Wie hätte Winnetou entschieden? Diese Frage stellt der Titel eines kleinen Managementleitfadens, den ich neulich in einem Museumsshop entdeckte. Tipp Nr.4 rät: "Leg dein Ohr auf die Schienen". Ich spreche ganz klar keine Kaufempfehlung für das Büchlein aus – die Frage wie sich andere bei schwierigen Entscheidungen verhalten hätten, ist aber eine gute. Architekturbewertung macht genau das – auch wenn nicht zwangsläufig Indianer sondern eher gute Entwickler im Fokus stehen und der Prozess ein wenig systematischer anmutet. Ein Teil dieses Prozesses ist es, sein Ohr auf die Schienen zu legen, um zu erfahren, welche Auswirkungen Entscheidungen nach sich ziehen, an welchen Stellen die Software modifizierbar gehalten werden muss und als Wichtigstes: Was der Kunde tatsächlich will. Weil man sich in solchen Themen leicht verliert, sollte man jedoch eines ganz im agilen Sinn nicht vergessen: rechtzeitig aufzustehen bevor der Zug kommt. Moderne Bewertungsmethoden setzen all diese Aspekte um und sorgen dafür, dass entscheidende Attribute erfolgreicher Projekte greifbar werden:
- Klare und verwertbare Anforderungen
- Gute Bindung zu wichtigen Stakeholdern
- Frühe Klärung essenzieller Fragen
- Umsetzbarkeit und Angemessenheit der Architektur
- Breites Verständnis für Architektur und Probleme
Die wichtigsten Bewertungsmethoden
Die hier aufgeführten Methoden unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Ausrichtung. Die eingesetzten Techniken sind sehr ähnlich – Szenarien, Bewertungsworkshops und qualitative Durchsprachen sind dabei üblich. Weitere, spezielle Bewertungsmöglichkeiten wie Fragebögen, Checklisten oder Metriken würden den Rahmen dieses Artikels leider sprengen.
- ATAM – Architecture Tradeoff Analysis Method: Die bekannteste und ausgereifteste Methode, die detailliert auf die Beziehung zwischen Entwurfsentscheidungen und den beeinflussten Qualitätsmerkmalen eingeht.
- SACAM – Software Architecture Comparison Analysis Method: Eine Methode zum Vergleich mehrerer Architekturalternativen. So genannte "Extraction Directives" definieren Artefakte und Ansätze, die verglichen werden sollen.
- CBAM – Cost-Benefit Analysis Method: Neben Qualitätsmerkmalen wird die Architektur hier auch auf Wirtschaftlichkeit geprüft. Nutzen und ROI sind wichtige Themen beim Durchsprechen.

