In der IT-Branche herrscht eine besonders hohe psychische Gesundheitsbelastung vor, die zu einer zunehmenden Anzahl von Burnout-Syndromen, Depressionen, Panikattacken bis hin zu Suiziden geführt hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsprojekts DIWA-IT vom Münchner Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF). Demnach seien hochqualifizierte Angestellte in IT-Unternehmen einem System permanenter Bewährung ausgesetzt, in dem ihnen tagtäglich die Beweisschuld abverlangt werde, eine Berechtigung für die Arbeit in der Firma zu besitzen.
Ergebnis dieses ständigen Bewährungsdrucks sei eine existenzielle Verunsicherung, die im Zusammenhang mit der oft geforderten Leistungsverdichtung und einer Veränderung der betrieblichen Sozialordnungen die Angestellten dazu treibe, regelmäßig über ihre Grenzen hinauszugehen.
"Wir waren erschrocken, welches Ausmaß das in den letzten Jahren angenommen hat", kommentiert Andreas Boes, Sozialwissenschaftler am ISF München.
Wenn wir den Betrieben Forschungsergebnisse vorstellen, gibt es häufig ein richtiggehendes Erschrecken und ein vermehrtes Bedürfnis, etwas zu ändern. Gleichzeitig ist aber unter dem Druck der Verhältnisse ein Gefühl entstanden: ‚Da müssen wir jetzt irgendwie durch’, und dann wird alles andere an den Rand gedrängt. Alle wissen, dass die Gesundheit am seidenen Faden hängt, aber sie bringen nicht den Mut auf, etwas zu ändern. Andreas Boes
Die Forschungsgruppe fordert deshalb, das Thema "Gesundheit" wieder zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik zu machen, um zu verhindern, dass die Leistungsträger der IT-Wirtschaft "ausbrennen".
Einige der Ergebnisse der Studie wurden am 17.11. in der Arte-Dokumentation "Burnout – Schuften bis zum Umfallen" vorgestellt. Wer die Ausstrahlung verpasst hat, findet eine Download-Version der Sendung auf www.arte.tv. Weitere Informationen zur Studie finden sich auf der DIWA-IT-Informationsseite.










