Ob interne Projekte oder externes Consulting - kaum ein Unternehmen ist heute ohne funktionierende Projektorganisation denkbar. Denn die Fähigkeit einer Organisation und somit des Managements, schnell auf sich wandelnde Anforderungen zu reagieren, trägt entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit und dadurch zum Überleben einer Firma bei. Innovative Produktentwicklung, Erschließung neuer Geschäftsfelder oder interne Restrukturierungen lassen sich am besten mittels Projektarbeit vorantreiben. Doch was ist eigentlich ein Projekt? Laut betriebswirtschaftlicher Definition ist ein Projekt ein zeitlich durch einen definierten Anfangs- und Endtermin begrenztes, komplexes Vorhaben, welches durch die Einmaligkeit seiner Bedingungen, wie z.B. Projektziele, Projektabgrenzung und an der Umsetzung mitwirkender Ressourcen etc., gekennzeichnet ist. Auch für Projektmanagement gibt es eine offizielle Definition. Gemäß DIN 69901 für „Projektmanagement, Begriffe“ handelt es sich um die Gesamtheit von Führungsaufgaben, Führungsorganisation sowie Führungstechniken und -mitteln für die Projektabwicklung.
Wandel zur Projektorganisation
In nahezu allen Branchen werden die Marktgegebenheiten und der Wettbewerb immer aggressiver. Die Anforderung, komplexe Fragestellungen innerhalb kürzester Zeit mit einem Höchstmaß an Flexibilität, Effizienz und Effektivität zu beantworten, bekommt eine immer stärker gewichtete strategische Bedeutung. Deshalb befindet sich auch das Projektmanagement im Wandel. Die Anforderungen sind dabei sowohl technischer als auch organisatorischer Art:- Technische Anforderungen
- Einsatz heterogener Technologien
- Steigende Komplexität
- Organisatorische Anforderungen
- Flachere Hierarchien (Matrixorganisation), Mitspracherechte unterschiedlicher (Fach-)Bereiche
- Höherer Kostendruck
- Stärkere Vernetzung mit Kunden und/oder Partnern
- Zusammenspiel verschiedener interner und externer, zum Teil internationaler Parteien
Projektmanager-Typen in IT-Projekten
Je nach Komplexität der Projektanforderungen, der Kapazitäten, des Projektvolumens und nicht zuletzt der Unternehmenskultur ergibt sich die Frage, ob das Abstellen einer Person rein für Projektmanagementaufgaben sinnvoll ist oder ob stattdessen besser ein erfahrener Technologe mit einer Doppelrolle zu versehen wäre. Generell lassen sich folgende Projektmanager-Typen unterscheiden: Teilprojektleiter, Architekt, klassischer Projektmanager und Program Manager.
An- und Herausforderungen
Gute Projektmanager sind gesucht wie nie zuvor. Welche Fähigkeiten sollten sie mitbringen; welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Aus der steigenden Komplexität der Projektanforderungen und der Beachtung von zunehmend mehr Schnittstellen und Aspekten, lassen sich die Anforderungen an einen Projektmanager einfach ableiten. Vereinfacht gesagt - er muss diesen komplexen Anforderungen Herr werden. Indem er- schon möglichst früh in die Projektdefinition eingebunden wird und den gesamten Projektzyklus begleitet,
- die verschiedenen Projektkulturen kennt und diese schon bei der Planung berücksichtigt,
- sein Handwerkszeug (in Form relevanter Vorgehensmodelle und Tools) beherrscht,
- über ausgeprägte Soft Skills wie z.B. kommunikative Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen verfügt,
- Controlling-Kenntnisse besitzt und ROIs und Business Cases berechnen kann
- und nicht zuletzt bei Multi-Projekteinsätzen den Überblick behält und einer möglichen Doppelbelastung in der Rolle des Architekten und Projektmanagers gerecht wird.
