hin. Stand der Dinge (am 29. April 2003) ist die Version 0.23, dieselbe Version, die zusammen mit den Codebeispielen auf der Buch-CD als Quellcode, als Windows-Setup und als RPM-Paket ausgeliefert wird und die womöglich auch als Basis für den Buchinhalt herhielt. Genau weiß das der Leser nicht und kann es auch nicht wissen, denn eine Angabe darüber, auf welcher Mono-Version nun die Informationen basieren, sucht er vergeblich. Einige Indizien (Screenshots, Screendumps) lassen auf die Versionen 0.16 bis 0.23 schließen.
Glücklicherweise gibt es ja mit dem .NET-Framework eine Referenzplattform, die nicht nur für das Mono-Projekt selbst, sondern auch für die Autoren als Vergleichsquelle dient. Wann immer die Mono-Klassenbibliotheken von den .NET-Äquivalenten abweichen oder noch gar nicht implementiert wurden, gehen die Autoren auf diese Unterschiede ein und kennzeichnen sie mit speziellen Hinweisen. Selbst Teile des Frameworks, die bisweilen nur unzureichend in das Mono-Projekt integriert wurden, werden in dem Buch zumindest angesprochen, wie zum Beispiel das wichtige Konzept der Sicherheit und die Mechanismen, die die Laufzeitumgebung hierfür anbietet.
Andere Themen werden jedoch überhaupt nicht behandelt, so zum Beispiel ASP.NET und COM Interop. Der Verwendung von Unsafe Code, sprich Pointer-reichem C-(Legacy)-Code, ist hingegen ein ganzes Kapitel gewidmet. Weitere schwierige Themen werden ebenso besprochen: Thread- und Netzwerkprogrammierung.
Obgleich einige Themen keinen Eingang in das Buch fanden oder nur kurz zur Sprache kamen, wie etwa das Debugging, weil eben dieses derzeit mit Mono nur schwer durchzuführen ist, weist das Buch einen erstaunlichen Grad an Vollständigkeit auf, angesichts der Tatsache, dass das Final-Release von Mono erst für September diesen Jahres angekündigt ist. Selbst ein Leser ohne Microsoft-Erfahrung findet den Einstieg in die Programmierung unter Mono und wird als Code-Monkey (die inoffizielle Bezeichnung eines Mono-Experten) das Buch wieder bei Seite legen. Von den Grundlagen der Common Language Runtime und den Anfängen der C#-Programmierung über die Klassenlehre und die Fehlerbehandlung bis hin zu Algorithmen und Datenstrukturen sowie Eingabe und Ausgabe-Verwaltung wird der Leser anhand zahlreicher Beispiele durch das Framework geführt, bis er schließlich bei ADO, XML und GTK (oder genauer GTK# , der Sprachanbindung für C# an das Gnome-Framework) landet.
Schließlich bietet das Buch noch zwei Schmankerl: Das Vorwort stammt von niemand geringerem als dem Schöpfer von Mono, Miguel de Icaza, und das Nachwort – wenn man es so nennen kann – wird womöglich ebenfalls von Miguel sein. Es handelt sich um die Lizenzbedingungen für Mono.

