Buch-Tipp

Die Welt ist flach

(Link zum Artikel: http://www.it-republik.de/business-technology/buchtipps/000646)

Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts

  • Autor/in: Thomas L. Friedman
  • Verlag: Suhrkamp Verlag
  • Seiten: 720
  • erschienen: 18.09.2006
  • Preis: 26,80 Euro
  • ISBN: 978-3-518-41837-6
6/10 Punkte

Globalisierung ist seit längerem in aller Munde. Meist geht es um Einzelfragen wie die Verlagerung von Arbeitsplätzen von einem Land ins andere oder Arbeitsbedingungen in Schwellenländern. All das sind wichtige Aspekte des genannten Phänomens, was Globalisierung allerdings tatsächlich für die Welt bedeutet, tritt hinter diesen Betrachtungen meist zurück.

Thomas L. Friedman bringt es auf die Formel "Die Welt ist flach" - gemeint ist damit, dass es die technische Entwicklung den Menschen heute ermöglicht, mit anderen auf einer Ebene unmittelbar zu konkurrieren – unabhängig davon, wo sie sich auf der Welt befinden. Während vor gar nicht langer Zeit beispielsweise viele Inder nach Amerika strebten, um in den Vereinigten Staaten ihr Glück zu machen, bleiben sie jetzt einfach zuhause und verdienen dennoch mit US-Amerikanern ihr Geld.

Globalisierung zum Ersten, zum Zweiten und ...
Friedman teilt die Entwicklung zu dieser flachen Welt in drei Stadien ein. Globalisierung 1.0 nennt er die Zeit ab 1492, als die globale Vernetzung von Staaten ausging. Kolonialisierung ist hier das Stichwort. Nach den Staaten traten mit dem 19. Jahrhundert Unternehmen als Treiber der Globalisierung auf den Plan. Daran sind wir alle seit unserer Kindheit gewöhnt: Konzerne mit Markenidentitäten in allen Ländern der Welt sind ein Stück Normalität. Ob wir Autos oder Computer kaufen oder Essen gehen.

...zum Dritten!
Bei dem was Friedman als Globalisierung 3.0 bezeichnet stehen einzelne Menschen im Vordergrund. Wissen ist aufgrund der modernen Informations- und Kommunikations-Technologien für eine sehr viel größere Anzahl von Menschen verfügbar als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte. Gleichzeitig sind die Kosten für den Austausch von Informationen zwischen beliebigen Orten weltweit in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Damit können Dienstleistungen angeboten werden über die noch vor wenigen Jahren niemand ernsthaft nachgedacht hätte.

In 700 Seiten um die Welt ...
Friedman nimmt den Leser, um diese Entwicklung zu verdeutlichen, mit auf eine Reise um die Welt und zeigt Beispiele für die Globalisierung 3.0. Kosteneinsparung ist dabei nur ein Faktor. Kreativer sind Ansätze, die beispielsweise die unterschiedlichen Zeitzonen nutzbar machen. Wenn etwa ein Röntgenbild am Nachmittag erstellt und dann – nach Feierabend in diesem Teil der Welt – auf der anderen Seite des Globus tagsüber ausgewertet wird. Auch muss ein "outgesourcter" Telefonservice-Mitarbeiter nicht in Indien sitzen. Genauso gut kann er vor dem heimischen Rechner in einer strukturschwachen Region des eigenen Landes sitzen. Das eigentlich Faszinierende dieser Entwicklung: Es spielt schlicht keine Rolle mehr. Und genau diesen Punkt versteht Friedman ausgezeichnet herauszuarbeiten.

Das Ganze ist sehr ausführlich gehalten und mancher wird sich wünschen, das Buch wäre etwas kompakter. Andererseits ist es gerade die Vielzahl der Beispiele, die zu einem wirklich runden Bild vom dem, was Globalisierung ausmacht führt. Sicher ist Friedmans Perspektive zuallererst eine amerikanische – aber, ist das wichtig in einer flachen Welt?

von Peter Pagel

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