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November 2009 | Artikel

Microsofts Weg zur offenen Quelle

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/dotnet/artikel/2669)

Die PDC ist immer gut für Überraschungen. Das hat Microsoft erst kürzlich wieder bewiesen, als der Konzern im Rahmen der Konferenz bekannt gab, dass es einen Teil seines .NET Frameworks - nämlich das .Net Micro Framework - nun unter eine Open Source-Lizenz stellt. Dabei haben sich die Redmonder sogar für die liberalste aller Open Source-Lizenzen, die Apache 2.0 License, entschieden.

Ein völlig neuer Weg, den Microsoft da geht? Mitnichten. Denn: neu ist das Engagement des Redmonder Riesen im Bereich Open Source nicht - die Zeiten, in denen man bei Microsoft von Open Source-Software als "Krebsgeschwür" oder gar als einer Bedrohung für den "American Way of Life" sprachen, dürften endgültig vorbei sein.

Die Microsoft-Welt wird durchlässig

Schon jetzt verfügt Microsoft über ein Standbein in der Open Source-Welt. Gemeint ist die Hosting-Website CodePlex, die quelloffene Programme jeglicher Art hostet und kurz nach ihrem dritten Geburtstag im Juli 2009 die 10.000er Projektmarke knacken konnte.

Doch das Einsickern des Open Source-Gedankens in die bis vor einigen Jahren noch vollständig geschlossene Microsoft-Welt zeigt sich auch an anderen Stellen, etwa bei der Integration der quelloffenen JavaScript-Bibliothek "iQuery" in Visual Studio oder in kleineren Open-Source-Tools wie dem Web Platform Installer 2.0 oder dem Grafiktool Paint.NET. Auch dass im Juli dieses Jahres C# und CLI unter Community Promise gestellt wurden und somit die Nutzung derselben möglich ist, ohne dass Microsoft gegen Entwickler wegen möglicher Patentverletzungen vorgeht, ist ein Schritt in diese Richtung.

Das Engagement des Konzerns beschränkt sich aber nicht alleine auf die Lizenzierung von Tools oder das Hosten quelloffener Lösungen. Microsoft zeigt sich auch immer häufiger und offensiver in der Open Source-Community und wird zunehmend bei Institutionen und Konferenzen aktiv. So eröffnete der Konzern im vergangenen Jahr ein "Open Source Interop Technology Center" in Unterschleißheim bei München, um hier die Unterstützung verschiedener Open-Source-Software wie z.B. PHP unter Windows verbessern zu lassen. Konkret heißt dies nichts anderes, als dass Microsoft damit seine Windows-Plattform für den Betrieb von Open-Source-Anwendungen attraktiv machen möchte.

Seit Mai 2008 ist die Microsoft GmbH denn auch Mitglied der Open Source Business Foundation, deren Gründung es mit vorangetrieben hat.

Auch in Sachen Eclipse sind die Redmonder aktiv geworden: Microsofts Präsenz auf dem Eclipse Summit Europe im vergangenen Oktober war nicht zu übersehen. So war die Keynote-Bühne gleich zweimal für Microsoft-Präsentationen reserviert (insgesamt gab es drei Sessions im Konferenz-Plenum). Am Abend dann durfte der Software-Riese im Rahmen des "Microsoft-sponsored" Stammtisches die neuen Microsoft-Eclipse-Interoperabilitätsprojekte vorstellen. Dabei geht es um ein Eclipse-Plugin, das Java- und PHP-Entwicklern ermöglicht, ihre Anwendungen direkt aus Eclipse heraus in die Microsoft Azure-Plattform zu deployen

Was will Microsoft mit Open Source?

Bei all der unübersehbaren Annäherung bleibt aber die Frage: Was will Microsoft mit seinem Engagement im Open Source-Bereich?

Was das .NET Micro Framework anbelangt, gibt es eine klare Antwort vom Programm-Manager Colin Miller: Man wolle den Nutzern die Anpassung des Frameworks auf die individuellen Anforderungen ermöglichen. Es sieht so aus, als ob der Embedded Markt aufgrund seiner hohen Anpassungsanforderungen gar keine proprietäre Software mehr akzeptiert – man denke da nur an Eclipse, Symbian, Linux oder Android.

Auch weitere Gründe könnten eine Rolle spielen. Bereits im Mai hatte Microsoft angekündigt, das .NET Micro Framework an die Community weitergeben zu wollen. Der Änderung fielen Stellen zum Opfer - entsprechend wurde darüber spekuliert, ob Microsoft nicht etwa Open Source nutze, um Jobs zu streichen. Nicht jeder nahm darum in der Community die Ankündigung positiv wahr.

Unbestreitbar negativ aufgenommen wurde hingegen der jüngste Vorfall im Zusammenhang mit Open Source. Es ist noch keine Woche her, da wurden schwere Vorwürfe gegen den Software-Giganten laut, weil eine Analyse des USB/DVD-Upload-Tools ergeben hatte, dass Microsoft wohl Open Source Code verwendet und dessen GPLv2-Richtlinien verletzt hatte.

Ohne die Community wird es nicht gehen

Wenn Microsoft das Vertrauen der Community gewinnen will, dann dürfen solche Zwischenfälle nicht passieren. Offen bleibt aber, ob der Redmonder Konzern das überhaupt will und tatsächlich seinen ewigen Frieden mit der Open Source-Idee geschlossen hat, oder ob das Engagement in der Open Source-Welt auf etwas anderes abzielt. Doch ganz gleich, welche Strategie verfolgt wird - ohne die Unterstützung der Community wird es nicht, oder nur sehr viel schwerer gehen. Von dem Vertrauen, das Microsoft von der Basis entgegengebracht wird, hängt alles ab.

(eb)


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