Wie man Fehler vermeidet: Die Evaluierungs- und Planungsphase
Nur das Erkennen des eigentlichen Problems und der Anforderungen des Kunden führen zu einem erfolgreichen Projektabschluss. Im Idealfall weiß der Kunde genau, was er will, und hat dieses bereits detailliert erarbeitet und dokumentiert. Also geht es „nur“ noch um eine technische Ausarbeitung der gewünschten Lösung, was bei aller Komplexität mit klar definierten, messbaren Anforderungen in der Planungsphase recht überschaubar sein kann. Die Realität sieht allerdings meist so aus: Der Kunde hat keine konkrete Vorstellung über die notwendigen Schritte; die Lösungsvorstellung ist eher diffus; es liegt keine Analyse über die Struktur der Probleme, deren Ursache, Wirkung und Priorität vor. ABER: Der Kunde versteht sein Geschäft. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, in einem gut abgestimmten Evaluierungsprozess mit allen Entscheidungsträgern des Kunden die Probleme zu strukturieren und gemeinsam eine Lösungsstrategie zu entwickeln. Wird im Vorfeld eines Projektes ausreichend Zeit für Zieldefinition und Lösungsstrategie eingeplant, ist bereits ein großer Schritt in Richtung Projekterfolg getan. Und als positiver Nebeneffekt kann frühzeitig mit dem Risikomanagement begonnen werden.Risikomanagement: Projektrisiken frühzeitig erkennen und beheben
In vielen Unternehmen werden Projektrisiken bewusst oder unbewusst außer Acht gelassen. Oftmals werden Probleme verschwiegen, um nicht den Eindruck zu erwecken, man habe als Projektmanager das Projekt nicht im Griff. Ursachen liegen meist in schlechten Erfahrungen aus einer offenen Ansprache von Projektrisiken oder in der Angst, in politische Diskussionen zu geraten - schlichtweg wird nur ungern über Probleme geredet. Doch genau das ist im Vorfeld essentiell. Denn wenn es in der Unternehmens- und Projektkultur an dieser offenen Kommunikation und der Fehlertoleranz mangelt, dann können Risiken nicht proaktiv bewertet und in Angriff genommen werden. Was also ist Risikomanagement? Risikomanagement ist ein kontinuierlicher, das Projekt über seinen ganzen Lebenszyklus begleitender Prozess - und quasi dessen Lebensversicherung!
Häufige Fehler im Projektmanagement:
- Ungenaue Zieldefinition
- Mangelhafte Analysetools
- keine Berücksichtigung der politischen Interessen
- Unrealistische Planung
- Fehlende Erfahrung
- Fehlendes Wissensmanagement
- Fehlende Sozialkompetenz
- Fehlende Kommunikation
- Fehlende Flexibilität
- Kein strukturiertes Projektcontrolling & Reporting
- Mangelhaftes Risikomanagement
Verknüpfung von technischer, fachlicher und sozialer Kompetenz
Die Karriereperspektiven für Projektmanager sind ausgezeichnet - erfahrene Profis sind gefragt wie nie zuvor. Voraussetzung ist jedoch, dass alle Instrumente des Projektmanagements sicher beherrscht werden - von den Analysefähigkeiten bis hin zur Sozialkompetenz. Auftraggeber und Kunden wünschen sich heute mehr als einen bloßen Projektkoordinator, der die Fäden zusammenhält. Sie suchen vielmehr einen „Trusted Advisor“, der sie über den gesamten Projektverlauf hin begleitet. Dabei belegen Zertifizierungen sicher die entsprechend erworbenen theoretischen Kenntnisse - sie können jedoch praktische Projekterfahrung niemals ersetzen. Personalentscheider achten daher bei der Auswahl von Projektmanager auch besonders auf das Vorhandensein von Soft Skills wie:- Analysefähigkeiten
- Strukturierte Arbeitsweise
- Kommunikationsfähigkeit und sensitive Hartnäckigkeit
- Flexibilität
- Qualitätsbewusstsein
- Teambuilding-Fähigkeiten
- Fähigkeit zum Deligieren
Yasmine Limberger, Diplom-Betriebswirtin, ist bei Avanade Deutschland GmbH verantwortlich für das Personalmarketing und Recruiting. Ihr Fokus liegt auf Talent-Akquisition, Personalauswahlverfahren, Persönlichkeitswahrnehmung und Training – Sie erreichen sie unter yasminel@avanade.com


